Gekidnappte Urlauber Verhandlungen können Wochen dauern

Im Pazifik hat es offenbar einen ersten Kontakt mit den Geiselnehmern der 21 verschleppten Menschen - unter ihnen drei Deutsche - gegeben. Der Polizeichef der südphilippinischen Provinz Sulu, Candido Casimiro, rechnet jedoch mit wochenlangen Verhandlungen.


Rund 400 Soldaten und Polizisten haben auf Jolo die Lager der Geiselnehmer eingekreist
REUTERS

Rund 400 Soldaten und Polizisten haben auf Jolo die Lager der Geiselnehmer eingekreist

Jolo - Bis zu einem Monat könnten sich die Gespräche mit den Moslemrebellen namens Abu Sayyaf hinziehen, sagte Casimiro. Rund 400 Soldaten und Polizisten hätten den Aufenthaltsort der Geiseln und ihrer Entführer auf der Insel Jolo eingekreist. So sollten die Entführten und die Unterhändler geschützt werden, erklärte Casimiro. Ein Militärschlag sei nur eine Option für den Notfall.

Mitglieder regierungstreuer Milizen wollen die Entführten gesichtet haben. Ein Sprecher berichtete, die elf "weißen Geiseln" würden getrennt von den zehn malaysischen Verschleppten festgehalten. Sie seien nicht gefesselt und könnten sich frei bewegen. Die meisten würden T-Shirts und Sportkleidung tragen.

Zwei philippinische Unterhändler, die mit den Entführern sprechen sollten, werden im Laufe des Tages wieder bei Chefunterhändler Nur Misuari zurückerwartet. Misuari könnte am Freitag erstmals direkten Kontakt mit den Geiselnehmern oder deren Vertretern aufnehmen. Der Chefvermittler hatte erklärt, er verspreche sich von den Verhandlungen keine Wunder.

Aus Kreisen des Präsidentenpalasts in Manila war verlautet, die Geiselnehmer hätten sieben Forderungen gestellt, darunter ein Lösegeld von umgerechnet etwa 1,5 Millionen Mark. Eine offizielle Bestätigung für die Lösegeldforderung lag nicht vor.

Die elf Touristen - unter ihnen eine dreiköpfige Familie aus Göttingen - und die zehn Malaysier sind am Ostersonntag auf der malaysischen Urlauberinsel Sipadan überfallen worden. Die als Polizisten getarnten Geiselnehmer hatten die Touristen beim Abendessen überrascht und sie mit Waffengewalt gezwungen, in zwei Schnellboote zu steigen. Dann stachen sie in Richtung der Philippinen in See.

Jolo liegt 350 Kilometer von Sipadan und 960 Kilometer von der philippinischen Hauptstadt Manila entfernt. Die Insel gilt als Hochburg der Moslem-Rebellen der Gruppe Abu Sayyaf, die auf den mehrheitlich katholischen Philippinen einen Moslemstaat errichten wollen.



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