Besuch an Absturzstelle Merkel gedenkt der Unglücksopfer

Die Kanzlerin hat die Absturzregion besucht und sich über die Bergungsarbeiten informiert. Mit Frankreichs Präsident Hollande und Spaniens Regierungschef Rajoy gedachte Merkel der Opfer.


Paris - Seyne-les-Alpes - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Absturzregion des verunglückten Germanwings-Flugzeugs besucht. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident François Hollande, Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy sowie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gedachte Merkel der Opfer der Flugzeugkatastrophe. Die Politiker trafen sich in Seyne-les-Alpes, wenige Kilometer entfernt von der Absturzstelle in dem schwer zugänglichen Gelände des Alpenmassivs.

Merkel informierte sich über die schwierige Bergung von Opfern und Trümmern und dankte den französischen Helfern. "Das ist ein Zeichen unglaublicher Freundschaft und Hilfe", sagte sie. Mit Hollande hatte sie die Absturzstelle überflogen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach in Düsseldorf mit Angehörigen der Opfer. "Das war mit Abstand das Schlimmste der letzten 20 Jahre - seit ich in dieser Branche bin", sagte er. Man werde den Betroffenen jede erdenkliche Hilfe gewähren - sei sie psychologischer oder finanzieller Art. Am Donnerstag würden für die Angehörigen und ihre Betreuer Sonderflüge nach Marseille starten. Für Germanwings-Crews, die nach dem Absturz nicht hätten fliegen wollen, habe er volles Verständnis, sagte Spohr. Sie seien zum Teil mit den Opfern befreundet gewesen.

Fotostrecke

30  Bilder
Absturz von Germanwings-Airbus: Einsatz in den französischen Alpen
An Bord der über Frankreich abgestürzten Maschine waren nach neuen Erkenntnissen der Fluggesellschaft 72 Deutsche, sagte Germanwings-Chef Thomas Winkelmann am Flughafen Köln/Bonn. Germanwings hatte zunächst von 67 Deutschen gesprochen, zugleich aber betont, dass sich die Zahl noch ändern könne. Die Opferliste werde fortlaufend aktualisiert.

In der Maschine hätten sich auch 35 Spanier befunden, sagte Winkelmann. Je ein Opfer stammte demnach aus Großbritannien, den Niederlanden, Kolumbien, Mexiko, Japan, Dänemark und Israel. Je zwei Menschen an Bord kamen aus Australien, Argentinien, Iran, Venezuela und den USA.

Winkelmann zufolge konnte bis Mittwochvormittag zu insgesamt 123 Opfer-Familien Kontakt aufgenommen werden, zu den Angehörigen von 27 weiteren Passagieren werde mithilfe des Auswärtigen Amtes noch versucht, in Kontakt zu treten. Die Betreuung der Angehörigen habe "höchste Priorität", sagte Winkelmann.

Bergung wird "Tage oder Wochen dauern"

Der Airbus A320 war am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den südlichen französischen Alpen abgestürzt. An Bord der Maschine waren 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder.

Auch am Tag danach ist die Ursache der Katastrophe noch unklar. Französische Ermittler durchkämmten am Mittwoch zu Fuß das Gelände rund hundert Kilometer nördlich von Nizza, wo der Airbus an einem Berg zerschellt war.

Fotostrecke

11  Bilder
Germanwings-Absturz: Merkel dankt Helfern in Südfrankreich

Von der nahe der Unglücksstelle gelegenen Ortschaft Seyne in den französischen Alpen starteten am Morgen mehrere Hubschrauber mit Polizisten an Bord zum Absturzort. "Vorrang hat, den Ort des Absturzes zu sichern, damit die Ermittler anschließend kommen und unter sicheren Bedingungen arbeiten können", sagte ein Sprecher des französischen Innenministeriums. Die Bergung wird den Angaben zufolge "Tage oder Wochen" dauern.

Die Flugzeugtrümmer sind den Angaben zufolge auf einem Gebiet von insgesamt rund vier Hektar verteilt. Es gebe kaum größere Flugzeugteile, sagte ein Ermittler.

Explosion in der Luft scheint ausgeschlossen

Bei der Suche nach der Unglücksursache ruhen viele Hoffnungen auf den Flugschreibern. Eine der beiden Blackboxes, der am Dienstag geborgene Stimmrekorder, wurde nach Paris zur französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA gebracht. Erste Ergebnisse der Auswertung werden für den späten Nachmittag erwartet.

"Die Blackbox ist beschädigt", sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve dem Rundfunksender RTL. "Wir werden sie in den nächsten Stunden reparieren müssen, um diese Tragödie aufklären zu können." Der Stimmrekorder zeichnet die Geräusche im Cockpit auf - also die Gespräche der Piloten wie auch mögliche Alarmsignale. Die zweite Blackbox, der Flugdatenschreiber, wurde bislang nicht gefunden.

Die zuständige Staatsanwaltschaft von Marseille hat inzwischen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Auch die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt.

wit/ulz/dpa/AFP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.