Geiselnahme Fischer will GSG 9 nach Ägypten schicken

Ein Ägypter hat in der Tempelstadt Luxor vier deutsche Touristen als Geiseln genommen. Hintergrund ist ein Familiendrama. Außenminister Fischer bietet an, eine deutsche Spezialeinheit zu entsenden.


Tempelanlage nahe Luxor
DPA

Tempelanlage nahe Luxor

Kairo - Der Entführer der vier deutschen Touristen in Ägypten hat die deutschen Behörden für die Geiselnahme verantwortlich gemacht. Der Mann sagte ägyptischen Sicherheitskreisen zufolge, vor neun Monaten habe die Schwester seiner geschiedenen Ehefrau die Kinder aus Ägypten mit nach Deutschland genommen. Sie habe ihm gesagt, seine Ex-Frau sei schwer krank. Er habe nicht gewusst, dass für die beiden Söhne, die die ägyptische Staatsbürgerschaft besitzen, zuvor deutsche Pässe vorbereitet worden seien.

Der Mann behauptet, bei der deutschen Botschaft in Kairo mehrfach um ein Besuchsvisum nach Deutschland "gebettelt" zu haben. Er habe jetzt nicht mehr weiter gewusst. Der Geiselnehmer und die vier Entführten sollen sich in Esna im Raum Luxor rund 750 Kilometer südlich von Kairo in einem Appartement aufhalten. Nach Angaben aus Sicherheitskreise in Kairo sind die Touristen bereits seit Montag in der Gewalt des Geiselnehmers.

Der Täter soll schwer bewaffnet sein

Bei den Entführten handelt es sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin um vier deutsche Männer. Der Geiselnehmer sei mit einer Handfeuerwaffe und "granatenartigen Gegenständen" bewaffnet. Es gebe regelmäßigen telefonischen Kontakt aus Deutschland zu ihm, sagte ein Sprecher.

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) habe nach Rücksprache mit Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) angeboten, die Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes, die GSG 9, nach Ägypten zu entsenden. Auf dieses Angebot seien die Ägypter aber nicht eingegangen.

Geiselnehmer arbeitete als Reiseführer

Bei dem Täter soll es sich um einen Mann namens Mussa Ibrahim handeln. Er arbeitet nach Angaben aus Luxor bei der Blue-Sky-Tourismusagentur als Reiseführer. Er soll fließend Deutsch sprechen. Personen, die das Ehepaar seit längerer Zeit kennen, sprechen von einem Familiendrama. Der Mann soll psychisch instabil sein. Die Frau war nach der Scheidung nach Deutschland zurückgekehrt.

Über die Herkunft und das Schicksal der Touristen ist bislang nichts weiter bekannt. Die Polizei in Luxor lehnt Angaben zum Hergang der Geiselnahme ab. Im islamischen Ägypten kann ein geschiedener muslimischer Vater darauf bestehen, dass ihm die Söhne im Alter ab zwölf und die Töchter ab 14 Jahren von der Mutter übergeben werden.



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