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Fukushima: Das große Aufräumen

Foto: YOSHIKAZU TSUNO/ AFP

Japans Atomkatastrophe Fukushima-Opfer verklagen Regierung und Tepco

Mehr als 300.000 Menschen in provisorischen Behausungen, ganze Landstriche noch immer wie niedergewalzt: Seit der Katastrophe von Fukushima sind zwei Jahre vergangen - doch die Aufräumarbeiten werden wohl noch Jahrzehnte dauern. Jetzt haben Hunderte Opfer die Regierung verklagt.

Tokio - Japan gedenkt der Opfer der Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe. Um 14.46 Uhr Ortszeit, dem Zeitpunkt, als am 11. März 2011 ein Erdbeben der Stärke 9,0 das Land erschütterte, legten die Menschen in den Katastrophengebieten und anderen Orten eine Schweigeminute für die fast 19.000 Todesopfer ein. In der Hauptstadt Tokio fand eine zentrale Gedenkfeier statt, an der auch Kaiser Akihito und Ministerpräsident Shinzo Abe teilnahmen.

Der Kaiser appellierte an die Japaner, Todesopfer und Überlebende nicht zu vergessen. Abe rief seine Mitbürger auf, sich an freiwilligen Hilfsaktionen zu beteiligen und zu spenden. Außerdem sollten die Japaner ins Katastrophengebiet fahren und Produkte aus der betroffenen Region Tohoku kaufen.

Hunderte Japaner haben am Jahrestag der Katastrophe Klage gegen ihre Regierung und den Energiekonzern Tepco eingereicht. Sie wollen erreichen, dass die Reinigungsarbeiten in der Region intensiviert werden. Sie verlangen den Angaben zufolge monatlich je 50.000 Yen (umgerechnet etwa 400 Euro), bis die kontaminierte Region wieder "in dem Zustand ist, in dem sie vor der Atomkatastrophe war".

Familien und ganze Dorfgemeinschaften sind auseinandergerissen

Nach Angaben der Wiederaufbaubehörde leben immer noch rund 315.000 Menschen in provisorischen Unterkünften, fern ihrer früheren Häuser, verteilt über alle Provinzen des Landes. Familien und ganze Dorfgemeinschaften sind auseinandergerissen. Noch heute sind viele Geschäfte in vom Tsunami betroffenen Städten wie Ishinomaki geschlossen.

Das Erdbeben und der Tsunami verwüsteten ganze Landstriche - und damit auch die Arbeitsplätze und Lebensgrundlage vieler Menschen. Rund 400.000 Gebäude hat die Flutwelle zerstört. Kritiker beklagen, dass der Wiederaufbau zu langsam vorankomme. Besonders schwer betroffen war die Region Fukushima, wo es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in Folge des Erdbebens und Tsunamis zu einem Super-GAU kam. Weite Gebiete wurden verstrahlt. Bis heute sind rund 57.000 frühere Bewohner nicht nach Fukushima zurückgekehrt.

Selbst wenn die Trümmer weggeräumt sind, die Wunden sind noch vielerorts sichtbar. Anders als die Strahlung in Fukushima. Zwar ist die Atomruine nach Darstellung der Regierung und des Betreibers Tepco unter Kontrolle. Ein großes Problem bereiten jedoch die Unmengen Wasser, die weiterhin zur Kühlung der beschädigten Reaktoren benötigt werden. Mehr als 360.000 Kubikmeter verstrahlten Wassers hätten sich angesammelt, die Auffangbehälter seien fast voll, warnt die Zeitung "Mainichi Shimbun".

Insgesamt könnte die Beseitigung der Schäden 30 bis 40 Jahre dauern und umgerechnet mindestens 77 Milliarden Euro kosten. Hinzu kommen Experten zufolge weitere 300 Milliarden Euro für die Entschädigung der Anwohner und die Dekontaminierung der Umgebung der Kraftwerksruine.

Derweil hat der Staat mit einem enormen Aufwand die Dekontaminierung riesiger Landstriche veranlasst, um die Belastung überall unter einen Millisievert pro Jahr zu senken. Doch auch das wirft Probleme auf. Zum einen werden die Methoden, etwa den Strahlen mit Hand und Schaufel beizukommen, von vielen Menschen angezweifelt. Man könne sowieso nicht überall dekontaminieren, zum Beispiel in den vielen Bergwäldern. Radioaktivität komme von dort immer wieder nach. Auch weiß niemand, wohin mit den wachsenden Bergen an Atommüll, denn noch immer gibt es keine Entscheidung über Zwischenlager.

wit/dpa/AFP/Reuters