Zur Ausgabe
Artikel 59 / 62
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Gestorben Gerd Siemoneit-Barum, 90

aus DER SPIEGEL 30/2021
Foto:

Jochen Luebke / ddp

Er gehörte zu den bedeutendsten Raubtierdompteuren Deutschlands, vielleicht sogar der Welt. Seine Liebe zu Löwen, Tigern oder Pumas spürte man bis in die letzte Sitzreihe im Zirkus, wenn er in der Manege mit ihnen auftrat. Gerd Siemoneit-Barum lehnte es ab, den Willen der Tiere zu brechen, wie es in seinem Metier üblich war. Er versuchte, ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihnen zu entwickeln. In einer seiner legendären Nummern fing er einen Panther im Flug auf – nicht nur den Kindern im Publikum stockte da der Atem. Siemoneit-Barum, der im ostpreußischen Gumbinnen zur Welt gekommen war, träumte früh von der Manege. Schon als Teenager schloss er sich dem Circus Barum an, arbeitete dort als Tierpfleger, später als Dompteur. In den Siebzigerjahren übernahm er das Unternehmen mit seiner damaligen Frau Inge und leitete es bis 2008. Wie viel Freude es ihm machte, zum fahrenden Volk zu gehören, sah man ihm an, wenn er die Zirkuswagen mit einem Trecker eigenhändig durch die Gegend manövrierte. Siemoneit-Barum wirkte in TV-Serien mit, einmal war er zu Gast in der populären amerikanischen »Ed Sullivan Show«. »Diese Bekanntheit hat nicht nur mir genutzt, sondern vielleicht letztlich meiner Art, mit Tieren umzugehen«, sagte er in einem Interview mit der »Welt«. Jahrelang kommentierte er so leidenschaftlich wie kenntnisreich die TV-Übertragung des Zirkusfestivals von Monte Carlo. Gerd Siemoneit-Barum starb am 20. Juli im niedersächsischen Einbeck.

lob
Zur Ausgabe
Artikel 59 / 62
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.