Was will die Polizei auf der Fusion? Stress ohne Grund

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Dieser Beitrag wurde am 08.05.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Nach mehr als 20 Jahren drohen die Veranstalter des Fusion-Festivals mit dem Aus: Die Polizei will aufs Gelände – ohne großen Anlass, einfach so, mit einer "mobilen Wache". Beamtinnen und Beamten sollen zwischen Bühnen und Zelten patrouilleren, wie bei anderen Festivals dieser Größenordnung auch.

Nun lässt sich die Fusion kaum mit anderen Musikfestivals vergleichen. Man ist dort stolz auf ein friedliches Miteinander, ganz ohne polizeiliche Aufsicht. Das Ansinnen der Staatsmacht ist deshalb für sie eine Provokation. Wozu Polizei, wenn niemand sie gerufen hat?

Ein Problem war die fehlende Präsenz auf dem Gelände bislang offenbar nicht. Besucherinnen und Besucher sind zufrieden und Veranstalterinnen und Veranstalter glücklich. Auch die Polizei hatte bisher wenig auszusetzen: Jahr für Jahr zog sie eine positive Bilanz. Im Schnitt verzeichnete sie in den vergangenen Jahren 2,5 Gewaltdelikte – erstaunlich wenig für eine Massenveranstaltung mit rund 70.000 Menschen.

Polizeiwache auf dem Fusion-Gelände?

Was der Veranstalter dazu sagt

Am Dienstag wiederholten die Behörden auf einer Pressekonferenz ihre Forderung. Warum jetzt Polizei auf dem Gelände, wo es bislang auch ohne ging? Seit zehn Jahren ist Heiko Kärger als Landrat zuständig für die Fusion. Er sagt: "Die Zeiten ändern sich." Notre Dame habe auch Jahrhunderte nicht gebrannt, und nun sei es doch passiert. 

Der Vergleich ist genau so schräg wie er klingt. In den vergangenen Jahren waren Behörden mit dem Sicherheitskonzept stets zufrieden. Im Gegensatz zu anderen Festivals, bei denen sich das Geschehen vor einigen großen Bühnen ballt, verteilt sich das Publikum auf der Fusion auf eine Vielzahl von Spielstätten. Als die Fusion immer größer wurde, wurde eben mehr Sicherheitspersonal eingesetzt. 

Polizei und Behörden scheinen überhaupt nur ein Problem zu haben: Dass sie unerwünscht sind. Es geht ums Prinzip, wie eine Sprecherin des Neubrandenburger Polizeipräsidiums erläuterte. Die Fusion sei die einzige ihr bekannte Großveranstaltung, auf der die Polizei nicht vertreten sei. Man wolle auf dem Gelände frei agieren können, weil sich nur so Gesetzesverstöße effektiv verfolgen ließen. (rbb )

Eine Polizeiwache, nur weil das ja üblich sei? Das ist kein Argument. 

Es geht ums Prinzip: Wir leben nicht in einem Polizeistaat. Wir können zivilisiert miteinander umgehen und müssen nicht bei jedem kleinen Streit nach dem Staat rufen. Keine Sorge, niemand fordert ernsthaft rechtsfreie Räume. Aber die Fusion richtet sich nicht gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Sie ist wahrscheinlich das friedlichste Musikfestival überhaupt. 

Sollte jemand auf der Fusion dennoch die Polizei benötigen, will man Einsatzkräften den Zugang zum Gelände freimachen, versichern die Veranstalter.

Nils Hoffmann-Ritterbusch, der Polizeipräsident von Neubrandenburg, offenbart, worum es wirklich geht. Er fürchte die "Beteiligung politischer, in Teilen hoch gewaltbereiter Personen". Dabei feiern auf der Fusion einfach nur ein paar Leute friedlich herum. Der Oberpolizist will ihnen nur den Spaß vermiesen. Es geht einzig und allein um den Versuch der Einschüchterung. 

Das ist unwürdig. Einen solchen Übergriff der Polizei muss eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft ablehnen.

Am 16. Mai soll es ein letztes Gespräch zwischen Fusion-Veranstaltern und Behörden geben – danach wird über das Sicherheitskonzept entschieden und wohl auch darüber, ob die Polizei immer noch auf das Gelände will. 

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