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04. März 2012, 00:22 Uhr

Frontalzusammenstoß

Tote und Verletzte bei Zugunglück in Polen

Beim Frontalzusammenstoß zweier Züge in Polen sind mindestens 14 Menschen getötet und etwa 60 verletzt worden. Ministerpräsident Tusk sprach vom schwersten Unglück der vergangenen Jahre. Die Züge kollidierten auf der Strecke zwischen Warschau und Krakau.

Warschau - Die Bilanz des Unglücks in dem Ort Szczekociny liege derzeit bei 14 Toten - das teilte Innenminister Jacek Cichocki am Sonntagmorgen am Unglücksort der Presse mit. "Dies ist die schlimmste Katastrophe seit Jahren", sagte Ministerpräsident Donald Tusk, der ebenso wie Cichocki an den Unglücksort geeilt war. Etwa 60 Menschen wurden verletzt, Behörden sprachen von etwa 30 Schwerverletzten.

Das Unglück ereignete sich gegen 21 Uhr am Samstagabend. Nach Angaben der Bahn stießen zwei Züge in dem Ort rund 80 Kilometer nördlich von Krakau frontal zusammen. Aus noch ungeklärter Ursache waren sie auf demselben Gleis unterwegs: Der eine Zug war mit vier Wagons auf der Fahrt von Warschau nach Krakau, der andere - mit sechs Wagons - aus der Stadt Przemysl in Richtung der Hauptstadt. In dem Zug von Warschau nach Krakau sollen sich etwa 120 Passagiere befunden haben, in dem zweiten Zug von Przemyl nach Warschau rund 250.

Das Unglück ist das schwerste Zugunglück seit 1990, als bei der Kollision zweier Vorortzüge in Warschau 16 Menschen starben. Seine letzte große Katastrophe in jüngeren Jahren erlebte Polen, als das Flugzeug des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski mit Abgeordneten und Funktionären in Russland abstürzte, alle 96 Insassen kamen ums Leben.

Berichten über das Zugunglück zufolge wurden bei der Kollision beide Lokomotiven sowie drei Waggons aus den Gleisen geworfen und weitgehend zerstört. Auf Bildern vom Unfallort sind umgestürzte und schwer zerstörte Eisenbahnwagen zu sehen. An der Unglücksstelle arbeiten etwa 450 Feuerwehrleute und hundert Polizisten. Zur Versorgung der Verletzten waren Zelte errichtet worden. Neben Krankenwagen sind auch Hubschrauber im Einsatz.

Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen könnte. Am frühen Morgen waren in den Trümmern der beiden Züge immer noch Passagiere eingeschlossen. Die Retter arbeiten fieberhaft, um sie zu befreien. Mit Spürhunden versuchen sie, die Eingeschlossenen ausfindig zu machen.

Die ersten Angaben über den Zustand der Vermissten waren widersprüchlich. Ein Feuerwehrmann sagte dem Nachrichtensender TVN24, die Helfer seien in Kontakt mit mehreren Menschen in den zerstörten Zügen. Cichocki hingegen sagte, keiner der Eingeschlossenen sei mehr bei Bewusstsein.

"Grad der Zerstörung enorm"

Überlebende schilderten der polnischen Nachrichtenagentur PAP den Unglückshergang: Es habe einen furchtbaren Lärm gegeben, und sie seien von ihren Sitzen gefallen. Sie hätten mehrere Leichen gesehen sowie Körperteile inner- und außerhalb des Zuges. Ein Feuerwehrmann sagte, der Grad der Zerstörung sei enorm.

"Es fühlte sich an wie ein Schlag", berichtete ein Überlebender dem Fernsehen. "Die Lichter gingen aus. Alles flog durcheinander, wir flogen wie Taschen durch das Abteil. Wir konnten Schreie hören. Wir haben gebetet." Nach Schätzungen der Bahn befanden sich rund 350 Menschen an Bord der beiden Züge.

Die Behörden leiteten ein Ermittlungsverfahren ein, um die genauen Umstände und Ursachen des Unglücks zu klären.

otr/siu/heb/dpa/dapd/Reuters/AFP

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