Nach Notrufausfall in Frankreich Behörden gehen von vier Todesfällen aus

Eine Mutter hatte eine Stunde lang versucht, die Rettungskräfte zu erreichen – vergebens: Ihr zweijähriges Kind starb. Die Notrufnummer in Frankreich war ausgefallen. Jetzt werden Einzelheiten zu Todesfällen bekannt.
Frankreichs Premierminister Jean Castex und Innenminister Gérard Darmanin in der Feuerwehrzentrale in Paris: »Wir beklagen die Opfer«

Frankreichs Premierminister Jean Castex und Innenminister Gérard Darmanin in der Feuerwehrzentrale in Paris: »Wir beklagen die Opfer«

Foto: ELIOT BLONDET / AFP

In Frankreich waren wegen einer Störung beim Telekommunikationskonzern Orange stundenlang die Notrufnummern nicht erreichbar. Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran sprach im Zuge des Ausfalls von drei bis vier Todesfällen. Ein zweieinhalb Jahre altes Kind starb im Westen Frankreichs, wie die Präfektur des Verwaltungsbezirks Vendée mitteilte.

»Wir beklagen die Opfer, die vermutlich auf diesen schwerwiegenden Vorfall zurückgehen«, erklärte Regierungschef Jean Castex nach einer Krisensitzung in Paris. Zu allen vier Todesfällen wurden nach seinen Angaben Ermittlungen eingeleitet. Das Telefonnetz sei inzwischen wieder »unter Kontrolle«, sagte Castex.

Es sei aber zu früh, um Schlüsse zu ziehen und eine Verbindung zu der Panne herzustellen. Auch Präsident Emmanuel Macron sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge, es sei zu früh, um eine Bilanz der Situation zu ziehen, man sei aber besorgt. »Wir müssen die Ursachen aufklären und Wege finden, damit sich so etwas nicht mehr ereignet«, sagte Castex, der zusammen mit Innenminister Gérald Darmanin und Digitalminister Cédric O über den Vorfall beriet.

Störungen seit Mittwochabend

Bereits am frühen Mittwochabend hatte es Störungen bei den Notrufnummern gegeben. In der Nacht zum Donnerstag waren rund 400 Ersatznummern eingerichtet worden, um Feuerwehr, Polizei oder Notarzt weiterhin zu erreichen. Am Donnerstagnachmittag teilte Darmanin auf Twitter mit, dass es zwar noch vereinzelte Störungen gebe, die Situation sich aber verbessert habe. Darmanin bezeichnete die Störungen als schwer und nicht hinnehmbar.

Das zweieinhalb Jahre alte Kleinkind starb an Herz-Lungen-Versagen in der Gemeinde Chavagnes-en-Paillers südlich der Stadt Nantes. Die Mutter hatte zuvor eine Stunde lang vergeblich versucht, die Rettungsdienste zu rufen. Wie für das Kleinkind soll auch für drei andere Herzpatienten medizinische Rettung wegen der Notrufpanne zu spät gekommen sein. Betroffen waren nach Regierungsangaben ein 63-Jähriger in der Bretagne sowie zwei Menschen auf der französischen Insel La Réunion.

Darmanin zufolge ist aber unklar, ob es bei den Fällen auf La Réunion besonders lange bis zum Eintreffen der Rettungskräfte gedauert hat.

Die genaue Ursache der Panne war zunächst nicht bekannt. Wegen des Ausfalls war der Chef des Telekom-Anbieters Orange, Stéphane Richard, ins Innenministerium zitiert worden. Orange – das frühere Staatsunternehmen France Télécom – bat die Kunden um Entschuldigung. Richard schloss einen externen Angriff im Sender TF1 aus. Eher handle es sich um eine Softwarepanne. Das Netz werde noch verstärkt überwacht, die Dienste funktionierten aber wieder vollständig. Auf Twitter entschuldigte sich Richard für den Vorfall.

Die Störung zieht nun Forderungen nach Aufklärung nach sich. Darmanin will den Vorfall untersuchen lassen. Die Staatsanwaltschaft in Vannes kündigte an, eine Untersuchung einzuleiten, nachdem es in dem bretonischen Ort zu einem Todesfall gekommen war, wie AFP berichtete

kha/dpa/AFP
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