US-Bundesstaat Colorado Gericht spricht Opfern von Fruchtbarkeitsbetrug fast neun Millionen Dollar zu

Die Paare hatten alle den gleichen Wunsch: ein Kind – durch künstliche Befruchtung mit Spendersamen. Doch sie wurden alle getäuscht – von ein und demselben Arzt. Er verwendete sein eigenes Sperma. Nun muss der Mann blechen.
Eine junge Familie nach der Geburt eines Kindes (Symbolbild): Im US-Bundesstaat Colorado erging ein Urteil gegen einen Arzt wegen Fruchtbarkeitsbetrugs

Eine junge Familie nach der Geburt eines Kindes (Symbolbild): Im US-Bundesstaat Colorado erging ein Urteil gegen einen Arzt wegen Fruchtbarkeitsbetrugs

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Im US-Bundesstaat Colorado wurde im Rahmen eines Gerichtsverfahrens drei Familien fast neun Millionen US-Dollar zugesprochen. Sie hatten einen Fruchtbarkeitsarzt beschuldigt, sein eigenes Sperma zur Befruchtung von drei Müttern verwendet zu haben, obwohl diese anonyme Spender angefordert hatten.

Die Geschworenen trafen am späten Mittwoch (Ortszeit) ihre Entscheidung und befanden, dass Dr. Paul B. Jones und seine Klinik, Women's Health Care of Western Colorado, haften müssen, berichtet die Denver Post am Freitag . Weder der verurteilte Arzt persönlich noch die Klinik wollten sich zu dem Urteil äußern.

Die Geschädigten hatten Jones und seine Klinik 2019 verklagt und ihn beschuldigt, sein eigenes Sperma bei sieben künstlichen Befruchtungen im Zeitraum von 1979 bis 1985 verwendet zu haben. Die durch die künstlichen Befruchtungen entstandenen Kinder erfuhren als Erwachsene durch Ahnenforschungsdienste, dass sie eine gemeinsame Verbindung hatten – Jones.

Einige Familien einigten sich außergerichtlich mit dem Arzt, sagte Maia Emmons-Boring, eine der Klägerinnen, die den Fall vor Gericht brachte. Die Texanerin erfuhr vor mehr als drei Jahren durch einen DNA-Test für den Hausgebrauch, dass der Mann, den sie ihr ganzes Leben lang ihren Vater nannte, nicht ihr leiblicher Vater war. »Unser Ziel war nie das Geld«, sagte sie. »Ich wollte ihn vor Gericht sehen.«

Das Gerichtsurteil gegen Jones folgte auf ein 5-Millionen-Dollar-Urteil gegen einen Arzt aus Vermont im vergangenen Monat. Die beiden Entscheidungen schaffen einen Präzedenzfall für Fruchtbarkeitsbetrugsfälle im ganzen Land, sagte Jody Madeira, Juraprofessorin an der Indiana University und Expertin für Fruchtbarkeitsbetrug. »Diese beiden Urteile nebeneinander belegen, dass die Öffentlichkeit dieses Verhalten ablehnt«, sagte Madeira. »Sie wissen, dass das nie der Standard war, und sie empfinden es als grotesk.«

Das Urteil in Colorado erging, einige Tage nachdem das Landesparlament des Bundesstaates einen Gesetzentwurf eingebracht hatte, um von Samenspendern gezeugte Personen besser zu schützen.

jso/AP