Geiseldrama in Mali Vermittler hoffen nun auf Dienstag

Heute ist eine Rückkehr der Geiseln nach Deutschland nicht mehr möglich. Der Luftwaffen-Airbus in der malischen Hauptstadt wurde außer Betrieb gestellt. Immer mehr spricht nun für ein Ende des Dramas am Dienstag.

Bamako/Berlin - Ein Rückflug der 14 Sahara-Geiseln nach Deutschland ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Montag nicht mehr möglich. Ihre Freilassung hatte sich im Lauf des Tages immer weiter verzögert. Schließlich war der Transport der Geiseln von der nordmalischen Stadt Gao nach Bamako nicht mehr möglich gewesen.

Am Abend wurde nun der bereitgestellte Bundeswehr-Airbus auf dem Flughafen der malischen Hauptstadt Bamako außer Bereitschaft gestellt. Eigentlich hatte die Vermittler gehofft, die Geiseln noch heute nach Deutschland ausfliegen zu können.

Es gebe angesichts der Verzögerungen jedoch keinen Anlass zur Beunruhigung, versicherten diplomatische Kreise in Bamako. Geduld sei in diesem Land der großen Entfernungen ein wichtiges Element. Immer wahrscheinlicher wird jedoch, dass die Geiseln erst am Dienstag in Bamako eintreffen werden. Unklar blieb auch, ob die Geiseln noch immer in der Hand der Entführer oder schon bei Unterhändlern sind.

Bis dahin waren aus der malischen Hauptstadt viele, doch immer auch recht widersprüchliche Meldungen gekommen. Am Morgen hieß es aus Kreisen der Vermittler aus Deutschland und Mali, die Geiseln seien von den Entführern im Norden Malis an Mittelsmänner übergeben worden. Der Flug nach Bamako stehe unmittelbar bevor.

Am Vormittag dann meldete die Deutsche Presse-Agentur, die Übergabe in der nordmalischen Stadt Tessalit sei ins Stocken geraten. An den geplanten Rückflug nach Deutschland sei nicht mehr zu denken. Plötzlich war wieder alles offen und eine alte Lehre aus den rund fünf Monaten der Geiselhaft bewahrheitete sich erneut: Niemand scheint exakte Informationen zu haben und keine der verfügbaren Quellen ist wirklich verlässlich.

Kurz darauf kam wieder eine neue Meldung aus Mali. Die Geiseln sollen demnach laut malischen Militärkreisen "definitiv frei" sein. Dass die verschleppten Touristen noch nicht übergeben worden seien, liege lediglich an Problemen mit der Koordination. Die Geiseln aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden befänden sich in malischen Händen, aber in weit voneinander liegenden Regionen, so ein neuer Bericht der dpa. Das Zusammenführen im Norden des Landes werde durch schlechtes Wetter und starken Regen erschwert.

Überraschend verbreitete am Montagnachmittag die Stiftung des libyschen Diktators Muammar Gaddafi eine Erklärung zur Geisel-Affäre. Das Sprachrohr des Despoten zeigte sich optimistisch, dass die Geiseln noch am Montagabend Kontakt zu ihren Angehörigen bekommen würden. Gleichzeitig betonte ein Sprecher die eigene Rolle bei den Verhandlungen. Angeblich hätten Gaddafi-Mitarbeiter dem Bundesnachrichtendienst (BND) beim Kontakt zu den Geiselnehmern geholfen und auch mit den Entführern über das Lösegeld verhandelt. Der BND kommentierte die Meldung bisher nicht.

Nach wie vor steht der Befreiungs-Plan, die Geiseln mit verschiedenen Flugzeugen aus dem Norden Malis auszufliegen. Auch am Montag parkte eine Bundeswehr-Transall auf dem malischen Flughafen in Gao, um die Geiseln von dort nach Bamako zu fliegen. Allerdings warteten die Piloten und Vermittler vergeblich auf eine kleine Militärmaschine aus dem Norden Malis, welche die Geiseln von Tessalit nach Gao bringen sollte. Am Sonntag war die Übergabe der Geiseln nach dem gleichen Muster vermutlich an der einbrechenden Dunkelheit gescheitert.

Aus offizieller Quelle in Deutschland war wie bereits zuvor kaum etwas zu erfahren. Schon seit Wochen äußern sich weder das in der Geiselaffäre aktive Auswärtige Amt (AA) noch die anderen beteiligten Behörden. Diese Leitlinie wurde ausgegeben, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden. Regierungssprecher Bela Anda sagte am Montag lediglich, man befinde sich in einer entscheidenden Phase der Geiselbefreiung.

Bundesaußenminister Joschka Fischer bezeichnete den Stand der Bemühungen um die Befreiung der Sahara-Geiseln am Montag als "extrem schwierig zu handhabende Situation". Er hoffe, dass die Vermittlung der malischen Seite zum Erfolg führe und alle 14 Geiseln gesund zurück kehrten.

Einzig gute Nachricht für die in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz wartenden Angehörigen waren Aussagen zur Gesundheit der Geiseln. Durch Telefonate mit den Kidnappern und einer der Geiseln wissen die Behörden, dass keiner der entführten Touristen ernsthaft krank ist. Allerdings soll sich bei einer Person durch die Anspannung und die Strapazen eine Diabetes entwickelt haben.

Noch immer gehen Sicherheitskreise in Deutschland davon aus, dass man mit den Entführern eine grundsätzliche Einigung über die Freilassung erzielt habe. Ob von der Bundesrepublik dafür Lösegeld gezahlt hat, blieb unklar. Außenminnister Fischer äußerte sich zu der Lösegelfrage ausweichend. Grundsätzlich sei die Haltung der Bundesregierung, kein Lösegeld zu zahlen, sagte er auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. Gleichzeitig tue die Regierung jedoch "alles, um die Geiseln frei zu bekommen", so der Politiker.

Nach unbestätigten Meldungen hatten die eingesetzten Vermittler der malischen Regierung am vergangenen Samstag einen einstelligen Millionenbetrag an die Kidnapper übergeben. Angeblich soll Mali das Lösegeld später über Wirtschafts- oder Entwicklungshilfe von Deutschland zurückbekommen.

Insgesamt waren zuletzt neun Touristen aus Deutschland, vier Schweizer und ein Niederländer in der Hand der Entführer. Sie waren am 22. Februar und am 8. März gemeinsam mit anderen Europäern im algerischen Teil der Sahara verschleppt worden. 17 Geiseln wurden Mitte Mai in Algerien befreit. Eine Gefangene, die 46 Jahre alte Deutsche Michaela Spitzer, hatte die Strapazen nicht überlebt. Sie soll an einem Hitzschlag gestorben sein.

Mit den restlichen Geiseln war die Kidnapper-Gruppe in den malischen Teil der Wüste geflohen, wo sie sich in der Bergregion um Kidal im Norden des Landes versteckt hielt.