Zwei-Personen-Regel Deutsche Airlines verschärfen Cockpit-Vorschriften

Kein Pilot darf allein im Cockpit sein. Das ist die Konsequenz, die die größten deutschen und mehrere internationale Airlines aus dem Germanwings-Absturz ziehen. Die neuen Vorgaben gelten teils schon ab Freitag.

Piloten eines Airbus A380 der Lufthansa: Zwei-Personen-Regel im Cockpit
DPA

Piloten eines Airbus A380 der Lufthansa: Zwei-Personen-Regel im Cockpit


Berlin - Wegen des offenbar absichtlich herbeigeführten Absturzes einer Germanwings-Maschine verschärfen die größten deutschen und mehrere internationale Fluggesellschaften ihre Cockpit-Vorschriften. Künftig müssen sich demnach immer mindestens zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten. Weitere deutsche Airlines hätten sich darauf geeinigt solche Maßnahmen zu diskutieren, sagte der Chef des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow.

Das neue Verfahren soll laut Randow unverzüglich eingeführt werden. Mit dem Luftfahrtbundesamt werde am Freitag besprochen, wie die Vorschrift konkretisiert werden könne. Die Germanwings-Mutter Lufthansa wollte diese Gespräche zunächst abwarten.

Air Berlin hingegen teilte mit, die Regel gelte auf ihren Flügen bereits am Freitag. Laut einem Bericht der "Rheinischen Post" würden die Crewmitglieder noch in der Nacht über die neue Maßnahme informiert.

Auch ausländische Fluggesellschaften kündigten eine entsprechende Verschärfung ihrer Vorschriften an, darunter der Lufthansa-Partner Air Canada, Norwegian Air Shuttle, Icelandair und Easyjet. Bei der britischen Billigfluggesellschaft sollen die neuen Vorschriften ebenfalls bereits am Freitag gelten. Die französische Air France teilte mit, man verfolge aufmerksam Entwicklung und Ergebnisse der juristischen und technischen Untersuchungen nach dem Unfall. Die Frage der Anwesenheit einer zweiten Person im Cockpit sei ein wichtiges Thema.

In der europäischen Luftfahrt ist es nach Angaben eines Sprechers der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) nicht vorgeschrieben, dass ein Pilot, wenn er das Cockpit verlässt, durch ein Besatzungsmitglied ersetzt wird. In den USA sehen die Richtlinien der Luftfahrtbehörde FAA hingegen vor, dass sich grundsätzlich zwei Personen im Cockpit befinden. Auch Kanada führte in Reaktion auf den Germanwings-Absturz die Zwei-Personen-Regel ein.

Hintergrund der neuen Maßnahmen sind die Ermittlungen, wonach der Co-Pilot des abgestürzten Germanwings-Airbus den Kapitän aus dem Cockpit womöglich aussperrte und die Maschine absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz brachte. Alle 150 Menschen an Bord waren auf der Stelle tot.

Cockpit-Regel bei Fluggesellschaften

Region
Europa Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) empfiehlt die Einführung der Zwei-Personen-Regel.
Deutschland Alle Fluglinien haben sich auf die Einführung der Zwei-Personen-Regel ab sofort verständigt
Österreich Regierung führt Zwei-Personen-Regelung ab sofort ein
Regel angekündigt/jetzt eingeführt außerdem bei EasyJet, Norwegian Air Shuttle, Icelandair, Virgin Atlantic, Monarch, Thomas Cook Airlines (GB), Air Baltic, SAS, Air France, KLM
Regel bestand vor Absturz bei Jet2, Flybe, Ryanair, Czech Airlines, Travel Service, Finnair
USA Zwei-Personen-Regel ist in den Richtlinien der Flugsicherheitsbehörde FAA vorgeschrieben
Kanada Zwei-Personen-Regel war nicht vorgeschrieben, ist jetzt eingeführt
Regel bestand vor Absturz bei Air Transat
Asien
Regel angekündigt/jetzt eingeführt bei Emirates, Etihad
Regel bestand vor Absturz bei indischen Fluglinien (Regel vorgeschrieben), Singapore Airlines
Ozeanien
Regel angekündigt/jetzt eingeführt Neuseeland, Australien

Die Liste ist nicht vollständig und gibt den derzeitigen Kenntnisstand wieder (27. März, 18.30 Uhr)

Bilck ins Cockpit eines A320. Klicken Sie zum Vergrößern bitte auf das Bild.
[M] DPA, Airbus, SPIEGEL ONLINE

Bilck ins Cockpit eines A320. Klicken Sie zum Vergrößern bitte auf das Bild.

sun/gam/dpa/AFP

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