Fukushima Wie Tepco das Katastrophen-AKW unter Kontrolle bringen will

Lecks in mehreren Reaktoren, Tausende Tonnen radioaktives Wasser: Immer wieder müssen die Einsatzkräfte im AKW Fukushima Rückschläge vermelden. Nun hat Betreiber Tepco seinen Krisenfahrplan für das havarierte Kraftwerk angepasst - doch in den kommenden Monaten drohen neue Gefahren.

REUTERS/ TEPCO

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Hamburg - Der Notfall tritt ein am 11. März um 14.46 Uhr und 46 Sekunden. Exakt zu dieser Zeit, nur kurz nach dem verheerenden Erdbeben, werden die Reaktoren 1 bis 3 des Atomkraftwerks Fukushima automatisch heruntergefahren. Das belegen laut der japanischen Zeitung "Mainichi" Dokumente, die der AKW-Betreiber Tepco kürzlich veröffentlichte.

Die Papiere zeigen auch, wie chaotisch es in den ersten Stunden auf der havarierten Anlage zuging. Wie die Arbeiter verzweifelt versuchten, einen Überblick über die Schäden zu bekommen. Und wie sie ihre ersten Versuche wegen der hohen Radioaktivität abbrechen mussten.

Die Dokumente stützen somit die Vermutung, dass Fukushima I das schwere Erdbeben nicht schadlos überstand - wie es Tepco und die Atomaufsicht stets behauptet hatten. Der Tsunami habe das Kühlsystem zerstört und den GAU ausgelöst, hieß es zuvor. Doch laut der neuen Analyse setzte die Kernschmelze in Reaktor 1 schon wenige Stunden nach der Naturkatastrophe ein - ausgelöst durch ein Leck infolge des Erdbebens.

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AKW Fukushima: Die Atomruine
Heute, mehr als zwei Monate später, ist die Lage noch immer nicht unter Kontrolle. Ganz im Gegenteil: Die Situation im Unglücks-AKW scheint noch bedrohlicher als zuvor angenommen. In Reaktor 1 sind die Brennstäbe vermutlich zu einem Uranklumpen verschmolzen, der nun auf dem Boden des Reaktordruckbehälters liegt.

Trotz der neuen Rückschläge will Tepco an seinem Zeitplan zur Krisenbewältigung festhalten. Eine Abschaltung der Reaktoren sei weiterhin innerhalb von sechs bis neun Monaten vorgesehen, sagte Vizepräsident Sakae Muto am Dienstag. Zugleich kündigte der Energiekonzern jedoch an: Um das havarierte AKW unter Kontrolle zu bekommen, müssen die Einsatzkräfte ihre ursprünglichen Pläne korrigieren und zusätzliche Schutzmaßnahmen ergänzen.

Welche Maßnahmen muss Tepco nun ergreifen? Wie ist die Situation in den einzelnen Reaktoren? Und welche Gefahren drohen auf dem Weg zur Stabilisierung des havarierten AKW? Ein Überblick.

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buntesmeinung 18.05.2011
1. .
All das sind keine guten Nachrichten. Vieles davon wurde aber auch bereits von internationalen Experten befürchtet. Ich kann die Rettungspläne so nicht nachvollziehen. Da scheint viel Verzweiflung am Werk. Tepco traue ich die Krisenbewältigung gar nicht zu. Es wäre zu wünschen, dass alle diejenigen, die aufgrund ihrer Expertise in der Lage sind zu helfen, dies auch tun und das japanische Volk mit ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten und ihrer Technik unterstützen. Es ist einfach erschreckend!
asdf122 18.05.2011
2. Hm- warum verstehen ich das nicht?
"Hamburg - Der Notfall tritt ein am 11. März um 14.46 Uhr und 46 Sekunden. Exakt zu dieser Zeit, nur kurz nach dem verheerenden Erdbeben, werden die Reaktoren 1 bis 3 des Atomkraftwerks Fukushima automatisch heruntergefahren. Das belegen laut der japanischen Zeitung "Mainichi" Dokumente, die AKW-Betreiber Tepco kürzlich veröffentlichte." "Eine Abschaltung der Reaktoren sei weiterhin innerhalb von sechs bis neun Monaten vorgesehen, sagte Vizepräsident Sakae Muto am Dienstag." Ein Reaktor der also heruntergefahren ist wird abgeschaltet. Welcher Unterschied besteht denn zwischen herunterfahren und abschalten? Wird die Strahlung abgeschaltet - der Strom ist ja bereits seit dem ersten Termin abgeschaltet- ebenso die Kühlung. Der ganze Artikel ist eine Sammlung von Widersprüchen. Es wird noch immer versucht die Leute für blöd zu halten- warum gibt man nicht einfach zu, dass die Kacke am dampfen ist? Dass man das nicht wenige Stunden nach dem Supergau macht ist verständlich, aber irgendwann sollte man damit anfangen den Menschen die Wahrheit zu erzählen. Für mich war es von Anfang an schwer vorzustellen, wie man eine Wärmequelle die 1300 MW Leistung hat, bei der die Kühlung ausgefallen ist stabil halten kann. In einem Backofen kann ich auch nicht 5 Minuten nach Abschaltung was reinlegen ohne dass es heiß wird- dabei hat dieser gerade mal 5 KW. Bei der Leistung der Reaktoren ist aber in 5 Minuten schon alles zu spät bzw. geschmolzen(außer vielleicht Wolfram- was dort aber wohl nicht hauptsächlich vorkommt)- somit kann der Unterschied zwischen den Blöcken nicht sehr groß sein- außer Block 4 da dieser ja bereits seit Monaten abgeschaltet war. Block 4 diente "nur" als Zwischenlager und somit ist dort die Kernschmelze unter freiem Himmel im Gange- ist aber auch kein Grund zur Hoffnung. Die Brennstäbe gleich zu entsorgen währe aber auch viel teurer gewesen, was zum "billigen" Atomstrom wohl gar nicht passt. Schließlich geht es ja um eine tolle Bilanz- und wenn nichts dazwischen kommt ist diese dann ja auch Fabelhaft. Doch dort ist halt was "dazwischen" gekommen. Es ist egal was irgendjemand hier macht- die Physik ist nicht auf den Kopf zu stellen und nun auch nicht mehr aufzuhalten. Es wird einfach weitergehen, bis die Reaktion zu Ende ist- niemand kann das aufhalten. Danach kann man mit einen rießigen Aufwand von Mensch und Material versuchen aufzusammeln was nicht schon im Meer oder Luft entschwunden ist. Nicht so schlimm wie Tschernobyl....was für eine Lüge. Daran kann man sehen was die IAEE ist- ist halt auch gewinnorientiert und dient nicht der Allgemeinheit. Habe diesen Artiekl noch nicht einmal zu Ende gelesen, weil mir davor schon schlecht geworden ist.
hr_schmeiss 18.05.2011
3. ...miau...Schrödingers Katze...
"Die Situation im Unglücks-AKW scheint noch bedrohlicher als zuvor angenommen." Die Situation war also die ganze Zeit heikler als angenommen. NUR: nun wissen wir es, nun kommen die Schlagzeilen "Explosionsgefahr". Vorher war es keine Nachricht mehr wert. Wie soll man sich nun verhalten? Gefahrenlage a la momentane Schlagzeile? Gefühlte Panik? Macht ja Merkel&Co auch: oh, Nipponland ist abgebrannt, dann sind ja unsere auch gefährlich...? Vorher noch Brückentechnologie, jetzt aber schnell-schnell 2 vor und 1 zurück. Jaja, ist die Katze erst mal aus dem Sack, dann tanzen die Mäuse auf dem Tisch...
Atomek 18.05.2011
4. Ein grundlegender Fehler wird konsequent fortgesetzt...
...nämlich dass die Bekämpfung der Katastrophe Tepco überlassen wird. Die "Verantwortlichen" dort sind es gewohnt wirtschaftlich zu denken nicht volkswirtschaftlich. Diese Denkweise hat zur Katastrophe beigetragen und nun dominiert sie auch bei der Schadensbegrenzung. Im Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Schaden sind die Kosten Tepcos ein Nichts. Trotzdem richten die Betreiber ihre Handlung an letzteren aus, denn das ist nun einmal ihre Erfahrungswelt und daran hängt ihre persönliche Zukunft. Wir schauen einer Katastrophe menschlichen Urteilsvermögens zu. Und diese Katastrophe hält unvermindert an. Das ist so ähnlich als hätten wir einem Kind Handgranaten überlassen, weil es damit im Kindergarten spielen möchte. Und anschließend lassen wir das Kind zur Strafe die Folgen beseitigen. Wenn wir in Deutschland an der Kernenergie festhalten ist es nur eine Frage der Zeit wann wir unsere Variante des Versagens kennenlernen.
24moskito 18.05.2011
5. Traurig
Diese konstanten Berichte über Fukushima Daiichi können einen wirklich traurig machen. Noch viel trauriger macht mich persönlich aber diese Ignoranz, bzw. dieses Drücken der Medien in bestimmte Ecken. Während hier jammern im grossen Stil und somit typisch fürs Jammertal D-Land stattfindet, regt sich kein einziger hier mehr über die 320 Tonnen radioaktiver Munnition auf die mit deutschem Einverständnis im ersten Irak Krieg verfeuert wurde und die dort heute fürchterliche Schäden bei den Geburten und den noch lebenden Menschen anrichtet. http://www.youtube.com/watch?v=Np2v1EtQnSk das war wie getippt NUR der ERSTE Irak Krieg, gleiche Munnition wurde in Ex-Yugoslawien genauso verschossen wie in den anderen Irak Kriegen und in Afghanistan.....und da regt man sich dann in Europa wegen Terroristen auf (((: ihr seid doch nicht mehr ganz dicht! Fukushima ist Kinderkagge gegen das was die Amis unternehmen um ihren Atommüll zu entsorgen (((:
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