Gekenterter Chemie-Frachter Wehe, wenn ein Tank zerbricht

Das mit Schwefelsäure beladene Tankschiff "ENA 2", das gestern Nacht im Hamburger Hafen gesunken ist, soll bereits am Mittwoch gehoben werden. Sollte bei den Arbeiten einer der Tanks brechen, droht ein großflächiges Fischsterben.

Von Roman Heflik


Aus Angst vor Säuredämpfen wird der Rumpf des gekenterten Chemie-Tankers von Wasserwerfern eingenebelt
AP

Aus Angst vor Säuredämpfen wird der Rumpf des gekenterten Chemie-Tankers von Wasserwerfern eingenebelt

Hamburg - In einer Pressekonferenz hat der Schiffseigner, die Norddeutsche Affinerie, das Bergungskonzept vorgestellt. Mit einem Schwimmkran soll das Schiff mit seiner gefährlichen Fracht langsam angehoben und umgedreht werden. Der Kran sei aus Bremerhaven angefordert worden und werde heute um 21 Uhr in Hamburg erwartet, sagte Feuerwehrsprecher Peter Braun zu SPIEGEL ONLINE.

Mit dem Heben soll morgen ab 8 Uhr begonnen werden. Dann werde man versuchen, "das Schiff wieder auf die Füße zu stellen". Braun sagte, er gehe davon aus, dass die Bergung mehrere Tage in Anspruch nehmen werde, da die Operation nicht ungefährlich sei: "Es gibt immer ein hohes Restrisiko, ein vollbeladenes Schiff hochzuheben." Dabei würden große Kräfte auf den Schiffrumpf wirken. Im schlimmsten Falle könnte einer der vier Tanks reißen.

In jedem Tank befinden sich knapp 125 Kubikmeter stark ätzende Schwefelsäure. Beim Untergang der "ENA 2" sollen etwa drei Kubikmeter Säure ins Wasser gelangt sein. Daraufhin waren im Hamburger Petroleum-Hafen hunderte Fische getorben. Zehn Personen erlitten Reizungen der Augen und Atemwegen. "Sollte ein Tank bersten, kann man von einem massiven Tiersterben zumindest im Bereich des Hafens ausgehen", sagte Christian Bussau von der Umweltschutz-Organisation Greenpeace auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Letztlich fehle jedoch der Erfahrungswert, wie lange die Schwefelsäure im Wasser ihre giftige Konzentration beibehält. Bussau gab vorsichtige Entwarnung: "Die Elbe würde sich auf jeden Fall in einigen Monaten von so einem Unfall erholt haben." Sobald die Säure vom Hafenbecken in die Elbe gelangt, werde sie schnell verdünnt.



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