Gefährlicher Grenzübertritt Liebesprediger verschwindet in Nordkorea

"Ich bringe Gottes Liebe", rief Robert Parks, als er illegal nach Nordkorea ging. Laut Menschenrechtsaktivisten hatte der 28-Jährige einen Brief dabei, in dem er den Rücktritt des Diktators Kim Jong Il fordert. Jetzt ist der Möchtegern-Missionar verschwunden.
Menschenrechtsaktivist Park: "Ich bringe Gottes Liebe"

Menschenrechtsaktivist Park: "Ich bringe Gottes Liebe"

Foto: LEE JAE-WON/ REUTERS

Seoul - Ein Ziel seiner Mission hat Robert Park schon erreicht: Seine Geschichte macht weltweit Schlagzeilen . Allerdings nicht, weil er mit seiner Botschaft an die Nordkoreaner gehört worden wäre, sondern weil er verschwunden ist. Ob es dem Menschenrechtsaktivisten gut geht, wo er sich befindet - darüber ist nichts bekannt. Das US-Außenministerium teilte mit, es habe den Vorfall zur Kenntnis benommen, kenne aber keine Details.

An Weihnachten hatte Park den gefrorenen Grenzfluss Tumen nach Nordkorea passiert, um friedlich gegen das Betonregime zu kämpfen - und um dessen Herrscher Kim Jong Il zu missionieren. "Ich bin ein amerikanischer Bürger", rief er Augenzeugen zufolge, als er ans Ufer trat. "Ich bringe Gottes Liebe." Von dem Grenzübertritt existiert nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Pax Koreana ein Video.

Park stammt aus einer koreanischen Familie, die sich im US-Bundesstaat Arizona niedergelassen hat. Vertraute berichten, er habe eine religiöse Vision gehabt: Nordkorea müsse befreit und gerettet werden. Er wolle auf die Regierungen in Südkorea, Japan und den USA Druck ausüben, damit sie sich um die Misere der Menschen in Nordkorea kümmern.

Also ging er über den Fluss, bewaffnet mit zwei Briefen. Der erste richtet sich laut Pax Koreana direkt an Kim Jong Il: Park fordere Nordkoreas Diktator zum Rücktritt auf. In dem zweiten Schreiben gibt Park der Regierung in Pjöngjang offenbar Ratschläge: "Bitte, öffnen Sie die Grenze, damit wir Essen, Medizin und andere Hilfsgüter zu denen bringen können, die ums Überleben kämpfen", heißt es in dem Schreiben, das Pax Koreana auf der eigenen Web-Seite veröffentlicht hat. "Und bitte schließen sie auch alle politischen Gefangenenlager." Nach Schätzungen der südkoreanischen Regierung hält Nordkorea bis zu 154.000 Menschen in sechs Lagern gefangen. Pjöngjang bestreitet deren Existenz.

Sorge um neue diplomatische Verwicklungen

Manch amerikanischem Analysten bereitet der neue Vorfall an Nordkoreas Grenze Sorge. Sie fürchten ähnliche diplomatische Verwicklungen wie im März. Seinerzeit waren zwei US-Journalistinnen über die Grenze gegangen und gefangen genommen worden. Die Regierung in Pjöngjang nutzte die Gefangenen, um bei Verhandlungen über sein Nuklearprogramm die eigenen Interessen durchzusetzen. Im August schaltete sich Ex-Präsident Bill Clinton ein - und die Frauen kamen frei (siehe Fotostrecke links).

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Foto: STRINGER/CHINA/ REUTERS

Es werde mit Sicherheit eine Weile dauern, bis das Problem von Parks Grenzübertritt gelöst sei, sagt etwa Koh Yu-hwan, Nordkorea-Experte an der Dongguk-Universität in Seoul. Die Regierung in Pjöngjang dürfte vor allem die Rücktrittsforderung gegen Kim Jong Il als "feindlichen Akt" werten.

Andere Experten vermuten, dass Nordkorea den Möchtegern-Missionar bald still und leise wieder freilässt. Die Regierung sei sich bewusst, dass eine längere Gefangenschaft die Kritik am eigenen Umgang mit den Menschenrechten nur untermauern würde, sagt Kim Jong-hyun, Nordkorea-Spezialist an der Dongguk-Universität. Hielten sie Park fest, würden sie ihm nur in die Hände spielen.

Nordkorea bestraft illegale Grenzübertritte mit bis zu drei Jahren Gefängnis.

ssu/AP
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