Geiseldrama im Pazifik Erste Spur zu verschleppten Urlaubern

Die in Malaysia entführten Touristen sind angeblich auf der philippinischen Inselgruppe Tawi-Tawi gesehen worden. Ein Spähtrupp des philippinischen Militärs soll den Hinweisen nachgehen. Das Auswärtige Amt rät vor Reisen in die malaysische Urlaubsprovinz Sabah ab.


Sipadan ist bei Tauchtouristen besonders beliebt
REUTERS

Sipadan ist bei Tauchtouristen besonders beliebt

Kuala Lumpur/Manila - Auch am dritten Tag der Entführung von 21 Menschen aus dem Taucherparadies Sipadan sind die Hintergründe der Tat völlig unklar. Zwar bekannte sich zunächst die philippinische moslemische Rebellengruppe Abu Sayyaf zu der Verschleppung. Später ließ sie ihre konkrete Beteiligung aber wieder offen.

Dennoch scheint sich der Verdacht zu erhärten, dass die Geiselnehmer mit ihren Opfern in Richtung der Philippinen geflüchtet sind. Augenzeugen hätten berichtet, dass sie die zwölf ausländischen Touristen und neun Einheimischen auf der Inselgruppe Tawi-Tawi im äußersten Südwesten des Inselstaates gesehen hätten, teilte ein Militärsprecher in Manila mit. Unklar blieb allerdings, wo genau die Geiseln gesehen worden sein sollen. Tawi-Tawi ist eine Gruppe von mehr als 250 kleinen Inseln.

Unter den Entführten sind drei Deutsche. Es handelt sich nach Angaben aus Regierungskreisen in Hannover um ein Ehepaar mit einem Sohn aus Göttingen. Sie und die anderen 18 Entführten waren am Sonntag von der malaysischen Insel Sipadan vor der Ostküste Borneos von schwer bewaffneten Kidnappern verschleppt worden. Unterdessen sperrten die Behörden die Insel ab. Touristen und Hotelangestellte wurden auf eine benachbarte Insel gebracht.

Im Zusammenhang mit der Geiselnahme verhaftete die malaysische Polizei im Nordosten der Insel Borneo fünf Personen als mögliche Mitwisser oder Helfer. Die Personen sind zum Teil ehemalige Angestellte der Ferieninsel Sipadan, wie Polizeichef Mamat Talib sagte. Sie wurden am Dienstag verhört. Für den Fall eines Kontakts mit den Geiselnehmern stehe ein Verhandlungsteam bereit.

Die Bundesregierung hat die Regierung in Malaysia dringend gebeten, alles ihr Mögliche zum Schutz von Leben und Gesundheit der Geiseln zu unternehmen. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, telefonierte Außenminister Joschka Fischer mit seinem malaysischen Kollegen Syed Hamid Albar.

Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes und die deutschen Botschaften in Manila und Kuala Lumpur seien in ständigem Kontakt mit den dortigen Regierungen und Sicherheitsbehörden, berichtete das Ministerium. Sie arbeiteten auch eng zusammen mit den Außenministerien Frankreichs und Finnlands. Beide Länder haben ebenfalls Staatsangehörige unter den Geiseln. Ein deutscher und ein französischer Botschaftsvertreter seien unterwegs in die Entführungsregion, erklärte das Ministerium in Berlin.

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die malaysische Provinz Sabah ab. Die Inselgruppe Sipadan sei von den dortigen Behörden zum Sperrgebiet erklärt worden. Eine besondere Sicherheitsgefährdung für Touristen und Geschäftsleute bestehe allerdings nicht, "wenn man die überall auf Reisen angezeigte angemessene Vorsicht übt und sich umsichtig verhält", heißt es in den Reisehinweisen des Ministeriums.



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