Menschenschmuggel auf der A8 Lkw-Fahrer sieht Hand aus Plane ragen

Schleuser versteckten auf der Balkanroute sechs Flüchtlinge in einem Lastwagen. Als der Lkw-Fahrer in Bayern eine Hand aus der Plane ragen sah, schlug er Alarm.

Polizeibeamter auf der A8 von Salzburg nach München
DPA

Polizeibeamter auf der A8 von Salzburg nach München


Ein Lkw-Fahrer hat auf der A8 zwischen Salzburg und München laut eigenen Angaben den Schreck seines Lebens bekommen, als er aus der Plane seines Aufliegers eine Hand herausragen sah. Der 37-jährige Kraftfahrer alarmierte seinen Chef, der die Polizei rief. An der Tankstelle Holzkirchen Nord wurde das Fahrzeug daraufhin gestoppt.

Als die Beamten die Ladefläche öffnen ließen, entdeckten sie sechs Männer, die auf Paletten kauerten. Auf den ersten Blick waren alle unverletzt. Bei den Geschleusten soll es sich um fünf Afghanen und einen Pakistaner handeln. Der Polizei zufolge hatte allerdings keiner von ihnen Ausweispapiere bei sich. Die Männer erklärten, dass sie für die Schleusung 500 Euro pro Person gezahlt hätten.

Laut Bundespolizei sind die afghanischen Flüchtlinge 14, 15, 17, 19 und 22 Jahre alt. Der Mann aus Pakistan ist demnach 30. Die Männer machten unterschiedliche Angaben zu der Reisedauer, sie seien zwischen eineinhalb und zweieinhalb Tagen unterwegs gewesen. Wo sie auf die Ladefläche gestiegen wären, hätten sie nicht sehen können, da ihnen die Schlepper zuvor die Augen verbunden hätten.

Die Männer hätten während des Transports ohne Lebensmittel und Trinken auf den Paletten ausgeharrt, sagte der Sprecher der Bundespolizei in Rosenheim, Rainer Scharf, SPIEGEL ONLINE. Man ermittle gegen unbekannt. Zunächst müsse die Reiseroute genau nachvollzogen werden, um dann herauszufinden, wo die Männer auf den Lkw gebracht wurden.

Der Lkw-Fahrer stammt aus Bosnien-Herzegowina. Er erklärte, er habe den Sattelzug über Kroatien, Slowenien und Österreich bis Deutschland gefahren. Es sei ihm unerklärlich, wann die Flüchtlinge in das Fahrzeug geschmuggelt wurden. Nach jeder der eingelegten Pausen habe er sowohl den Auflieger als auch die Verplombung kontrolliert. Alles sei stets in Ordnung gewesen. Laut Bundespolizei deuten erste Anzeichen auf eine nachträgliche Manipulation der Zollplombe hin.

"Der Fall ist krass, aber nicht so selten wie man meint", sagte Bundespolizeisprecher Scharf. "Es gibt immer wieder Leute, die auf Lkw-Auflegern die Reise antreten." Deswegen seien die Kontrollen auch verstärkt worden. "Aber man kann nicht jeden stoppen."

Die Bundespolizeiinspektion Rosenheim dokumentierte allein von Freitag bis Sonntag drei weitere Schleusungen, bei denen etwa 170 Migranten registriert wurden. Der Hälfte von ihnen wurde die Einreise verweigert.

cnm/ala



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