Rettungsaktion im Nordwesten Frankreichs Hoffnungen für verirrten Belugawal in der Seine schwinden

Experten rechnen kaum noch damit, dass der weit in die Seine hinaufgeschwommene Belugawal überlebt. Für die Rettung des stark unterernährten Tiers bleibt offenbar nur noch wenig Zeit.
Belugawal in der Seine bei Notre-Dame-de-la-Garenne (Foto vom 6. August)

Belugawal in der Seine bei Notre-Dame-de-la-Garenne (Foto vom 6. August)

Foto: Jean-Francois Monier / dpa

Für den abgemagerten Belugawal in der Seine gibt es nur noch »wenig Hoffnung«. Dies sagte Lamya Essemlali von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd am Sonntag nach einem Treffen mit französischen Behördenvertretern und Experten.

Um zu überleben, müsse das Tier irgendwie innerhalb von ein oder zwei Tagen aus der 70 Kilometer von Paris entfernten Schleuse herauskommen, in der es sich derzeit befinde. Behörden und Experten hätten jedoch Zweifel an seiner Fähigkeit, von selbst ins Meer zurückzukehren.

Der Belugawal war am vergangenen Dienstag erstmals in der Seine gesichtet worden und am Freitag in die Schleuse geschwommen. Das dortige stehende Wasser ist zu warm für das ohnehin angeschlagene Tier. Normalerweise lebt die Art in arktischen Gewässern vor den Küsten Russlands, Alaskas und Kanadas. Es seien »keine optimalen Bedingungen« für den Wal in der Schleuse, sagte Essemlali.

»Er ist unterernährt und das schon seit mehreren Wochen«

Auch Versuche, den Meeressäuger zu ernähren und damit zu stärken, schlugen bislang fehl, das Tier verweigert weiterhin die Nahrung. Sein Appetitmangel könnte Anzeichen für eine Krankheit sein, sagte Essemlali. »Er ist unterernährt und das schon seit mehreren Wochen oder sogar Monaten. Er hat im Meer nicht mehr gegessen.« Zwar habe der Wal offenbar nach wie vor Kraft, reagiere auf Reize und sei neugierig.

Laut dem Sender BBC  hatten die Behörden zuletzt auch erwogen, den Appetit des Belugawals durch die Injektion von Vitaminen anzuregen. Doch selbst wenn dies gelingen sollte, liegt noch ein weiter Weg vor dem Tier. Bis zum Ärmelkanal müsste es rund 160 Kilometer den Flusslauf hinab schwimmen.

Am Samstag waren auf der Haut des Wals kleine braune Punkte aufgetaucht. Der BBC zufolge ist bislang unklar, ob dies eine Reaktion auf das Süßwasser im Fluss sei oder ob die Verfärbungen mit der sich verschlechternden Gesundheit des Tieres zusammenhängen. Eine gezielte Tötung, um dem Wal Qualen zu ersparen, wird laut Essemlali derzeit jedoch ausgeschlossen.

Es ist nach Angaben von Experten erst das zweite Mal, dass sich ein Belugawal nach Frankreich verirrt hat. Beim ersten Mal hatte ein Fischer im Jahr 1948 in der Loire-Mündung einen Wal in seine Netze gezogen.

fek/AFP
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