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17. Mai 2006, 15:58 Uhr

Fremdenfeindlichkeit

Skinhead-Attacke auf Italiener war vorgetäuscht

Mit einem Baseballschläger, so hieß es am Wochenende, hatten Skinheads in Berlin einen Italiener angegriffen und verletzt. Doch Überwachungskameras zeigen ein anderes Bild von der angeblichen Attacke: Der Mann war schlicht betrunken auf S-Bahn-Gleise gestürzt.

Berlin - Wie die Staatsanwaltschaft heute mitteilte, fiel der Mann nach derzeitigen Erkenntnissen am Bahnhof Alexanderplatz auf die Gleise und verletzte sich dabei schwer. Diesen Schluss ließen die ausgewerteten Bilder der Überwachungskameras zu. Gegen den 30-Jährigen werde nun wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt.

Der Italiener hatte angegeben, in der Nacht zu Sonntag im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Opfer eines fremdenfeindlichen Angriffs geworden zu sein. Er sagte aus, dass ihn drei schwarz gekleidete und kahlgeschorene Männer wegen seiner Nationalität beleidigt und dann mit einem Baseballschläger angegriffen hätten.

Laut Staatsanwaltschaft zeigen die ausgewerteten Bilder einer Überwachungskamera eine Person, die auf dem S-Bahnhof Alexanderplatz ins Stolpern gerät und auf die Gleise fällt. Der Gestürzte sei anschließend ohne Hilfe wieder auf den Bahnsteig geklettert, habe aber wegen einer Knieverletzung nicht weiterlaufen können. Die Ermittler fanden den Angaben zufolge im Gleisbett zudem Blutspuren. Sie sollen nun mit der DNA des 30-Jährigen abgeglichen werden.

Der Ermittlungsbehörde zufolge hatte der Italiener in seinen Befragungen widersprüchliche Aussagen gemacht. Der Mann gab an, gegen 1 Uhr in der Schönhauser Allee angegriffen worden zu sein. Er wurde jedoch erst drei Stunden später mit einer gebrochenen Kniesscheibe am mehrere Kilometer entfernten S-Bahnhof Alexanderplatz aufgefunden. Zweifel an der Darstellung des Opfers gab es auch, weil sich keine Zeugen gemeldet hatten. Der Fall hatte in Italien ein großes Medienecho hervorgerufen.

dab/ddp

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