Fotostrecke

In der Sperrzone: Die schwarze Haut von Fukushima

Foto: Arkadiusz Podniesinski/ REX Shutterstock

Fotos aus Fukushima-Sperrzone Verstrahlte Idylle

Endzeitstimmung: Noch immer ist das Gebiet um das AKW Fukushima weitgehend menschenleer. Der Fotograf Arkadiusz Podniesinski dokumentierte wuchernde Natur - aber auch riesige Flächen schwarzer Plastiksäcke.

Viereinhalb Jahre ist es her, seit das Kernkraftwerk in der japanischen Präfektur Fukushima durch einen Tsunami zerstört wurde. 150.000 Menschen mussten evakuiert werden und ließen auf der Flucht vor der Strahlung fast alles zurück. Bis heute sind die wenigsten heimgekehrt.

Eine Fotoserie zeigt nun die verlassenen Landstriche. Mancherorts ist die Natur dabei, die Landschaft zurückzuerobern. Verlassene Autos stehen rostend Stoßstange an Stoßstange, umwuchert von Grün. Zwischen geplünderten Supermarktregalen hängen Spinnennetze. Im Restaurant verstaubt das Geschirr auf gedeckten Tischen.

Die Fotos stammen von Arkadiusz Podniesinski. Im September 2015 begab sich der polnische Fotograf mit Schutzkleidung, Masken und Dosimetern ausgestattet nach Fukushima, um die verlassenen Häuser und Straßen zu dokumentieren. Es ist nicht sein erster Aufenthalt in einer radioaktiv verseuchten Sperrzone. In den vergangenen sieben Jahren begab er sich etliche Male in die Umgebung des Tschernobyl-Reaktors, um den Verfall festzuhalten. Beim Besuch in der Sperrzone von Fukushima gelangen ihm Aufnahmen, die an Endzeitszenarien aus dem Kino erinnern - und die zugleich erschreckend real sind.

Sie sind einfach überall

Besonders schockierend ist eine Aufnahme, die auf den ersten Blick banal wirkt. Sie zeigt große Rechtecke Tausender, wohlgeordneter Plastiksäcke. Getrennt durch schmale Pfade, legen diese Flächen sich über die Landschaft wie eine glänzende schwarze Haut.

In ihnen wird die oberste, am stärksten verstrahlte Schicht der verseuchten Erde verstaut. "Beim Betreten der Zone", erinnert sich Podniesinski, "fällt einem als Erstes die unglaubliche Größenordnung der Dekontaminierungsarbeiten auf. 20.000 Arbeiter säubern hier gewissenhaft jedes einzelne Stück Erdboden."

Eine Aktion, die Greenpeace als gescheitert betrachtet. Als die japanische Regierung Anfang September die Kleinstadt Nahara für die Rückkehr seiner 7400 Bewohner freigab, war schnell klar, dass ohnehin nur rund zehn Prozent der Einwohner überhaupt zurückkehren wollten. Etliche junge Menschen hatten in ihrer neuen Heimat Jobs gefunden, fast alle hatten Angst vor der Strahlung. Eine Sorge, die Greenpeace teilt. Auf Basis eigener Messungen, befanden die Umweltschützer, sei eine Rückkehr der Bewohner "nicht zu verantworten".

So sind die schwarzen Beutel voller Sand ein Mahnmal - und die Spur eines gescheiterten Kampfes, der noch immer andauert.

Die Säcke seien einfach überall, so der Fotograf. Es gebe Tausende solcher Deponien. "Sie werden zu einem dauerhaften Bestandteil der Landschaft von Fukushima." Ebenso wie die üppige Natur, die ungestört die Spuren der Zivilisation überwuchert.