Germanwings-Absturz Familie des Co-Piloten stellt Gutachten online

Andreas Lubitz gilt als alleinverantwortlich für den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. Nun hat seine Familie Teile eines umstrittenen Gutachtens veröffentlicht, das dieser Sichtweise widerspricht.
Günter Lubitz und Tim van Beveren

Günter Lubitz und Tim van Beveren

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Die Familie des Co-Piloten Andreas Lubitz hat Auszüge ihres umstrittenen Gutachtens zum Germanwings-Absturz mit 150 Toten veröffentlicht. Die Angehörigen hatten den Luftverkehrsjournalisten Tim van Beveren beauftragt, sich mit der zwei Jahre zurückliegenden Katastrophe zu befassen. Das gesamte Gutachten umfasst der Inhaltsangabe zufolge inklusive Anhang mehr als 300 Seiten. Online gestellt wurde jedoch nur das Abstract.

Beveren hatte das Gutachten bereits bei einer Pressekonferenz am zweiten Jahrestag des Absturzes im März vorgestellt - die Terminwahl war auf Kritik gestoßen. Bei dem Termin zählte Beveren eine Reihe von Details auf, mit denen er Vorgehen und Rückschlüsse der offiziellen Ermittlungen infrage stellt. Er sieht es als nicht zweifelsfrei erwiesen an, dass der Co-Pilot allein verantwortlich für den Absturz mit 150 Toten sei.

Van Beveren zufolge führte die Berichterstattung zum Unglück dazu, dass die Ermittlungen der Flugunfalluntersuchung, der Polizei und Staatsanwaltschaft "kontaminiert" wurden - man habe sich frühzeitig auf eine Version der Ereignisse versteift. Das habe eine unvoreingenommene Untersuchung verhindert.

Van Beveren spricht im Abstract von Vorverurteilung und Spuren, die nicht verfolgt worden seien. "In einem sehr frühen Stadium der Untersuchung fokussierten sich sämtliche Ermittlungsansätze nur noch auf die Person des Co-Piloten Andreas Lubitz", heißt es etwa. Nach seiner Einschätzung gibt es "erhebliche Zweifel" an der "erwiesenen Schuld von Andreas Lubitz".

Schon nach der Pressekonferenz gab es Kritik an dem Gutachten. Vor allem wurde bemängelt, dass es Umstände ausblendet, die seinen Annahmen widersprechen: Etwa Lubitz' Krankengeschichte. Die Tatsache, dass der Co-Pilot einen Sinkflug auf 30 Meter einstellte, als die Alpen vor ihm lagen. Der Umstand, dass Lubitz die Fluglotsen nicht über einen Sinkflug informierte. Und keinerlei Hinweise auf einen Versuch, dem Kapitän die Cockpittür zu öffnen.

Dem Abschlussbericht der Behörden zufolge brachte der Co-Pilot am 24. März 2015 den Airbus A320 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich zum Absturz in Südfrankreich. Alle 150 Menschen an Bord starben. Zuvor hatte er demnach den Flugkapitän aus dem Cockpit ausgesperrt.

ulz/dpa
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