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Frieda Fritzshall, 91

aus DER SPIEGEL 27/2021
Foto:

Ron Gould / picture alliance/AP Photo

Frieda Weiss war 14 Jahre alt, als sie 1944 gemeinsam mit ihrer Mutter und zwei Brüdern aus der Tschechoslowakei von deutschen Nazis nach Auschwitz deportiert wurde. Ihre Familienangehörigen wurden umgebracht. Fritzi, wie das jüdische Mädchen gerufen wurde, überlebte als Zwangsarbeiterin, weil ihr gesagt worden war, sie solle ihr Alter mit 15 Jahren angeben. Nach der Befreiung durch die sowjetische Armee gelang es ihr, zum Vater nach Chicago zu kommen. Bald besuchte sie eine Kosmetikschule und heiratete Norman Fritzshall, die beiden bekamen einen Sohn, das Leben ging weiter. Doch 1977 änderte sich alles, denn Frieda Fritzshall und andere Holocaust-Überlebende setzten sich ein für das Verbot einer Neonazi-Demonstration in ihrer Nachbarschaft. Die Wogen schlugen hoch. Für die damals 48-Jährige begann ein Dasein als Aktivistin, das seinen Höhepunkt in der Eröffnung des heute zweitgrößten Holocaust-Museums der USA fand; 2010 wurde sie Präsidentin des Illinois Holocaust Museum & Education Center in Skokie bei Chicago. Bereits 1990 war es ihr gelungen, die Geschichte des Holocaust als obligatorischen Unterrichtsstoff an den Schulen von Illinois zu verankern. Um gegen das Vergessen zu kämpfen, trat sie auch als Zeitzeugin auf und ließ sich schließlich als Hologramm verewigen. Warmherzig, strahlend, freundlich tritt sie da auf und erzählt eindrücklich von ihren schrecklichen Erlebnissen und Verlusten. So wollte sie es: »Unsere Geschichten werden weiterleben.« Frieda Fritzshall starb am 19. Juni in Deerfield, Illinois.

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