Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen Mittlerer Waggon gehoben – Bergungsspezialisten finden weiteres Todesopfer

Die Zahl der Todesopfer bei dem schweren Zugunglück von Garmisch hat sich auf fünf erhöht, 44 Fahrgäste wurden verletzt. Die schwierige Bergung des in sich verkeilten Zuges läuft weiter – die Unfallursache ist nach wie vor unklar.
Einer der umgekippten Waggons wird von der Unfallstelle gehoben

Einer der umgekippten Waggons wird von der Unfallstelle gehoben

Foto: Sabine Dobel / dpa

Noch immer liegen die Waggons umgestürzt neben dem Gleis. Fenster sind herausgebrochen, Trümmer liegen verstreut. Die ganze Nacht haben die Helfer bei Flutlicht gearbeitet. Bei den Bergungsarbeiten wurde Samstagmittag ein weiteres Todesopfer gefunden, sodass sich die Zahl insgesamt auf fünf Menschen erhöht. Vier von ihnen seien weiblich, zu dem fünften Opfer kann derzeit noch keine Aussage gemacht werden, ebenso wenig zu den Verletzten. Die Polizei geht derzeit nicht von weiteren Opfern aus. Die Vermisstenzahl bewege sich aktuell zwischen sieben und 14, sei jedoch nicht valide. Es werde davon ausgegangen, dass die meisten dieser Fälle sich aufklären lassen und die Zahl zurückgehe.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing besucht die Unfallstelle und zeigt sich berührt: »Wir stehen hier tief bewegt an dieser Unfallstelle, das Ausmaß ist dramatisch. Wir sprechen den Angehörigen tiefstes Mitgefühl aus. Die Sache wird weiter aufgeklärt und umfangreich aufgearbeitet. Unsere Gedanken gelten den Opfern und Hinterbliebenen.«

Auch Bahn-Chef Richard Lutz ist betroffen: »Wir sind bedrückt, weil hier Menschen gestorben sind – junge Menschen, die noch ein ganzes Leben vor sich hatten.« Bei einer Pressekonferenz dankt er den vielen Einsatzkräften und ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz.

In dem Zug waren 140 Menschen

Am Freitagmittag waren mehrere Waggons der Regionalbahn auf dem Weg nach München im Ortsteil Burgrain entgleist. Mehrere Doppelstock-Wagen des Zugs kippten um, rutschten eine Böschung hinab und blieben direkt neben einer Bundesstraße liegen. Von den etwa 140 Menschen im Zug starben mindestens vier, unter der Verletzten waren auch Kinder. Einige Opfer erlitten schwerste Verletzungen und mussten notoperiert werden. Es war eines der schwersten Bahnunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland.

DER SPIEGEL

Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig. Zwei Versuche, die Waggons anzuheben, scheiterten. Dabei seien auch Hebekissen zum Einsatz gekommen. Die Waggons seien »verdreht und verwunden«, sagte der Polizeisprecher. »Das macht die Bergung so schwierig. Man muss Schritt für Schritt vorgehen«, sagte der Sprecher.

Zur Unfallursache gab es auch am Samstag zunächst keine neuen Erkenntnisse. Der Lokführer wurde nach Polizeiangaben zwar vernommen. Was er gesagt hat, teilte die Polizei allerdings nicht mit.

»Wir ermitteln in alle Richtungen«

Sicher sei bislang nur, dass ein Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug ausgeschlossen werden könne. »Wir ermitteln in alle Richtungen«, sagte der Sprecher. »Die genaue Unfallursache steht noch nicht fest. Vor Ort waren alle Experten der Meinung, dass die wahrscheinlichste Ursache ein technischer Defekt am Gleis oder am Zug sein müsste«, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich hatte er sich zuvor auch schon im Bayerischen Rundfunk geäußert.

Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen kündigte an, dass bis zum Ende der Bergungsarbeiten voraussichtlich Mitte kommender Woche auch der Autoverkehr in der Region von Behinderungen betroffen sein werde. So soll weiterhin der Verkehr von der Autobahn 95 großräumig umgeleitet werden, die Fernstraße bleibt in Richtung Süden gesperrt.

ani/kry/dpa
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