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Klüger werden mit: Gerd B. Achenbach

Der freiberufliche Philosoph, 56, über den praktischen Nutzen seines Fachs
aus DER SPIEGEL 4/2004

SPIEGEL: In Ihrem Buch »Vom Richtigen im Falschen« beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als philosophischer Berater. Was genau machen Sie?

Achenbach: Ich bin für Menschen da, die in Problemen festsitzen. Ich helfe ihnen beim Denken. Denn Denken klärt auf und weist Wege. Das ist Sache des Philosophen. Und deswegen nenne ich diese andere Lebensberatung »Philosophische Praxis«.

SPIEGEL: Erzählen Sie den Rat Suchenden, was Kant über seine Probleme geschrieben hat?

Achenbach: Nein. Über meine langjährige Auseinandersetzung mit der Philosophie habe ich allerdings gelernt, mich in verschiedene Welten und Sichtweisen einzudenken. Auch bei Klienten versuche ich zunächst herauszufinden, wie sie selbst denken und wie sie normalerweise ihre Probleme lösen. So lernen sie sich kennen. Und zugleich eröffnen sich Alternativen. Zu mir kommen Leute, die in einer Lebenskrise stecken, aber auch Abiturienten, die nicht wissen, wie es weitergehen soll, oder Paare mit Beziehungsproblemen.

SPIEGEL: Sollten die nicht besser zum Psychologen gehen?

Achenbach: Bei den meisten Problemen, die Menschen mit sich oder im Zusammenleben mit anderen haben, geht es um Fragen der Lebensführung. Und dafür ist die Philosophie zuständig. In vielen Psychotherapien wird philosophisch dilettiert.

SPIEGEL: Verdienen Sie denn jetzt Geld mit der angeblich brotlosen Kunst Philosophie?

Achenbach: Selbstverständlich. Doch worauf es ankommt: Alle großen Denker waren der Überzeugung, dass sich Philosophie praktisch zu bewähren hat. Seit Sokrates ist die Frage, wie zu leben sei, damit das Leben gelingt. Ich knüpfe also an eine uralte Tradition an.

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