Zur Ausgabe
Artikel 67 / 69
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Gestorben Gabriel Bach, 94

aus DER SPIEGEL 9/2022
Foto:

Jonas Opperskalski / laif

Er floh als Junge vor den Deutschen, aber ganz entkam er ihnen nie. Gabriel Bach wurde 1927 in Halberstadt geboren, er wuchs in Berlin auf, besuchte die Theodor-Herzl-Schule und entkam den Nazis 1938. Seine Eltern wurden Jeckes in Israel. Er studierte Jura in England und wurde 1961 einer der drei Ankläger im Prozess gegen Adolf Eichmann, den Organisator des Holocaust. Bach begegnete in der Gestalt des bürokratischen Massenmörders dem Deutschland wieder, das ihn und seine Familie vertrieben hatte. Der Prozess war ein Weltereignis, er gab zum ersten Mal den Opfern des Holocaust eine Stimme, und er veränderte Bachs Leben. Er war später Generalstaatsanwalt Israels, aber wenn er irgendwo vorgestellt wurde, war er zuallererst der Mann, der Adolf Eichmann zur Strecke gebracht hatte. Die neuen Deutschen liebten Bach dafür. Er bekam Orden und Einladungen und fuhr oft zurück ins Land der Täter und spürte, wie er die Sprache vermisst hatte, das Essen und selbst das Wetter. Wenn man ihn in Jerusalem besuchte, wo er bis zum Schluss mit seiner Frau lebte, servierte er Kaffee und Kuchen, die bestürzendsten Geschichten aus dem Prozess und zeigte ein Trikot seines deutschen Lieblingsvereins Schalke 04 mit seinem Namen. Bach wurde schwächer in den letzten Jahren, aber seine Erinnerungen an den Prozess blieben scharf. Gelegentlich schien es, als halte er sich an ihnen fest. Gabriel Bach starb am 18 Februar.

AOS
Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 67 / 69
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.