Früherer Finanzchef des Vatikans Papst Franziskus empfängt freigesprochenen Kardinal Pell

Wegen Missbrauchsvorwürfen saß Kardinal George Pell im Gefängnis, später wurde das Urteil aufgehoben. Nun hat der Australier Papst Franziskus erstmals zu einem Gespräch getroffen.
George Pell und Papst Franziskus: Treffen "sehr gut", Inhalt unbekannt

George Pell und Papst Franziskus: Treffen "sehr gut", Inhalt unbekannt

Foto: VATICAN MEDIA / REUTERS

Papst Franziskus hat dem australischen Kardinal George Pell eine Privataudienz gewährt. Es war das erste Treffen von Franziskus und Pell seit 2017.

Der Kardinal war vor rund einem halben Jahr von Australiens höchstem Gericht vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs zweier Chorknaben freigesprochen worden und Ende September nach Rom zurückgekehrt. Er hatte zuvor mehr als ein Jahr im Gefängnis gesessen.

Zum Thema des Gesprächs gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Auf einem von der kirchlichen Medienplattform "Vatican News" veröffentlichten Video war zu sehen, wie der Papst den 79-jährigen Pell herzlich begrüßte. Die italienische Zeitung "La Stampa" zitierte den Kardinal später mit den Worten, das Treffen sei "sehr gut" verlaufen.

Vatikan hatte Pells Freispruch begrüßt

Pell war früher Finanzchef des Vatikans - und der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der im Zuge der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche verurteilt worden war. Der Vatikan hatte seinen Freispruch begrüßt, Opfervertreter ihn scharf kritisiert.

Der Australier hatte seit Jahrzehnten hohe Ämter in der katholischen Kirche inne. 2014 ernannte Papst Franziskus ihn zum Finanzchef des Vatikans, Pell stand damit in der Hierarchie des Kirchenstaats auf Platz drei. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde Pell aus dem Beratungsgremium des Papstes ausgeschlossen.

Mutmaßlicher Finanzskandal sorgt für Unruhe im Kirchenstaat

Franziskus bemüht sich derzeit, mehr Transparenz in zum Teil undurchsichtige Geldströme des Vatikans zu bringen und einen Immobilienskandal aufklären zu lassen. Unklar ist jedoch, ob Franziskus Pell erneut mit einem wichtigen Amt in dem Kirchenstaat betrauen würde. 

Im September hatte Franziskus Kardinal Angelo Becciu, der als interner Gegner Pells gilt, sein Vertrauen entzogen. Hintergrund sollen auch finanzielle Themen gewesen sein. Becciu wies alle Vorwürfe zurück. Medien spekulierten wegen der zeitlichen Nähe über mögliche Zusammenhänge mit dem Treffen zwischen Franziskus und Pell.

fek/dpa/AFP