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Geschminkt, geschunkelt – und geimpft

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Auftakt zum 2G-Karneval in Köln Geimpft und geschminkt

Um 11.11 Uhr haben die Jecken in den Karnevalshochburgen am Rhein die neue Session eröffnet – dank strenger Coronaregeln ein wenig wie vor der Pandemie. Doch wird aus der »Stadt met K« jetzt die Stadt mit viel C?

Die Szenen aus Köln erinnern an einen der wichtigsten Glaubenssätze seiner Einwohnerinnen und Einwohner: »Et hät noch immer jot jejange.« Auf den ersten Blick nahezu unberührt von der Coronapandemie haben in der Stadt Tausende Jecken dicht an dicht um 11.11 Uhr am 11.11. die neue Session gestartet.

»Hiermit ist die Session eröffnet – viel Spaß«, rief Ralf Schlegelmilch, Präsident der Willi-Ostermann-Gesellschaft, die den Auftakt traditionell ausrichtet. Auf den zweiten Blick wird deutlich, dass der Umgang mit der Seuche die Karnevalistinnen und Karnevalisten doch nachhaltig beschäftigt.

Das fängt bereits damit an, dass wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen nur geimpfte und genesene Karnevalisten an der Veranstaltung teilnehmen dürfen. Ordner überwachen an Absperrungen, dass die Regeln an diesen »Passierstellen zur Feierzone« eingehalten werden – ein negativer Coronatest genügt grundsätzlich nicht.

Peter Brings: »Dieses Jahr nur den Partner knutschen!«

»Mit der Disziplin, die ihr heute habt, ist uns nicht bange, dass wir eine wunderschöne Session erleben werden«, sagte Schlegelmilch. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) nutzte ihren kurzen Bühnenauftritt für einen Appell, die Coronaregeln einzuhalten. »Mich würde das freuen, auch weil uns das einen Spielraum gibt für die tollen Tage im nächsten Jahr«, sagte sie.

Daran, dass das klappt, glaubt zumindest Satiriker und Moderator Jan Böhmermann nicht. Angesichts der Menschenmassen im beliebten Zülpicher Viertel, in dessen Feiermeile auch nur Geimpfte oder Genesene rein durften, kritisierte er: »Heute als 'Sexy Krankenschwester' auf der Zülpicher Straße, an Weihnachten als 'Sexy Intubierte' in der Uniklinik.«

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Der Moderator des Sessionsauftakts auf dem Heumarkt in der Kölner Altstadt, Guido Cantz, gab sich dagegen zuversichtlicher: »Ich bin geimpft, gefärbt, geschminkt, gut gelaunt, glücklich – und grandios, dass ihr heute Morgen alle da seid.«

Das designierte Kölner Dreigestirn indes fehlte auf der Bühne – und auch der traditionelle Empfang des Prinzen, des Bauern und der Jungfrau im Rathaus musste ausfallen: Am Vorabend des Elften im Elften war Prinz Sven Oleff positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der doppelt geimpfte Oleff habe »keinerlei Symptome« und fühle sich, so das Festkomitee, »den Umständen entsprechend gut«.

Bei den beiden anderen Mitgliedern fielen die Coronatests demnach negativ aus. Sicherheitshalber wurden dennoch alle öffentlichen Auftritte des gesamten Dreigestirns ausgesetzt. »Ich muss nicht betonen, wie traurig ich bin, nicht mit den kölschen Jecken in die Session starten zu können«, sagte Oleff. »Aber Sicherheit geht vor – auch und gerade im Karneval.« In Köln gilt am Wochenende eine 2G-Regelung für Karnevalsveranstaltungen – auch in Kneipen und der Gastronomie.

Beim Effzeh feierten Spieler und Fans den Tag ebenfalls ausgiebig. Der Trainer des Kölner Fußballbundesligisten, Steffen Baumgart, lief als »Schweinhorn« verkleidet auf:

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Man habe Corona irgendwo im Kopf, aber er hoffe, dass trotzdem alles gut gehe, sagte der Sänger Peter Brings von der Kölschrock-Band Brings. »Wir müssen lernen, damit zu leben. Ich glaub: Wir werden noch viel kränker, wenn wir einfach in unseren Buden sitzen bleiben. Da geht die Seele kaputt. Meine zumindest.« Allerdings habe er den Rat: »Vielleicht dieses Jahr nur den Partner knutschen! Sonst kommen wir nicht durch die Session. Und nächstes Jahr können wir wieder alle zusammen knutschen.«

Vor einem Jahr war am 11.11. erstmals seit Jahrzehnten überhaupt nichts los gewesen. Pandemiebedingt war es ein ganz normaler Wochentag. Dieses Jahr ist das anders, weil ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist. Außer in Köln gilt etwa auch zum Hoppeditz in Düsseldorf die 2G-Regel: In den abgesperrten Bereichen unter freiem Himmel haben nur Geimpfte und Genesene Zugang.

In Mainz begehen die Narren den Beginn der Fastnacht traditionell auf dem Schillerplatz. Erstmals kostet die Teilnahme an der Party Eintritt und ist auch dort nur für Geimpfte und Genesene möglich. Im vergangenen Jahr blieb es wegen der Coronapandemie überwiegend ruhig in den Karnevalshochburgen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

apr/AFP/dpa
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