Fuchsjagd-Streit Prinz Charles droht mit Exil

Großbritanniens Thronfolger Charles hat sich tief in die Nesseln gesetzt: Er soll Regierungschef Tony Blair gedroht haben auszuwandern, wenn die Fuchsjagd - immerhin eines der Lieblingshobbys der Royals - verboten werde. Keine schlechte Idee, finden jetzt einige Politiker.


Prinz Charles: "Den Rest meines Lebens Ski fahren"
AP

Prinz Charles: "Den Rest meines Lebens Ski fahren"

London - Prinz Charles stellt offenbar sein privates Hobby Fuchsjagd - was von der Regierung als "Tierquälerei" bezeichnet wird und verboten werden soll - über die Interessen der Monarchie. Im Zusammenhang mit einer Großdemonstration gegen das Verbot der Treibjagd hatte sich der 53-Jährige bereits am vergangenen Wochenende an die Seite der Protestler gestellt. In einem Brief an den britischen Premiers Tony Blair, zu dem er eigentlich einen guten Draht haben soll, schrieb der Erstgeborene der Queen, Bauern würden in Großbritannien stärker diskriminiert als "Schwarze und Schwule". Nun wurde ein weiteres pikantes Detail aus dem Schreiben bekannt: Falls die Regierung tatsächlich wie geplant die Fuchsjagd verbiete, soll der Prinz laut "Daily Express" gedroht haben, er werde möglicherweise auswandern "und den Rest meines Lebens Ski fahren".

Fuchsjagd in Großbritannien: Von Hundemeute zu Tode gehetzt
REUTERS

Fuchsjagd in Großbritannien: Von Hundemeute zu Tode gehetzt

Die Zeitung zitierte eine Regierungsquelle mit den Worten, das Verhalten von Charles, der auf Platz eins der Thronfolgeliste steht, sei "schockierend". Als künftiger König müsse er sich aus der Politik heraushalten, wenn er keine Staatskrise heraufbeschwören wolle. Der Labour-Abgeordnete Mark Tami sagte: "Das zeigt nur, dass Prinz Charles in einer anderen Welt lebt. Und was seine Drohung betrifft, den Rest seines Lebens Ski zu fahren, so könnte er feststellen, dass ein großer Teil der Bevölkerung sein Angebot gerne annehmen würde." Tony Banks, ebenfalls Labour-Abgeordneter, warf Charles vor, sich "unangemessen" in die Politik eingemischt zu haben. Seine Äußerung zum Ski-Fahren könnte ihm vom Volk als "überheblich" ausgelegt werden. Charles, so empfahl Banks, solle sich ein Beispiel an seiner Mutter nehmen: "Der passiert so etwas nie."

Vor der Demonstration am vergangenen Wochenende soll Charles seine Camilla, die mit ihrem Geliebten und dessen Söhnen das Faible für Fuchsjagden teilt, gebeten haben, nicht an dem Marsch durch London teilzunehmen, der von der konservativen Opposition unterstützt wurde. Dann habe Charles jedoch allen Bediensteten seines Landsitzes Highgrove einen Tag bezahlten Sonderurlaub gegeben, damit sie an dem Protestzug teilnehmen konnten - und auch Camilla ließ sich das Spektakel nicht nehmen. Sie war die prominenteste Demonstrantin für die Treibjagd, bei der ein Fuchs von einer Hundemeute zu Tode gehetzt wird.



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