Einsatz nach Germanwings-Absturz Rettungskräfte bergen erste Opfer

Einsatzkräfte haben an der Absturzstelle des Germanwings-Airbus die ersten Leichen geborgen. In der Nacht ruhten die Arbeiten.


Seyne-les-Alpes - Einen Tag nach dem Absturz des Germanwings-Airbus' in den französischen Alpen haben Rettungskräfte die ersten Opfer geborgen. Sterbliche Überreste der getöteten Menschen seien am späten Mittwochnachmittag von der Unglücksstelle weggebracht worden, sagte ein Sprecher der Polizei in Digne.

Der Sprecher ließ offen, wie viele Leichen geborgen wurden. Bei dem Crash des Flugzeugs in einer unwegsamen Bergregion waren am Dienstag alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Der Airbus A320 war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den südlichen französischen Alpen abgestürzt. Kleine Trümmerteile der Maschine liegen weit verteilt in dem abgelegenen Tal bei Seyne-les-Alpes.

Die Unglücksstelle ist nur per Hubschrauber oder Fußmarsch zugänglich. Der Einsatz in dem etwa drei Fußballfelder großen, zerklüfteten Gebiet ist schwierig.

Die Suche nach den Getöteten war am Abend mit Einbruch der Dunkelheit eingestellt worden und soll am Donnerstag weitergehen. Die Opfer der Katastrophe stammen nach jüngsten Angaben aus 18 Staaten, unter ihnen sind 72 Deutsche.

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Germanwings-Unglück: Komplizierte Bergung in den französischen Alpen
Die Unglücksursache ist noch unklar. Die Ermittler werten derzeit eine Audiodatei aus dem Sprachrekorder aus, auf der Stimmen im Cockpit und Geräusche zu hören sein sollen. Die französische Nachrichtenagentur AFP und die "New York Times" berichteten, einer der beiden Piloten habe vor dem Sinkflug der Maschine das Cockpit verlassen. Anschließend versuchte er demnach vergeblich, wieder ins Cockpit zu gelangen.

Eine vollständige Untersuchung dauere normalerweise Monate - "aber", sagte Untersuchungschef Rémi Jouty am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz, "wir sind optimistisch, dass wir mit der Audiodatei weiterkommen." Bisher aber gebe es nur eine Sicherheit: Das Flugzeug ist nicht in der Luft explodiert, es sei bis zum Schluss geflogen.

Der Sprachrekorder der Unglücksmaschine
AFP

Der Sprachrekorder der Unglücksmaschine

Die Suche nach der zweiten Blackbox in dem Trümmerfeld geht indes weiter. Bergungskräfte fanden zwar den Behälter des Flugdatenschreibers. Die eigentliche Blackbox mit gespeicherten Flugdaten blieb laut dem französische Präsidenten François Hollande zunächst aber verschollen. Ohne die Daten dürfte die Ermittlung der Absturzursache äußerst schwierig werden.

"Wir haben auch nicht die geringste Erklärung dafür, warum dieses Flugzeug auf die Kontaktversuche der Luftraumkontrolle, wie es scheint, nicht geantwortet hat", sagte Jouty.

Die Flugüberwachung hatte laut Staatsanwalt Brice Robin kurz vor dem Unglück vergeblich versucht, Kontakt zu dem Airbus herzustellen. Die Staatsanwaltschaft von Marseille ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Düsseldorfer Staatsanwälte übernahmen die deutschen Ermittlungen.

Mariano Rajoy, François Hollande und Angela Merkel am Unglücksort
REUTERS

Mariano Rajoy, François Hollande und Angela Merkel am Unglücksort

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich einen eigenen Eindruck von der Absturzstelle. Nach einem Flug im Helikopter über den Unglücksort dankte sie den Helfern. "Es ist eine wahrhafte Tragödie, das hat uns der Besuch heute noch einmal vor Augen geführt", sagte Merkel

Auch Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, besuchte die Unglücksregion. Von den 72 deutschen Toten kamen 50 aus NRW. Kraft zeigte sich tief bestürzt. "Es ist eine wahnsinnige Katastrophe, wenn man sieht, wie die Überreste verteilt sind. Man kann es sich nicht vorstellten, wenn man es nicht gesehen hat", sagte sie SPIEGEL ONLINE.

Eingang zum Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See: Trauer um Mitschüler
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Eingang zum Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See: Trauer um Mitschüler

Unter den Todesopfern sind auch 16 Schüler und zwei Lehrer des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern am See. Sie hatten knapp eine Woche in der Nähe von Barcelona verbracht und dort einen Sprachkurs besucht. Die Schule und die ganze Stadt trauern um die Verstorbenen. Am Mittwochmorgen hatte die Schule allen Mitschülern offen gestanden, viele hatten sich zu Andachten zusammengefunden, verabschiedeten sich von den Mitschülern, sprachen mit Notfallseelsorgern.

Auf der Schultreppe brannten viele Kerzen. "An unserer Schule wird nichts mehr so sein, wie es vorher war", sagte Direktor Ulrich Wessel. Ein Plakat auf dem Schulgelände fasste das Gefühl der Trauer zusammen: "Gestern waren wir viele. Heute sind wir allein."

Das Bundesinnenministerium ordnete Trauerbeflaggung an allen Bundesbehörden an. Im Bundestag soll am Donnerstag der Opfer des Unglücks gedacht werden.

Angehörige der Opfer werden am Donnerstag nahe der Unglücksstelle Abschied nehmen können. Aus Düsseldorf und Barcelona sollen nach Lufthansa-Angaben zwei Sonderflüge in Richtung Südfrankreich abheben.

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sun/gam/dpa/AFP

insgesamt 18 Beiträge
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joes.world 25.03.2015
1. Jetzt gerade in den Tagesthemen
Hannelore Kraft musste unbedingt in die Kamera sprechen. Erklärte den Zusehern zu Hause, dass sie den Rettern zugesprochen hätte. Die einen helfen, bergen Leichen - eine Polittouristin spielen mit einer Kamera. Ich persönlich finde das einfach widerlich.
anette_aus_den_bergen 25.03.2015
2. Rote Fähnchen
Jedes rote Fähnchen steht für einen menschlichen Überrest. Extrem schockierend.
annabella757 25.03.2015
3.
Heute stand auf mehreren online Seiten wie zum Beispiel bei The Independent, dass nachdem keine Antwort von Germanwingsflug kam, sind Kampfflugzeuge Typ Mirage 2000 zu dem Flugzeug gestiegen. Was macht ein Kampfflugzeug wenn ein Passagierflugzeug nicht antwortet?
Max Murks 25.03.2015
4. Ein Unfall mit...
...150 Toten und die Medien und Politik spielen verrückt. Sicher ist es eine Tragödie, aber jeden Tag sterben mehr Menschen in Deutschland an Viren, Unfällen etc. Ständig die gleichen Bilder auf allen Kanälen, keiner weis was, alle spekulieren und irgendwelche Experten werden aus irgendwelchen Löchern zu Rate gezogen. Unsere Merkel, Gauck und andere Politiker zeigen eine betroffene Fresse die an Scheinheiligkeit nicht zu übertreffen ist. Hauptsache eine Kamera ist in der Nähe.
joes.world 25.03.2015
5. Soeben in den Tagesthemen.
Kraft suchte eine WDR Kamera um dieser mitzuteilen, dass sie tief getroffen ist von den Bildern, die sie gesehen hat. Und dass sie mit den Helfern gesprochen hatte. Und denen mitteilte, dass sie in den Herzen mit ihnen ist. Was ist das für eine abgehobene Politikersprache? Ist Hannelore Kraft dort, um via Kamera Stimmung für sich zu machen? Oder geht es um die Helfer? Wieso suchte sie dann eine WDR Kamera? Und wer von den Helfern wusste schon, wer sie ist? Die Helfer helfen unter Lebensgefahr. Was aber macht Frau Kraft dort???
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