100 Tage nach der Entführung Maddies Eltern fordern Todesbeweise von der Polizei

100 Tage ist Madeleine verschwunden, seit 100 Tagen läuft eine beispiellose Suche nach der Vierjährigen. Doch der Fall wird immer verworrener. Zuletzt gerieten die McCanns selbst in Verdacht - und werfen nun ihrerseits der Polizei vor, Madeleine schon aufgegeben zu haben.


Praia da Luz - In Praia da Luz wollen die meisten die McCanns nur noch loswerden. Vor 100 Tagen hat der Albtraum hier in einer Ferienanlage begonnen: Das Ärzteehepaar aus Mittelengland ging nach eigenen Angaben an einem lauen Abend zum Essen in ein Restaurant, das nur einen Steinwurf von dem Appartement entfernt lag, in dem Madeleine mit ihren beiden kleinen Geschwistern schlief. Um 22.00 Uhr habe sie nach ihren Kindern geschaut, sagt Kate McCann - da war Madeleines Bett leer. "Ich bin so verzweifelt, dass ich damals nicht bei Madeleine war", sagt McCann heute.

Foto der verschwundenen Madeleine: "Wir werden nicht nach Hause gehen"
DDP

Foto der verschwundenen Madeleine: "Wir werden nicht nach Hause gehen"

In ihrer Verzweiflung alarmierten die Eltern über die Medien die ganze Welt. Eine Belohnung von 3,7 Millionen Euro wurde ausgesetzt, die Spenden auf der Madeleine-Webseite liegen bei 1,4 Millionen Euro. Die McCanns blieben in Portugal, um vor Ort zu helfen. Doch die Polizei will inzwischen, dass die McCanns nach Hause zurückkehren und auch die Hotels am Ort haben die Familie mit dem tragischen Entführungsfall mitten in der Ferienzeit ausgesprochen ungern in der Gegend. Doch die McCanns weigern sich standhaft. "Wir werden nicht nach Hause gehen", erklärte die Mutter dem Sender Skynews.

Sie und ihr Mann machen der Polizei inzwischen schwere Vorwürfe. Immer wieder habe die Polizei erklärt, sie suche nach einem lebenden Kind, erklärte Gerry McCann. Doch nun gingen die Beamten scheinbar davon aus, dass Maddie tot sei. "Da hat es eine Wende gegeben. Ich will die Beweise sehen, die das verursacht haben. Wir müssen darüber Bescheid wissen", zitiert das britische Boulevardblatt "Mirror" McCann.

Zunächst hatte die Polizei eine Entführung vermutet, mittlerweile schließt sie offenbar auch ein Tötungsdelikt nicht aus. Die portugiesischen Ermittler hatten ihren Nachforschungen Berichten zufolge eine neue Richtung gegeben, nachdem in dem Zimmer, aus dem das Kind verschwand, Blutspuren gefunden worden waren.

Auch Maddies Eltern zählen diesen Berichten zufolge inzwischen offenbar zu den Verdächtigen. Ein Polizeisprecher hatte der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA gesagt: "Das Paar McCann ist nie wegen irgendetwas beschuldigt worden". Er fügte aber hinzu, "in einer solchen Affäre sind bis auf weiteres alle verdächtig".

450 Menschen befragt - ohne Erfolg

Gerry McCann bezeichnete das in der portugiesischen Zeitung "Expresso" als "lächerlich". Seine Frau erklärte, die Verdächtigungen seien "wirklich sehr verstörend". "Die Polizei hat uns nie gesagt, dass wir verdächtig seien." Die McCanns hätten "alles getan und werden alles tun, um mit den Ermittlern zu kooperieren. Aber es scheint, als ob die Ermittler keinerlei Idee haben", zitiert der "Mirror" einen Bekannten der McCanns. "Es ist sehr frustrierend für Kate und Gerry."

Mittlerweile haben die Beamten 450 Menschen in der Sache befragt und sind Dutzenden von Hinweisen nachgegangen - ohne Erfolg. Einziger Verdächtiger, gegen den formell ermittelt wird, ist bislang der 33-jährige Brite Robert Murat, der in der Nähe des Hotelkomplexes wohnt, aus dem Maddie verschwand. Britische und portugiesische Polizisten durchkämmten am vergangenen Wochenende seine Villa auf der Suche nach Spuren. Ob sie Hinweise fanden, ist bislang nicht bekannt. Die Auswertung der im Hotelzimmer gefundenen Blutspuren soll nach Angaben aus Ermittlerkreisen in einem britischen Labor vorgenommen werden, die Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet.

Heute wird in Praia da Luz eine Messe für Madeleine und andere vermisste Kinder gelesen. Die McCanns eröffneten außerdem eine neue Sektion auf der beliebten Video-Internetseite Youtube. Unter dem Titel "Vergiss' mich nicht" sollen dort vermisste Kinder gezeigt werden. Die Eltern hoffen, durch die internationale Reichweite des Internets auch mögliche Aufenthaltsorte ihres Kindes im Ausland zu erreichen. In den vergangenen Monaten gingen aus mehreren Ländern Hinweise ein, Madeleine sei gesehen worden. Sie führten jedoch allesamt zu keinem Ergebnis.

ase/AP/AFP/dpa



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