Pläne von Julia Klöckner Was Sie zur "Gassi-Pflicht" für Hunde wissen müssen

Julia Klöckner plant strengere Vorgaben für Hundebesitzer. Wie viel Auslauf müssen die Tiere künftig bekommen? Ist die Umsetzung überhaupt realistisch? Und was sagen Tierschützer? Der Überblick.
Gassi-Runde (Symbolbild): Länge und Dauer sollen künftig genauer geregelt werden

Gassi-Runde (Symbolbild): Länge und Dauer sollen künftig genauer geregelt werden

Foto: Nicolas Armer / dpa

Wie lange muss ich meinem Hund Auslauf ermöglichen? Bislang findet man darauf möglicherweise eine Antwort im Hunderatgeber, nicht aber in offiziellen Quellen. Das will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit neuen Regeln in der Tierschutz-Hundeverordnung  künftig ändern. 

Welche neuen Regeln für Hundehalter sind geplant?

Das größte Aufsehen erregte die sogenannte Gassi-Pflicht. Künftig soll Hunden zweimal täglich für insgesamt mindestens eine Stunde Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers gewährt werden. Das muss kein Spaziergang sein, auch Bewegung im Garten genügt. Bislang war in der Tierschutz-Hundeverordnung von "ausreichend Auslauf im Freien" die Rede, es gab jedoch keine konkreten Angaben zu Häufigkeit und Dauer.

Außerdem soll es künftig keine "Kettenhunde" mehr geben, denn die Anbindehaltung soll verboten werden. Ausnahmen sind für Hunde geplant, die als Arbeitstiere eingesetzt werden.

Was würde sich für Züchter ändern?

Hundezüchter müssten sich täglich mindestens vier Stunden um Welpen kümmern. Außerdem soll gelten, dass eine Person höchstens drei Würfe gleichzeitig betreuen darf.

Des Weiteren ist ein Ausstellungsverbot für Hunde geplant, die "Qualzuchtmerkmale" aufweisen. Darunter versteht man Rassen, die erblich bedingt Schmerzen oder Schäden erleiden. Dazu gehören etwa Rassen wie der Mops, die oft unter Atemproblemen leiden, da ihre Schnauze kürzer gezüchtet wurde. Bislang gilt das Ausstellungsverbot nur für Hunde, denen beispielsweise der Schwanz und die Ohren amputiert (kupiert) wurden.

Wie begründet Klöckner ihre Pläne?

Hundehaltung ist in Deutschland verbreitet, die Tiere leben in fast jedem fünften Haushalt in Deutschland. Durch die Maßnahmen solle eine artgerechte Haltung sichergestellt werden: "Haustiere sind keine Kuscheltiere - ihre Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden", sagte Klöckner. 

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Welche Probleme könnte es bei der Umsetzung geben?

Die Überprüfung, insbesondere der Regelungen zum Auslauf, ist nur begrenzt möglich. Eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums hatte bei der Vorstellung des Entwurfs eingeschränkt, dass die für die Kontrollen zuständigen Behörden der Länder wohl nicht bei jedem Hundebesitzer klingeln und fragen würden, ob er schon mit dem Hund draußen gewesen sei.

Wie schätzen Tierschützer die Pläne ein?

Der Vorschlag gehe in die "richtige Richtung", schreibt der Deutsche Tierschutzbund . "Ein Hund braucht seinen Bedürfnissen entsprechend täglich Bewegung im Freien und seine Sozialkontakte", sagte der Präsident des Vereins, Thomas Schröder. Es fehle jedoch noch "der letzte Mut".

Er fordert, die Halter auch zur Kennzeichnung und Registrierung ihres Hundes zu verpflichten. Außerdem müsse es für Vorgaben zur artgerechten Erziehung und zu tiergerechten Ausbildungsmethoden von Hunden geben und der Qualzuchtbegriff konkretisiert werden.

Katrin Umlauf, Referentin für Hunde beim Tierschutzbund, begrüßt die Auslaufpflicht. Sie würde sich noch mehr vorgeschriebene Zeit wünschen. Bei jungen, sehr lauffreudigen Tieren könne eine Stunde sehr knapp werden. Überprüfungen im Tierschutz seien immer schwierig, weil es oft in den privaten Bereich hineingehe, sagte sie. Wenn jemand aber seinen Hund den ganzen Tag im Zwinger halte, werde das durchaus gesehen. Außerdem hätten Hundehalter so Vorgaben, an denen sie sich orientieren könnten. "Menschen handeln oft nicht böswillig, sondern aus Unkenntnis."

Wie reagieren Züchter auf Klöckners Vorstoß?

Der Sprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH), Udo Kopernik begrüßt die "Mindeststandards". Sie sollen demnach vor allem gewerbliche Hundehändler treffen, die das Tierwohl hintanstellen und Welpen zum Beispiel online verkaufen, "ohne zu überprüfen, ob der zukünftige Halter auch nur ansatzweise geeignet ist, ein Tier zu halten".

Gerade auf solche Betriebe hätten viele Tierschützer ein sehr genaues Auge geworfen. "Und wenn da etwas nicht ganz im legalen Rahmen ist, können die jetzt Anzeigen machen", sagt Kopernik. Er wünscht sich zusätzlich zu der Verordnung ein "Heimtiergesetz". In dem solle etwa geregelt werden, was für die im VDH organisierten Züchter schon jetzt gelte: Sie müssen eine Ausbildung absolvieren und nachweisen, dass die örtlichen Voraussetzungen für eine Zucht passen. 

Für die meisten Hundehalter dürfte sich aus seiner Sicht nur wenig ändern. "Der normale Hundehalter lacht da drüber", sagte Kopernik. Denn der sei in der Regel ohnehin länger mit seinem Vierbeiner unterwegs.

bbr/dpa
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