Geiseldrama in der Wüste Staatssekretär reist nach Mali

In das seit Monaten andauernde Geiseldrama in Algerien kommt Bewegung. Am Dienstag will ein deutscher Staatssekretär nach Mali fliegen, wo die Geiseln und ihre Kidnapper vermutet werden. Konkrete Hoffnungen gibt es jedoch nicht.


DER SPIEGEL

Berlin - Ende letzter Woche gab es nach langem, zermürbendem Warten zum ersten Mal wieder neue Hinweise auf den Verbleib der zehn vermissten Deutschen, die gemeinsam mit vier Schweizern und einem Niederländer vor mehr als fünf Monaten in Algerien entführt worden waren. Aus diplomatischen Kreisen war zu hören, dass die Geiselnehmer ihre Opfer vermutlich in den Norden Malis gebracht hätten. Laut den dürftigen Angaben soll es den Geiseln gut gehen.

Die Bundesregierung intensiviert nun ihre Bemühungen um eine Freilassung. Am Dienstag wird deshalb der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, in die Hauptstadt Malis fliegen und dort mit Vertretern der Regierung sprechen. In Berlin wurde am Montag jedoch vor zu früher Hoffnung gewarnt. Der Besuch Chrobogs sei nur "einer der vielen Versuche" zur Beendigung der Krise, die bisher ohne Erfolg blieben. Offiziell wurde der Besuch vom Auswärtigen Amt nicht bestätigt, da das Wohl der Geiseln nicht gefährdet werden soll.

Wie von Beginn der Geiselnahme an waren auch Anfang dieser Woche alle Informationen dünn. Bis zum Montag gab es selbst für den angeblichen Ortswechsel der Geiseln nach Mali keine Bestätigung. Sicherheitsexperten wiesen darauf hin, dass auch dies nur ein Hinweis gewesen sei, der aus nicht offiziellen Quellen stamme und nicht zwingend stimmen müsse. Auch im Auswärtigen Amt hieß es, der Besuch Chrobogs solle keinesfalls als Bestätigung für die "Mali-Version" gesehen werden. "Wir müssen jeder noch so kleinen Spur nachgehen", sagte einer der Beteiligten.

Doch selbst wenn die Geiseln im Norden Malis sind und die deutsche Regierung ihre immer wieder betonten "guten Beziehungen" zur dortigen Regierung ausnutzen kann, spricht dies noch lange nicht für eine blitzartige Befreiung der Geiseln. Da der Norden Malis so gut wie unbewohnt ist und von Schmugglern kontrolliert wird, ist die Macht der Regierung mehr als begrenzt. Gleichwohl berichteten französische Medien bereits von Truppenkonzentrationen in dem Gebiet an der algerischen Grenze.

Matthias Gebauer



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