Gaddafis ukrainische Krankenschwester "Papa mag's gern warm"

Er wurde umsorgt von einem Team von osteuropäischen Krankenschwestern, im Umgang mit ihnen zeigte sich Libyens Diktator Gaddafi stets fürsorglich. "Papa" nannten ihn die Ukrainerinnen - die noch heute von ihm schwärmen.

AP/ Halyna Kolotnytska

Von , Moskau


Kiew - Oxana Balinskaja ist ausgebildete Krankenschwester. Doch die staatlichen Kliniken in der Ukraine zahlen schlecht. 800 bis 1100 Hrywnja beträgt das Monatssalär in der Hauptstadt Kiew, umgerechnet 70 bis knapp 100 Euro. Vor knapp drei Jahren hat Balinskaja deshalb eine Agentur kontaktiert, die ukrainischen Krankenschwestern lukrative Jobs im Ausland vermittelt.

Die Vermittler stellten den Kontakt her zwischen der Ukrainerin und einem besonders zahlungskräftigen Klienten im Nahen Osten, dessen Schwäche für weibliches Pflegepersonal aus Osteuropa bekannt ist: Muammar al-Gaddafi. Eine westliche Allianz versucht derzeit, Libyens Diktator mit Luftschlägen in die Knie zu zwingen, weil der mit Waffengewalt gegen seine Gegner vorgeht und das eigene Volk als "Ratten" beschimpft.

Balinskaja aber nennt Gaddafi zärtlich "Papa".

In Tripolis wurde die Ukrainerin zusammen mit anderen jungen Frauen in das Zelt Gaddafis geleitet, wie sie nun der Zeitung "Komsomolskaja Prawda" erzählte. Dort übernahm der Diktator selbst das Casting, musterte sie "mit unverwandtem Blick" und erkundigte sich nach den Fachgebieten der Damen. Dann traf er seine Wahl - und Balinskaja entkam der Armut in der Ukraine und blieb an seiner Seite.

Legenden ranken sich um Gaddafi und die Frauen in seiner Umgebung. Er lässt sich angeblich von einer weiblichen Bodyguard-Truppe bewachen, genannt die "Amazonen-Garde".

Acht Jahre lang wich dem Diktator zudem eine andere ukrainische Krankenschwester praktisch nicht von der Seite: Galina Kolotniska. Ihre besondere Nähe zu Gaddafi verleitete selbst US-Diplomaten dazu, schwülstige Vermutungen über eine intime Beziehung Gaddafis zu der "üppigen Ukrainerin" anzustellen.

Dem Despoten so nahe wie kaum jemand anders

Seit die Enthüllungsplattform WikiLeaks Tausende US-Botschaftsdepeschen veröffentlicht hat, kann jeder die Mutmaßungen des amerikanischen Außenministeriums zum Sex-Leben des Diktators im Internet nachlesen. Seither umweht den "verrückten Hund des Nahen Ostens" (US-Präsident Ronald Reagan) ein Hauch Verruchtheit.

"Lügen" nennt Oxana Balinskaja solche Berichte. Gaddafis Medizin-Harem habe sittsam lediglich die Gesundheit des Despoten überwacht. "Galina hat acht Jahre in dem Krankenhaus gearbeitet, das ausschließlich die Familie Gaddafis behandelt. Sie hatte aber die gleichen Aufgaben wie alle anderen Krankenschwestern." Chefkrankenschwester und Gaddafi-Vertraute sei ohnehin eine Serbin gewesen, eine Frau namens Draga, die den Revolutionsführer auf "jede Dienstreise" begleitet habe.

Doch auch Balinskaja mag nicht bestreiten, dass die Ukrainerinnen dem Despoten so nahe kamen wie kaum jemand anders. Ukrainische Journalisten kolportieren, Kolotniska habe auf ihrem Rückflug aus Tripolis nach Kiew in leicht angeheitertem Zustand ihrer Hoffnung Ausdruck gegeben, dass "Papa diesen Aufstand niederschlagen wird".

Oxana Balinskaja ist mit den Vorlieben des Diktators bestens vertraut. Bei Auslandsreisen seien stets Öfen in die Zimmer Gaddafis installiert worden, erzählte sie "Komsomolskaja Prawda": "Papa ist ein Wüstenmensch, der Hitze gewöhnt ist." Er möge Couscous, der ihm mit dem Fleisch eines Kamels oder Hammels gereicht werde. Wie alle Libyer liebe er zudem die italienische Küche - "vor allem Makkaroni".

Hoffnung auf schnelle Rückkehr zu Gaddafi

Staatsbesuche trat der Revolutionsführer offenbar gern mit ausladendem Gefolge an. So folgten "Papas Flugzeug zwei weitere Jets; einer mit seinen Sachen, der andere mit seinen Autos", sagt Balinskaja.

Noch heute schwärmt die Ukrainerin von der Fürsorglichkeit des Despoten. So durften die Krankenschwestern auf Gaddafis Kosten angeblich im September 2009 durch New Yorks Boutiquen bummeln, während der Revolutionsführer vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen demonstrativ die Uno-Charta zerrupfte.

"Wer für Papa arbeitet", sagt Balinskaja, "erkennt man schon anhand der Uhren." Jedes Jahr am 1. September, dem Jahrestag von Gaddafis Machtergreifung 1969, schenke er allen in seiner Residenz Beschäftigten eine goldene Uhr italienischer Herstellung. Das Zifferblatt ziert sein Konterfei.

Oxana Balinskaja sagt, Gaddafi verfüge über eine robuste Gesundheit und "stecke noch so manchen in die Tasche". Sie hofft auf ein schnelles Ende des Krieges - und auf eine baldige Rückkehr in die Dienste des Despoten.

insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fussball11 07.04.2011
1. .
Da man irgendwie keine Massenmorde an den Tag bringt, kommt man jetzt mit Homestorys um ein schlechtes Licht zu werfen. Das ist billiger Boulevard um Meinungen zu schaffen für die einem sonst die Argumente fehlen.
cucco 07.04.2011
2. Wer weiss wer er ist ?
Die Terroristen oder auch Rebellen in Lybien sind sicher keine humanistisch ausgebildete Gutmenschen. Wenn Ghadafi sie "Ratten" nennt, hat er wahrscheinlich nicht übertrieben. Ghadafi kennt sie. Kennt der Westen Ghadafi ? Ihm wird als Erkennungszeichen Lockerby angehängt. Bei Arafat war man nicht so empfindlich, als man ihn im Westen akzeptierte, obwohl bodenständiger Terrorist und Mörder. Man sollte eher Ghadafi glauben, dass er weiss, wie man die Rebellen (Terroristen im eigenen Land) behandelt. Die Berichte, dass aufgrund der NATO Interventionen ALQUAIDA sich in Lybien etablieren konnte, ist beunruhigend. So mancher wird einen Stosseufzer tun, dass der Eiserne Vorhang zurück käme, damit die NATO im Zaum gehalten werden kann und keine Abenteuer dort sucht, wo sie fehl am Platz ist.
LondoMollari 07.04.2011
3. Nananana ...
Zitat von fussball11Da man irgendwie keine Massenmorde an den Tag bringt, kommt man jetzt mit Homestorys um ein schlechtes Licht zu werfen. Das ist billiger Boulevard um Meinungen zu schaffen für die einem sonst die Argumente fehlen.
... nur weil es Ihnen nicht paßt das man die Vorliebe eine irren Despoten - der friedfertige Demonstranten mit der Luftwaffe beschießen läßt (man erinnere sich - der bewaffnete Aufstand kam erst später) - und in der Vergangenheit aucgh mal gerne den einen oder anderen Terroranschlag (Lockerby, La Belle/Berlin) inzinierte für vollbusige ukrainische Krankenschwestern (und wer hätte schon ernsthaft was gegen junge hübsche Frauen im Krankenschwesteroutfit?) kolportiert ist das noch lange kein Schmierjournalismus. Übrigens wurde neulich von der erneuten Heirat Hugh Hefners (Playboyherausgeber) mit einer Frau genau der Sorte berichtet. War das auch ein Hetzartikel um den Typ ins schlechte Richt zu rücken? Aus welchem morallisch verklemmten 50er-Jahrekaff kommen ie eigentlich das man bei Ihnen noch Leute mit solchen Berichten ins schlechte Licht rücken kann? Und was hat man da für eine Moral das Mr. Gaddafi für Sie scheinbar nicht durch Gemetzel an der eigenen Bevölkerung oder das Finanzieren und Durchführen von Terrorakten in ein schlechtes Licht gerückt wird? Sondern durch Berichte über großbusige Ukrainerinnen die vielleicht Sex mit dem hatten - oder vielleicht auch nicht ???? Die waren ja noch nicht mals wie bei Berlusconi minderjährig. Insgesamt mus ich sagen, wenn hier irgendwer irgendwie überhaupt in ein moralisch fragwürdiges Licht gerückt wird dann sind Sie das - durch Ihren Kommentar.
freeagent 07.04.2011
4. Alciada?
Zitat von cuccoDie Terroristen oder auch Rebellen in Lybien sind sicher keine humanistisch ausgebildete Gutmenschen. Wenn Ghadafi sie "Ratten" nennt, hat er wahrscheinlich nicht übertrieben. Ghadafi kennt sie. Kennt der Westen Ghadafi ? Ihm wird als Erkennungszeichen Lockerby angehängt. Bei Arafat war man nicht so empfindlich, als man ihn im Westen akzeptierte, obwohl bodenständiger Terrorist und Mörder. Man sollte eher Ghadafi glauben, dass er weiss, wie man die Rebellen (Terroristen im eigenen Land) behandelt. Die Berichte, dass aufgrund der NATO Interventionen ALQUAIDA sich in Lybien etablieren konnte, ist beunruhigend. So mancher wird einen Stosseufzer tun, dass der Eiserne Vorhang zurück käme, damit die NATO im Zaum gehalten werden kann und keine Abenteuer dort sucht, wo sie fehl am Platz ist.
Die waren schon vorher in Libyen.
egils 07.04.2011
5. naja...
Ist ein bericht ueber die Krankenschwestern des Diktators wirklich eine nachricht oder einen Artikel wert?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.