Germanwings-Absturz Dobrindt sieht Verdacht gegen Co-Piloten erhärtet

Verkehrsminister Dobrindt hat einen Bundestagsausschuss über den aktuellen Stand der Ermittlungen zum Germanwings-Absturz informiert: Die detaillierte Auswertung der Flugschreiber belege ein absichtliches Handeln des Co-Piloten.

Lufthansa-Chef Spohr (l.), Verkehrsminister Dobrindt: Sitzung des Bundestagsverkehrsausschusses
REUTERS

Lufthansa-Chef Spohr (l.), Verkehrsminister Dobrindt: Sitzung des Bundestagsverkehrsausschusses


Hinter verschlossenen Türen hat der Bundestagsverkehrsausschusses zum Germanwings-Absturz in den französischen Alpen getagt. Die Detailauswertung der beiden Flugschreiber erhärtet offenbar den Verdacht, dass der Co-Pilot den Airbus mit voller Absicht in die Katastrophe gesteuert hat.

Es sei nun abschließend klar, dass Andreas Lubitz mehrfach bewusst eingegriffen habe, um die Maschine zum Absturz zu bringen, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nach der Sitzung. Der 27-Jährige habe sowohl die Höhe als auch die Geschwindigkeit nachgesteuert und zudem aktiv das Steuer betätigt. Damit sei durch die Aufzeichnungen von Stimmenrekorder und Flugdatenschreiber die Handlungsfähigkeit des Mannes "voll nachgewiesen".

Dobrindt kündigte für Mai einen Testflug auf der Route von Unglücksflug 4U9525 an, um letzte noch offene Fragen zu klären. Das soll etwa helfen, aufgezeichnete Geräusche besser einzuordnen, zu denen sich nichts auf dem Datenrekorder wiederfindet. Ein Zwischenbericht soll nach Dobrindts Worten "relativ bald" veröffentlicht werden. Es werde noch einige Wochen dauern, aber bei Weitem nicht das vom Gesetzgeber maximal vorgesehene Jahr.

Dobrindt hatte den Ausschuss gemeinsam mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr über den aktuellen Stand der Ermittlungen informiert. Die Ausschussmitglieder wollten sich auch mit der Untersuchung von Flugunfällen und dem Krisenmanagement danach befassen.

Bei dem Absturz am 24. März starben 150 Menschen. Lubitz hatte den Ermittlern zufolge 2009 eine schwere Depression und war damals suizidgefährdet, am Absturztag war er krankgeschrieben. Am Freitag hatten Angehörige, Mitarbeiter und Politiker bei einem Trauergottesdienst im Kölner Dom Abschied von den Opfern genommen.

wit/dpa

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