Festgottesdienst zu 500 Jahren Reformation "Akt der Befreiung"

Zehntausende Besucher aus aller Welt haben in Wittenberg des Abschluss des Luther-Jahres gefeiert. In der Schlosskirche feierten Prominente den 500. Jahrestag des Thesenanschlags.

AP

Abschluss des Luther-Jahres: In Wittenberg haben Spitzenvertreter aus Kirchen, Politik und Gesellschaft den 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther gefeiert. In der Schlosskirche fand am Nachmittag ein Festgottesdienst statt, an dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnahmen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, würdigte den Beginn der Reformation als "Akt der Befreiung".

Luthers Thesenanschlag sei eine Befreiung für ihn persönlich, für die Kirche und für die Welt gewesen, sagte Bedford-Strohm in seiner Predigt. "Und nun sitzen wir hier, 500 Jahre später, als Menschen in einem Land, das ebenfalls mit sich ringt."

Draußen vor der Kirche feierten Zehntausende Besucher aus der ganzen Welt den 500. Jahrestag des überlieferten Thesenanschlag des Theologen Martin Luther an die Tür der Schlosskirche. Rund 1000 Polizisten sicherten die Feierlichkeiten ab, Hubschrauber kreisten über der 50.000-Einwohner-Stadt.

"Das erlebt man aber nicht noch einmal", sagt eine Besucherin aus Berlin. "Und wegen der Prominenten, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt", pflichtet ihr ein älterer Mann bei. Eine Gruppe junger Leute kam sogar zu Fuß aus dem fernen Minden an den Ursprungsort der Reformation. Neben Beifall für die Kanzlerin gab es aber auch Sprechchöre mit "Merkel muss weg" und Buh-Rufen, übertönt vom Geläut der Kirchenglocken.

Der Vatikan und der Lutherische Weltbund baten in einer gemeinsamen Erklärung zum Jahrestag des Thesenanschlags um Vergebung für die Gewalttaten der Vergangenheit. Zugleich lobten sie die Ergebnisse der Ökumene in den vergangenen 50 Jahren, es seien dadurch "Vorurteile beseitigt" und theologische Übereinstimmungen herausgearbeitet worden.

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther der Überlieferung nach 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg, mit denen er den Ablasshandel und andere Missstände in der katholischen Kirche anprangerte. Es war der Anstoß für die kirchliche Erneuerungsbewegung, die Reformation.

Der diesjährige Reformationstag stand ganz im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums und war ausnahmsweise ein bundesweiter Feiertag. Er bildete den Abschluss der einjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten.

Zu den Höhepunkten des Luther-Jahres zählten der Deutsche Evangelische Kirchentag, an dem auch Ex-US-Präsident Barack Obama teilnahm, ein europäischer Stationenweg zwischen 68 Städten in 19 Ländern sowie der Besuch des EKD-Rates gemeinsam mit Kardinal Marx bei Papst Franziskus in Rom.

VIDEO: Calvin versus Luther

ler/AFP/dpa



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