Für 20.000 Pfund Sammler ersteigert Bericht von "Titanic"-Untergang

Die Aufzeichnungen einer "Titanic"-Überlebenden über den Untergang des Schiffes sind versteigert worden. Den Zuschlag bei der Auktion erhielt ein anonymer Sammler aus Osteuropa - für 20.000 Pfund. Ein anderes Stück brachte dreimal so viel ein.


London - Es sind eindrucksvolle Zeilen: Ein Augenzeugenbericht vom Untergang der "Titanic" ist in London für 20.000 britische Pfund (knapp 23.000 Euro) versteigert worden. Der Schätzpreis lag bei 15.000 Pfund. Ein anonymer Sammler aus Osteuropa erhielt den Zuschlag für die eidesstattliche Erklärung der Überlebenden Laura Francatelli, wie das Auktionshaus Henry Aldridge Son mitteilte. Das teuerste Stück bei der Versteigerung am Samstag war allerdings ein Plakat der "Titanic", das für 60.000 Pfund (rund 68.700 Euro) an einen amerikanischen Sammler ging.

Francatelli war als Sekretärin des Barons Sir Cosmo Duff-Gordon und seiner Frau Lady Lucy Christiana an Bord des Kreuzfahrtschiffs gewesen, das am 15. April 1912 im Atlantik unterging. In ihrer eidesstattlichen Versicherung beschreibt sie, wie die drei dem Tod in einem Rettungsboot entkamen, das Platz für 40 Menschen bot, aber nur mit zwölf besetzt war.

"Das Wasser fing an zu steigen, ein Mann zog mir eine Rettungsweste über und versicherte mir, dies sei nur eine Vorsichtsmaßnahme, und ich solle mir keine Sorgen machen", erinnerte sich die Francatelli in ihren Aufzeichnungen, die vor gut einer Woche erstmals veröffentlicht worden waren. Nach dem Zusammenstoß des Schiffs mit einem Eisberg sei sie - mit der Rettungsweste ausgestattet - mit ihren Vorgesetzten an Deck gegangen. Es habe kaum noch Rettungsboote gegeben, aber sie hätten schließlich doch Platz in einem gefunden, schrieb Francatelli in ihrem Bericht für die Untersuchung des Unglücks mit rund 1500 Toten.

"Es gab ein riesiges Grollen, dann Schreie und Weinen"

"Man hat uns gesagt, wir sollten rudern, um vom Schiff wegzukommen. Wir waren schon weit weg, als wir sahen, wie sich die 'Titanic' hinten aufbäumte und abtauchte. Es gab ein riesiges Grollen, dann Schreie und Weinen. Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat. Wir sagten fast nichts. Wir waren im Dunkeln", so Francatelli.

Die Duff-Gordons gehörten zu den umstrittensten Überlebenden der Katastrophe. Der wohlhabende Sir Cosmo gab jedem Mannschaftsmitglied in dem Rettungsboot fünf Pfund - was zu jener Zeit eine riesige Summe Geld war, wie Andrew Aldridge erklärte. Vielfach sei angenommen worden, dass es sich um Blutgeld gehandelt habe, um ihn in Sicherheit zu bringen und nicht zur Rettung der Ertrinkenden zurückzukehren. Es könne aber auch sein, dass das Geld nur ein Zeichen der Dankbarkeit gewesen sei, so Aldridge.

Francatelli war 31 Jahre alt, als die "Titanic" am 14. April 1912 auf einen Eisberg auflief. Ihr unterschriebener Augenzeugenbericht wurde der britischen Untersuchungskommission als Beweis vorgelegt. Sie starb 1967. Die eidesstattliche Erklärung befand sich seit ihrem Tod in privaten Sammlungen.

wit/dapd/AFP



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