SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

06. Dezember 2010, 11:29 Uhr

Frankreich

Gericht verurteilt Continental wegen Concorde-Absturz

Vor knapp zehn Jahren stürzte eine Concorde bei Paris ab und riss 113 Menschen in den Tod. Jetzt hat ein französisches Gericht der US-Fluggesellschaft Continental Mitschuld an der Katastrophe gegeben. Das Unternehmen muss eine Geldstrafe von 200.000 Euro zahlen.

Paris - Am 25. Juli ist es zehn Jahre her, dass eine Concorde der Fluglinie Air France eineinhalb Minuten nach dem Start in ein Hotelgebäude nahe dem Pariser Vorort Gonesse krachte. Sämtliche 109 Insassen des Fliegers starben, außerdem vier Menschen am Boden.

Seit Anfang Februar 2010 verhandelt das Gericht in Pontoise bei Paris über die Frage, ob der ehemalige Chef des Concorde-Programms und die amerikanische Fluggesellschaft Continental Airlines für das Unglück verantwortlich sind, sie sich mithin der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben.

Am heutigen Montag verurteilte das Gericht die Continental Airlines und einen Mechaniker der Fluggesellschaft wegen fahrlässiger Tötung. Das US-Unternehmen muss eine Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro zahlen, außerdem eine Million Euro Schadenersatz an Air France-KLM. Der französischen Airline gehörte die abgestürzte Maschine.

Der Continental-Mitarbeiter wurde zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Vier weitere Angeklagten wurden am Montag freigesprochen, darunter auch der damalige Chef des Concorde-Programms Henri Perrier. Für ihn hatte die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Ihm soll die Anfälligkeit des Flugzeugs bekannt gewesen sein.

Das Gericht bestätigte damit die Ergebnisse eines Untersuchungsberichts der Flugunfallermittler: Demnach kam es zur Katastrophe, weil der Überschalljet beim Start über eine Titan-Lamelle rollte, die von einer Continental-Maschine abgefallen war. Dabei platzte ein Reifen der Concorde, Gummiteile durchschlugen einen Tank des Flugzeugs und der ausströmende Treibstoff fing Feuer.

Die Anwälte von Continental hatten im Prozess versucht, nachzuweisen, dass die Concorde schon Minuten vor dem Kontakt mit dem Metallteil brannte. Die Anklage hatte für Continental nach einem viermonatigen Verhandlungsmarathon eine Geldstrafe von 175.000 Euro gefordert. Zwei Mechaniker sollten 18 Monate Haft auf Bewährung bekommen.

Bei der Katastrophe kamen damals 97 Deutsche ums Leben. Die meisten von ihnen wollten von New York aus zu einer Kreuzfahrt aufbrechen. Für die deutschen Hinterbliebenen hat das Urteil vor allem symbolische Bedeutung. Sie wurden von der Fluggesellschaft Air France bereits in Millionenhöhe entschädigt. Die Empfänger verpflichteten sich allerdings zu Verschwiegenheit.

Bis zu dem Absturz am 25. Juli 2000 bei Paris galt die Concorde als "Königin der Lüfte" - elegant und technisch überlegen. Für die Strecke von Paris nach New York brauchte sie mit drei bis dreieinhalb Stunden nur gut die Hälfte der Zeit, die andere Passagierflugzeuge benötigten. Die Flughöhe lag bei bis zu 18 Kilometern.

Der Anwalt von Continental kündigte an, das Urteil anzufechten. Die Entscheidung schütze nur die Interessen der französischen Wirtschaft, sagte Olivier Metzner. "Auch Air France hat Fehler begangen." Es seien Beweise verschwunden. Das werde in den nächsten Wochen bekannt werden.

ala/AFP/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung