Friesland Kochsalzlösung statt Impfstoff – Dutzende bekommen dritte Biontech-Dosis

Um ein Missgeschick zu vertuschen, wurden in Friesland mehrere Biontech-Impfspritzen mit Kochsalzlösung gefüllt. Jetzt sollen Betroffene nachgeimpft werden. Dutzende Menschen sind dadurch in einer außergewöhnlichen Lage.
Impfzentrum in Schortens

Impfzentrum in Schortens

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Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Nachdem eine Mitarbeiterin eines Corona-Impfzentrums in Friesland sechs Spritzen mit Kochsalzlösung statt mit dem Biontech-Impfstoff gefüllt hatte, lädt der Landkreis nun 117 Personen zu Antikörpertests ein, um herauszufinden, wer eine wirkungslose Dosis bekommen hat. Für 80 weitere möglicherweise Betroffene ist die Lage jedoch etwas komplizierter.

Eine Mitarbeiterin des DRK im Impfzentrum Schortens hatte am 21. April versehentlich eine Ampulle mit Biontech fallen lassen. Eigentlich hätte sie diesen Fehler nur melden müssen. Die Frau vertuschte ihn jedoch, indem sie sechs Spritzen mit Kochsalzlösung anstatt mit dem Impfstoff füllte – für die Betroffenen zwar nicht schädlich, aber ohne Wirkung.

Einige Tage später gestand die Frau ihr Vergehen einer Kollegin, die den Vorfall meldete.

197 potenziell Betroffene

Da nicht mehr nachvollzogen werden konnte, wer eine der betroffenen Spritzen bekommen hatte, kontaktierte der Landkreis in Folge alle 197 Menschen, die während des infrage kommenden Zeitraums geimpft worden waren.

117 dieser Personen waren demnach zur Erstimpfung in Schortens und werden am Mittwoch in Jever und Varel auf Antikörper getestet, wie der Landkreis mitteilte . Da die etwaige Impfung nun zwei Wochen zurückliegt, müssten sich im Körper eines tatsächlich Geimpften Antikörper gebildet haben. Dies wird mithilfe eines Bluttests ermittelt. Nach etwa drei Tagen werden die Ergebnisse erwartet.

Die restlichen 80 Personen waren zur Zweitimpfung vor Ort. Bei ihnen lässt sich kein Antikörpertest durchführen, weil unklar wäre, ob vorhandene Antikörper noch von der ersten Spritze oder schon von der zweiten stammen. Diese Personen werden laut Landkreis stattdessen zu möglichen Impfreaktionen befragt, da es nach der Zweitimpfung mit Biontech häufig zu starken Symptomen komme.

Dutzende bekommen dritte Dosis

»Wenn es nach dem Termin [am 21. April] zu einer starken Impfreaktion gekommen ist, dann ist die Impfung auch erfolgt. Für diese Personen erfolgt keine weitere Impfung«, heißt es in der Mitteilung des Landkreises. Dies sei bei sechs der bisher erreichten Menschen der Fall.

Gab es keine Impfreaktion, dann wird den Personen eine weitere – möglicherweise dritte – Impfung angeboten. Dies sei laut der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts unbedenklich, allerdings könne die Impfreaktion in einem solchen Fall noch stärker ausfallen als nach einer Zweitimpfung. 62 der Betroffenen wollen diese Option wahrnehmen. Zwölf Personen konnten bisher noch nicht befragt werden.

zob
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