Frankreich Polizei geht nach Ermordung eines Lehrers gegen Extremisten vor

Nach der Enthauptung eines Lehrers durch einen mutmaßlichen Islamisten führt die französische Polizei Einsätze gegen Radikale durch. Seit der Tat sind laut Innenminister etliche Beschwerden wegen Verbreitung von Hass im Netz eingegangen.
Französische Polizisten vor der Schule in Conflans-Saint-Honorine

Französische Polizisten vor der Schule in Conflans-Saint-Honorine

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BERTRAND GUAY / AFP

In Frankreich laufen nach der brutalen Ermordung eines Lehrers zahlreiche Polizeieinsätze gegen Islamisten. Sie richteten sich gegen "Dutzende Personen" aus dem radikalisierten Milieu, sagte Innenminister Gérald Darmanin am Morgen.

Demnach sollen vergleichbare Einsätze auch in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Im französischen Verteidigungsrat unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron war am Sonntagabend beschlossen worden, stärker gegen Radikalisierung vorzugehen und auch den Hass im Netz noch stärker in den Blick zu nehmen. Zudem soll die Sicherheit an Schulen verbessert werden.

Minister: "Eine Fatwa gegen den Lehrer"

Seit der Ermordung des Lehrers seien "mehr als 80 Ermittlungen" wegen Hasses im Internet aufgenommen worden, sagte Darmanin. Es gehe dabei etwa um Nachrichten, die die Tat des 18-jährigen Angreifers verherrlicht hätten. Der Minister kündigte zudem einen Aktionsplan "gegen Strukturen, Vereinigungen oder Menschen, die radikalisierten Kreisen nahe stehen" an. Mehr als 50 Verbände würden demnach "die ganze Woche über Besuch von staatlichen Stellen bekommen". Mehreren drohe die Auflösung.

Darmanin sprach auch davon, dass der Vater, der im Netz gegen den Lehrer mobilisiert hatte, und andere "eine Fatwa gegen den Lehrer erlassen" hätten. Es gebe kein anderes Wort, sagte Darmanin. Eine Fatwa ist im Islam eine Rechtsauskunft, um ein religiöses oder rechtliches Problem zu klären. Weltweit negative Schlagzeilen machte der Begriff, als der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini 1989 eine Todesdrohung gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie wegen Gotteslästerung aussprach.

Der Lehrer war am Freitagvormittag in einem Vorort von Paris brutal ermordet worden. Der Täter mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde von der Polizei erschossen. Kurz nach der Tat hatte dieser im Netz noch damit geprahlt und geschrieben, der Pädagoge habe den Propheten Mohammed herabgesetzt.

Polizei am Tatort: Der Geschichtslehrer war am Freitagnachmittag in einem Pariser Vorort nahe seiner Schule von dem Attentäter mit einem Messer attackiert worden

Polizei am Tatort: Der Geschichtslehrer war am Freitagnachmittag in einem Pariser Vorort nahe seiner Schule von dem Attentäter mit einem Messer attackiert worden

Foto: Kiran Ridley / Getty Images

Der 47-jährige Geschichtslehrer Samuel Paty hatte zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt. Daraufhin hatte der Vater einer Schülerin massiv im Netz gegen ihn mobilisiert und auch Daten wie die Adresse der Schule veröffentlicht. Die Schule und der 47-jährige Lehrer wurden daraufhin bedroht.

Vater in Polizeigewahrsam

Der Vater wurde nach dem mutmaßlichen Terrorakt in Polizeigewahrsam genommen. Die Staatsanwaltschaft stellte zunächst keine Verbindung zwischen ihm und dem 18-jährigen Angreifer her, der nach der Tat von der Polizei erschossen wurde.

In Frankreich wurde nach der Tat auch Kritik laut, dass nach den Drohungen gegen die Schule keine Schutzmaßnahmen getroffen wurden. "Jeder Lehrer in Frankreich muss unterstützt werden, wenn er sich in einer solchen Situation befindet", stellte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer klar.

Macron sprach von einem islamistisch motivierten Terrorakt. Das Land wird seit Jahren von islamistischen Terroranschlägen erschüttert, dabei starben mehr als 250 Menschen.

sen/dpa
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