Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen Die Lichter der Lok brennen noch

Bei einem schweren Zugunglück in Oberbayern starben mindestens vier Menschen. Am Unfallort suchen Bergungstrupps nach weiteren Opfern.
Aus Burgrain berichtet Jan Friedmann
Helfer am Unglückszug: »Es besteht die Vermutung, dass unter den Trümmern noch weitere Todesopfer zu beklagen sein werden«

Helfer am Unglückszug: »Es besteht die Vermutung, dass unter den Trümmern noch weitere Todesopfer zu beklagen sein werden«

Foto: NETWORK PICTURES / EPA

Die Rücklichter der Lok brennen noch, ganz so, als würde es gleich weitergehen auf der Strecke aus Garmisch-Partenkirchen in Richtung München. Doch beim Streckenkilometer 97,5 – von München aus gerechnet – bewegt sich nichts mehr.

Der erste Doppelstockwagen, den die Lok angeschoben hat, steht noch im Gleis. Der nächste ist schon halb die Böschung hinuntergerutscht, der dritte vollständig umgekippt.

Weitere Todesopfer befürchtet

Mindestens vier Menschen starben bei dem schweren Zugunglück, das sich am Freitagmittag gegen 12.20 Uhr in Burgrain bei Garmisch in Oberbayern ereignete. Rund 30 Verletzte sind zu beklagen. Und die Behörden befürchten, dass es noch mehr Tote gibt.

»Es besteht die Vermutung, dass unter den Trümmern noch weitere Todesopfer zu beklagen sein werden«, sagt Polizeisprecher Martin Emig. Schon jetzt ist das Unglück eines der schwersten der vergangenen Jahre. Eine Sonderkommission für besondere Schadenslagen ermittelt, zudem die Untersuchungsstelle für Eisenbahnunfälle.

Noch ist unklar, was den hinteren Teil des Zuges aus dem Gleis geworfen hat. Die eingleisige Strecke hier geht in eine leichte Kurve, kurz vor der Überquerung des Flusses Loisach. Sie wurde erst vor einigen Jahren generalsaniert und ist mit einem elektronischen Stellwerk versehen, die Steuerung erfolgt aus der Betriebszentrale München.

Anders als beim Unglück der Münchner S-Bahn vor einigen Monaten war kein zweiter Zug beteiligt. Der Schub für den Zug kam von der hinteren Lok, während der Lokführer vorn im Steuerwagen saß, eine bewährte und gängige Kombination.

Hubschrauberknattern und Kuhglocken

So halten sich an der Unglücksstelle Politiker und Behördenvertreter mit Deutungen zurück. Drei Stunden nach dem Crash ist es relativ ruhig an dem Streckenabschnitt, zwischen vereinzeltem Hubschrauberknattern sind die Glocken der Kühe zu hören, die auf einer nahen Wiese weiden.

Es regnet, in der Ferne sind noch die Schneereste in den Nordhängen des Zugspitzmassivs zu sehen. Die Feuerwehr hat einen großen roten Kran aufgebaut, um ein Abrutschen weiterer Waggons zu verhindern.

Die Unglücksstelle ist gut zugänglich, gleich neben der Bundesstraße 2, die hier in Richtung des Farchanter Tunnels führt. 500 Rettungskräfte waren im Einsatz. Sie konnten den meisten der rund 140 Fahrgäste schnell helfen. Darunter viele Schüler, am Ende des letzten Schultags vor den bayerischen Pfingstferien.

Eine angesichts der Todesopfer und der Verletzten nachrangige Nachricht: Der beliebten Ferienregion am Alpenrand steht wohl für Tage ein Verkehrschaos bevor. Beim Unglück wurden Masten umgerissen, nun fehlt hier die Oberleitung.

Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter geht davon aus, dass die Bahnstrecke noch mindestens eine Woche gesperrt ist. Allen Reisenden rät er, »Garmisch-Partenkirchen großräumig zu umfahren«.

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