Gefährlicher Wirbelsturm Taifun "Roke" trifft Japans Küste mit voller Wucht

Japan bekommt die Naturgewalt von "Roke" zu spüren: Der Wirbelsturm hat das Festland erreicht. Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde fegt der Taifun über das Land hinweg - und nimmt Kurs auf Tokio.

AP/ Chunichi Shimbun

Tokio - Mit hohen Windgeschwindigkeiten ist der Taifun "Roke" am Mittwoch auf die japanische Küste getroffen. Nahe Hamamatsu in Zentraljapan erreichte der Sturm gegen 14 Uhr Ortszeit (7 Uhr MESZ) das Festland. Der Ort liegt etwa 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Tokio. "Roke" werde mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 216 Kilometern pro Stunde über die Hauptinsel Honshu hinwegfegen, teilte die japanische Wetterbehörde mit.

Durch den Wirbelsturm sind die besonders dicht besiedelten Gebiete von Nagoya, der Provinz Shizuoka und Tokio bedroht. Die Behörden stufen den 15. Taifun der Saison als "äußerst heftig" ein. Zurzeit bewegt sich "Roke" mit einer Geschwindigkeit von rund 40 Kilometern pro Stunde in nordöstliche Richtung.

Der japanische Wetterdienst gab auf seiner Website flächendeckende Unwetterwarnungen heraus. Betroffen davon sind weite Teile der Hauptinsel Honshu sowie der Süden Hokkaidos, Japans zweitgrößter Insel. Die Behörde warnte vor Überschwemmungen, starken Sturmböen sowie Erdrutschen und rief zu "höchster Wachsamkeit" auf. In Hamamatsu fielen beispielsweise innerhalb einer Stunde 54 Liter Regen pro Quadratmeter.

Mehr als eine Million Menschen wurden aufgefordert oder angewiesen, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Wie viele Menschen dem Rat folgten, war unklar, da dieser nicht bindend ist. Der Wetterdienst warnte Tokios Einwohner vor Stürmen, Überflutungen, heftigen Gewittern und hohen Wellen. Bereits jetzt gibt es in der Hauptstadt wegen "Roke" heftigen Wind und Regen. Pendlern wurde empfohlen, früher nach Hause zu fahren, bevor der Sturm die Hauptstadt erreicht. Das wird für den Nachmittag erwartet.

Mindestens fünf Todesopfer

Die Situation in Tokio erlebt Marko Zelger hautnah. Der 30-Jährige arbeitet dort seit drei Jahren für eine Schweizer Personalberatung. Von seinem Büro in der Innenstadt bis nach Hause braucht er normalerweise eine halbe Stunde, berichtete er SPIEGEL ONLINE. "Doch ich weiß nicht, ob ich das schaffe." Eine Kollegin sei schon aufgebrochen und habe von unterwegs berichtet, dass sie aus einem Zug gescheucht wurde, der wegen des Sturms nicht weiterfuhr. "Es regnet seit ein paar Stunden und ich höre den Wind pfeifen", berichtete Zelger.

Auch Raimund Krummeich spürt den Sturm. Der 63-Jährige lebt seit 30 Jahren in Japan und unterrichtet an der Reitaku-Universität in Kashiwa in der Präfektur Chiba, etwa 30 Kilometer von Tokio entfernt. "Hier beginnt es ungemütlich zu werden", sagte Krummeich am späten Mittwochnachmittag (Ortszeit) SPIEGEL ONLINE. Vor der Tür schwankten die Zedern.

Die 500 Meter vom Campus zu seiner Wohnung sei er mit seinem Auto gefahren. "Gehen hätte ich nicht gekonnt. Dann wäre ich oder mindestens der Schirm weggeflogen." Seine Uni sei um kurz nach zwölf Uhr mittags geschlossen worden, damit alle rechtzeitig nach Hause konnten. Auch andere Unis hätten den Unterricht eingestellt. Seine Studenten und andere Japaner in seiner Umgebung trügen den herannahenden Sturm mit Fassung. Die übliche Reaktion sei: "shouganai" - "da kann man nichts machen".

Bereits bevor der Wirbelsturm mit voller Wucht eintraf, kamen nach Behördenangaben mindestens fünf Menschen in der Mitte und im Westen des Landes ums Leben. Manche der Opfer wurden laut Zeitungsberichten von angeschwollenen Flüssen fortgerissen.

Toyota stellt Produktion in elf Werken ein

In der Industriestadt Nagoya fiel ein 66-Jähriger vom Dach eines Hauses, als er eine Dachrinne von Trümmerteilen befreien wollte. In der Provinz Saga wurde ein 71-Jähriger über Bord seines Fischerbootes gerissen, als er es bei den starken Stürmen festmachen wollte. Zwei weitere Menschen werden vermisst, darunter ein Junge, der auf dem Weg von seiner Grundschule nach Hause war.

Bereits vor Ankunft des Taifuns gingen in Japan heftige Regenfälle nieder, Wohngebiete und Straßen wurden überschwemmt. In Nagoya, rund 270 Kilometer westlich von Tokio, zeigten Fernsehbilder, wie Menschen durch knietiefes Wasser wateten. Einige Bewohner mussten mit Schlauchbooten aus ihren Häusern geholt werden.

Der Zugverkehr kam teilweise zum Erliegen, Autobahnen mussten gesperrt werden. Für Mittwoch wurden in Japan mehr als 270 Flüge gestrichen. Der Autohersteller Toyota stellte die Produktion in elf seiner 15 Werke im Land ein. Die Maschinen in den Werken sollen den ganzen Tag stillstehen, teilte das Unternehmen mit.

Der japanische Wetterdienst erwartet, dass "Roke" in Richtung Nordosten weiterzieht, wo die Atomruine von Fukushima liegt. Ein Sprecher des Kraftwerksbetreibers Tepco erklärte, einige Arbeiten an der Anlage seien unterbrochen worden. Eine Gefahr für die Kühlsysteme bestehe jedoch nicht. Das Atomkraftwerk war am 11. März durch ein schweres Erdbeben und einen darauffolgenden Tsunami schwer beschädigt worden. An dem AKW werde wohl "einiges wegfliegen", sagt Raimund Krummeich. Es sei ein Witz, dass Tepco das Kraftwerk künftig mit Plastikplanen abdecken wolle.

Anfang September war bereits der Taifun "Talas" über Japan hinweggezogen, dabei kamen im Westen des Landes fast hundert Menschen ums Leben.

son/ulz/wit/dapd/dpa/AFP



insgesamt 22 Beiträge
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Thraex 21.09.2011
1. Gefährlicher Wirbelsturm: Taifun "Roke" trifft Japans Küste*mit voller Wucht
Meine Güte, den Japanern bleibt echt nichts erspart! Ich würde ja sofort den Japanern helfen, anstatt weiter Mrd. an die uneinsichtigen Griechen oder Italienern zu verschenken. Bei den Japanern besteht zumindest ne Chance das die wieder auf die Beine kommen, da ähnliche Wirtschaft und Methalität wie die Deutschen.
Tyrion_Lannister 21.09.2011
2. O.o
Merkwürdiger Fetisch...
jocurt, 21.09.2011
3. Ähhh, wer ist nochmal Raimund Krummeich ?
Zitat von sysopJapan bekommt die Naturgewalt von "Roke" zu spüren: Der Wirbelsturm hat das Festland erreicht. Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde fegt der Taifun über das Land hinweg - und nimmt Kurs auf Tokio. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,787492,00.html
Ok Professor in Japan, allerdings nicht für technikaffine Fächer An dem AKW werde wohl "einiges wegfliegen", sagt Raimund Krummeich. Es sei ein Witz, dass Tepco das Kraftwerk künftig mit Plastikplanen abdecken wolle. werter Herr Krummeich. Das Münchnener Olympiastadion ist bspw. ein Zeltdach. Ditto Anlagen in Singapur (Rennstrecke). Meckern ohne Fachkenntnis ist auch als Prof simpel. Wie geht es denn besser ????. Vielleicht an der Küste einen Betonklotz gießen. So ganz blöd sind die Japaner ja nun wirklich nicht, ws Technik angeht.
panzerknacker51, 21.09.2011
4. Hallo?
Was nehmen Sie denn zu sich? Einfach nur ekelhaft, dieser "Beitrag"...
hr_schmeiss 21.09.2011
5. ...volle Wucht...
...ach, da ist sie wieder, die "volle Wucht", wie ich den Kraftausdruck schon vermisst habe. Auf, Bild-Spon, her mit dem Ticker: "Japan - im Kampf gegen die volle Wucht"
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