Gekentertes Kreuzfahrtschiff Taucher finden Frauenleiche auf "Costa Concordia"

Mit gezielten Sprengungen haben Taucher neue Zugänge zur "Costa Concordia" geschaffen. Im Heck des gekenterten Kreuzfahrtschiffes entdeckten die Einsatzkräfte nun eine weitere Leiche. Die übrigen Vermissten befinden sich laut Krisenstab "wahrscheinlich" noch an Bord.

dapd

Giglio - Die italienischen Rettungskräfte haben eine weitere Leiche aus dem Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" geborgen. Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa handelt es sich dabei um eine Frau. Zur Nationalität der Toten wurden bisher keine Angaben gemacht. Der Körper sei im Heck des rund 290 Meter langen Schiffes entdeckt worden, nachdem zuvor mit gezielten Sprengungen neue Zugänge geschaffen worden waren.

Damit erhöht sich die Zahl der geborgenen Leichen auf zwölf. Mindestens 20 Menschen gelten noch als vermisst. Laut dem Krisenstab-Chef Franco Gabrielli befinden sich die Vermissten "wahrscheinlich" noch an Bord des Schiffes. Die Suche werde daher fortgesetzt. Die Lage sei "unglaublich komplex", der Rettungsaktion solle aber "keine Zeitgrenze" gesetzt werden, sagte Gabrielli.

Die Rettungskräfte seien dabei, Karten des Schiffs zu erstellen, in denen auf Grundlage von Zeugenberichten die letzten bekannten Bewegungen der Vermissten eingezeichnet würden, so Gabrielli. Für die Taucher sei die Suche jedoch schwierig, weil hinter verschlossenen Kabinentüren häufig Einrichtungsgegenstände liegen, die ihnen beim Öffnen entgegengedrückt werden.

Zu den Vermissten sollen auch zwölf Deutsche zählen. Bei einem Besuch auf der Insel Giglio zeigte sich der deutsche Botschafter in Rom zuversichtlich, dass möglicherweise noch Überlebende aus dem Wrack geborgen werden könnten. "Die Hoffnung ist absolut da", sagte Michael H. Gerdts. Gleichzeitig sicherte er den italienischen Behörden weitere Unterstützung aus Deutschland zu. Bereits jetzt seien Beamte des Bundeskriminalamtes sowie Psychologen des Auswärtigen Amts vor Ort, um die Angehörigen der Vermissten zu betreuen, sagte Gerdts.

"Ein Malheur"

Neben der Suche nach den Vermissten bereiten auch drohende Umweltschäden den Italienern Sorge. Rund um das Wrack ist bereits ein leichter Ölfilm gesichtet worden. Es gebe jedoch keine Hinweise darauf, dass Schweröl aus den Tanks des Schiffs ausgetreten sei, sagte Cosimo Nicastro, Sprecher der Küstenwache. Bei der Substanz scheine es sich um Diesel zu handeln. Dieser Treibstoff wird in Rettungsbooten genutzt und diente als Schmiermittel der Maschinen an Bord der "Costa Concordia". Der Ölfilm sei "sehr dünn und oberflächlich" und offenbar unter Kontrolle, sagte Nicastro.

Bis Sonntagabend soll entschieden werden, wie die rund 2300 Tonnen Treibstoff des Kreuzfahrtschiffes, darunter ein Großteil Schweröl, abgepumpt werden können. Bis dahin dürfe die niederländische Spezialfirma Smit mit diesen Arbeiten nicht beginnen. Er wolle "den größtmöglichen Einsatz" bringen, um den Inselbewohnern eine Tragödie zu ersparen, sagte Gabrielli.

Fraglich bleibt nach wie vor die Rolle des Kapitäns und der Reederei. Es ist bereits bekannt, dass Francesco Schettino nach dem Unglück mindestens dreimal mit seinem Arbeitgeber telefoniert hat. Der genaue Inhalt der Gespräche ist jedoch nicht bekannt. Italienischen Medienberichten zufolge sagte Schettino bei einer Anhörung vor Gericht, er habe unmittelbar nach der Kollision beim Kreuzfahrt-Unternehmen angerufen und sowohl ein Schlepperboot als auch Hubschrauber zur Rettung gefordert.

"Mir ist ein Malheur passiert", soll Schettino in dem Telefonat gesagt haben. Die Reederei wies die Darstellung zurück. "Er hat uns belogen und auch die Besatzung des Schiffes", sagte Pierluigi Foschi, Chef der Reederei "Costa Crociere".

hut/dapd/dpa/AFP

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Seite 1
Grummelchen321 21.01.2012
1.
Zitat von sysopMit gezielten Sprengungen haben Taucher neue Zugänge zur "Costa Concordia" geschaffen. Im Heck des gekenterten Kreuzfahrtschiffes entdeckten die Einsatzkräfte nun eine weitere Leiche. Die übrigen Vermissten befinden sich laut Krisenstab "wahrscheinlich" noch an Bord. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,810574,00.html
Ich bin ehrenamtliches Mitglied der DLRG und und in der Tauchergruppe aktiv.Nach so lange Zeit immer noch von einer Rettungsaktion zu sprechen ist falsch .In Anbetracht der vergangennen Zeit seit dem teilweisen Untergang des Schiffes ist es ausnahmslos eine Leichenbergung.Zieht man jetzt noch die zum Zeitpunkt des Unglücks die herschenden Wetterbedingungen hinzu ist es fast unmöglich noch Überlebende zu finden.Sie kann jetzt nur noch traurige Gewissheit über den verbleib der Vermissten geben
michael_most 21.01.2012
2.
Zitat von Grummelchen321Ich bin ehrenamtliches Mitglied der DLRG und und in der Tauchergruppe aktiv.Nach so lange Zeit immer noch von einer Rettungsaktion zu sprechen ist falsch .In Anbetracht der vergangennen Zeit seit dem teilweisen Untergang des Schiffes ist es ausnahmslos eine Leichenbergung.Zieht man jetzt noch die zum Zeitpunkt des Unglücks die herschenden Wetterbedingungen hinzu ist es fast unmöglich noch Überlebende zu finden.Sie kann jetzt nur noch traurige Gewissheit über den verbleib der Vermissten geben
das denke ich auch, leider! Das Ganze ist jetzt über eine Woche her, wovon sollen sich die Vermissten seit dieser Zeit ernährt haben und vor allem, von wo sollen sie Trinkwasser bekommen haben? Kann mir nicht vorstellen, dass das nach dem Crash und der damit verbundenen Zerstörungen auf dem Schiff noch aus dem Hahn im Bad läuft!
thepunisher75 21.01.2012
3. Sie haben Recht....
Zitat von Grummelchen321Ich bin ehrenamtliches Mitglied der DLRG und und in der Tauchergruppe aktiv.Nach so lange Zeit immer noch von einer Rettungsaktion zu sprechen ist falsch .In Anbetracht der vergangennen Zeit seit dem teilweisen Untergang des Schiffes ist es ausnahmslos eine Leichenbergung.Zieht man jetzt noch die zum Zeitpunkt des Unglücks die herschenden Wetterbedingungen hinzu ist es fast unmöglich noch Überlebende zu finden.Sie kann jetzt nur noch traurige Gewissheit über den verbleib der Vermissten geben
..nach über einer Woche, einem wechselnden Wetter und einem Schiff, das schon halb versunken ist, wird keine Überlebenden mehr bringen. Aber um das Gewissen der Angehörigen zu beruhigen ist es gut, wenn versucht wird, die Leichen trotzdem zu bergen. Es ist besser zu wissen, was mit der Person passiert ist, als wenn sie als vermisst gilt, und man sich immer wundert, ob sie noch lebt oder nicht.
barlog 21.01.2012
4.
Zitat von michael_mostdas denke ich auch, leider! Das Ganze ist jetzt über eine Woche her, wovon sollen sich die Vermissten seit dieser Zeit ernährt haben und vor allem, von wo sollen sie Trinkwasser bekommen haben? Kann mir nicht vorstellen, dass das nach dem Crash und der damit verbundenen Zerstörungen auf dem Schiff noch aus dem Hahn im Bad läuft!
Gemach, gemach, wenn jemand in einem, genügend Luft enthaltenden, Raum mit ein paar Getränkeflaschen eingeschlossen ist, warum sollte er dann nach nur einer Woche nicht mehr leben ? In einem umgekippten Wohnblock, wie es dieses Schiff darstellt, sind meiner Meinung nach mehr Überlebensmöglichkeiten denkbar, als es ein DLRG-Taucher aus seinem Alltag kennt.
1-Euro-Astronaut 21.01.2012
5.
Zitat von sysopMit gezielten Sprengungen haben Taucher neue Zugänge zur "Costa Concordia" geschaffen. Im Heck des gekenterten Kreuzfahrtschiffes entdeckten die Einsatzkräfte nun eine weitere Leiche. Die übrigen Vermissten befinden sich laut Krisenstab "wahrscheinlich" noch an Bord. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,810574,00.html
Ich bin jetzt mal ganz keck und frage mich, warum keine Wärmebildkameras eingesetzt werden. Menschliche Körper mit einer Temperatur von über 30 Grad müssten sich - sofern die Opfer noch am Leben sind - doch relativ leicht ausmachen lassen können. Übrigens denke ich schon, daß es noch Überlebende geben könnte. Die menschliche Spezies ist zäh und ausdauernd.
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