Geldbeutel-Designerin Kröten für Kröten

Türkisblau, Currygelb oder knalliges Pink: Monika Jarosz verwandelt Riesenkröten in Geldbeutel. Die Designerin stieß zunächst auf große Skepsis. Doch auch Tierschützer dürften gegen ihre Geschäftsidee kaum etwas einzuwenden haben.

AFP

Paris - Monika Jarosz fertigt Armbänder, Gürtel, Geldbörsen und Handtaschen - aus der Haut von Riesenkröten. Die in Paris ansässige polnische Modeschöpferin hat sich ein ungewöhnliches und auf den ersten Blick eher abstoßendes Material für ihre Kreationen ausgesucht. Diese werden in Boutiquen in Paris, Berlin und New York angeboten.

Alles begann vor knapp drei Jahren in Paris. "Ein Freund hat mir einen kleinen Glücksbringer aus einem kleinen, ausgestopften neuseeländischen Frosch geschenkt. Zuerst war ich angewidert, und dann hat es mich fasziniert", sagt Jarosz. Die 35-Jährige lebte da schon seit mehreren Jahren in Paris, hatte zunächst als Model gearbeitet und dann begonnen, Mode zu entwerfen. "Je häufiger ich den Frosch berührt habe, desto klarer wurde die Idee, daraus etwas sehr starkes wie Schmuck zu entwerfen."

Für ihre Geschäftsidee sollten aber keine Frösche getötet werden. "Ich liebe Tiere", sagt Jarosz. Zunächst versuchte sie, über Restaurants, die Froschschenkel servieren, an Froschhäute zu gelangen - vergebens. Dann hörte sie von giftigen Riesenkröten in Australien, die dort zu einer wahren Plage geworden sind.

Die Tiere waren ursprünglich aus Südamerika nach Australien gebracht worden, um Käfer zu fressen. Die Kröten breiteten sich aber so schnell aus, dass sie heute das Ökosystem gefährden und von Umweltschützern und der australischen Armee gejagt werden.

"Das war eine ganz schöne Herausforderung"

Und so bezieht Jarosz die Krötenhäute inzwischen über einen Tierpräparator aus Cairns im Nordosten Australiens. Die Verarbeitung ist höchst aufwendig: "Es sind 14 Etappen notwendig, bis die Häute gefärbt und verwendet werden können", sagt Jarosz während sie eine frische Lieferung von rund hundert grauen, zehn bis 20 Zentimeter langen Krötenhäuten sortiert. In Südfrankreich hat die Designerin eine eigentlich auf Lammleder spezialisierte Färberei gefunden, die bereit war, sich des neuen Materials anzunehmen - nach anfänglicher Skepsis.

"Ich war überrascht", sagt Jean-Charles Duchêne, Chef der Färberei. "Aber ihre Kreationen haben mir gefallen und ich wollte ihr helfen. Das war eine ganz schöne Herausforderung, wir haben uns an das Material anpassen müssen." Krötenhaut, erklärt Duchêne, sei dichter als die von Lämmern, die Farbe halte besser, daher werde auch weniger benötigt.

Zu Geldbeuteln und Handtaschen werden die gefärbten Krötenhäute dann in einem Lederwaren-Atelier im Großraum Paris. Für eine Geldbörse müssen Kunden zwischen 220 und 250 Euro hinlegen, für eine Tasche 1200 Euro. Ihr Label hat Jarosz Kobja genannt, eine Abwandlung eines polnischen Wortes, das "kleine Kröte" bedeutet.

Kröten, sinniert Jarosz, seien ein Symbol für Fruchtbarkeit und Wohlstand - aber auch für Hexerei. Mit dunklen Mächten allerdings will sie ihre Kreationen nicht in Verbindung bringen. "Ich ziele nicht auf Gothic ab, was mich interessiert ist das Märchen - die Kröte, die sich in einen charmanten Prinzen verwandelt", sagt Jarosz - und küsst einen türkisfarbenen Kröten-Geldbeutel.

wit/AFP



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