Abgesetzter Bischof Mixa reagiert "gefasst" auf Papst-Brief

Walter Mixa muss sich als Bischof von Augsburg zurückziehen. Der Papst hat sein Rücktrittgesuch angenommen - in einem Brief, den Mixa als "herzlich und freundlich" empfindet. Ausgestanden ist die Affäre um ihn nicht: Gegen den Geistlichen wird wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch ermittelt.

Abgesetzter Bischof Walter Mixa: "Ich habe die Nachricht gefasst aufgenommen"
ddp

Abgesetzter Bischof Walter Mixa: "Ich habe die Nachricht gefasst aufgenommen"


Augsburg/Rom/Hamburg - Für die einen ist die Absetzung des Augsburger Bischofs Walter Mixa eine "schmerzhafte Angelegenheit", andere sind einfach erleichtert, dass die monatelange Affäre um ihn ein Ende hat. Mixa selbst schwieg wochenlang - und äußerte sich nun erstmals wieder öffentlich. Der Papst habe ihm in einem Brief die Annahme seines Rücktrittsgesuches mitgeteilt, sagte er der "Bild am Sonntag": "Ich habe die Nachricht gefasst aufgenommen." Das Schreiben habe er als "herzlich und freundlich" empfunden.

Der 69-jährige Mixa hat sich in ein Schweizer Krankenhaus zurückgezogen. Dort wolle er noch zwei Wochen bleiben, um sich untersuchen und wegen "Problemen mit den Schleimbeuteln am Knie" operieren zu lassen, sagte Mixa dem Blatt. Nach Informationen aus Kirchenkreisen ist der Geistliche wegen eines angeblichen Alkoholproblems in Behandlung.

Der frühere Bischof von Augsburg und ehemalige katholische Militärbischof für die Bundeswehr war zuletzt stark unter Druck geraten. Er musste in dieser Zeit einräumen, dass er möglicherweise als Stadtpfarrer in Schrobenhausen doch Heimkinder geschlagen hat - obwohl er derartiges zuvor kategorisch ausgeschlossen hatte. Dann geriet sein Finanzgebahren ins Zwielicht. Der Bischof hatte am 21. April die Konsequenzen gezogen und im Vatikan um seine Entlassung gebeten. Papst Benedikt XVI. nahm den Rücktritt am Samstag an.

Führende Katholiken begrüßten die schnelle Absetzung Mixas, etwa der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch. Auch der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, erklärte, der Schritt beende eine Zeit der Unsicherheit im Bistum Augsburg. Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann erhob schwere Vorwürfe gegen Mixa. Es gebe leider immer wieder Menschen, die ihren Aufgaben in der Kirche nicht genügten. "Es bleibt eine erhebliche Verletzung des Vertrauens", sagte er dem "heute journal" des ZDF.

"Es bleibt eine erhebliche Verletzung des Vertrauens"

Bereits am Freitag war bekanntgeworden, dass die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch gegen Mixa eingeleitet hat. Der Papst soll von den neuen Vorwürfen gewusst haben, bevor er seine erwartete Entscheidung traf. Berichten zufolge soll es sich dabei um einen Missbrauchsfall aus Mixas Zeit als Eichstätter Bischof zwischen 1996 bis 2005 handeln. Damit steht erstmals in Deutschland ein katholischer Bischof unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs. Der Geistliche ließ die Vorwürfe über einen Augsburger Anwalt als unzutreffend zurückweisen und erklärte sich zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern bereit.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagte dem SPIEGEL, die neuen Vorwürfe gegen Mixa müssten "schonungslos aufgeklärt" werden. Zu dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche erklärte Schick, es sei "richtig, dass nun alles herauskommt". Überall, wo "etwas unter der Decke gehalten wird, wird alles nur noch schlimmer". Er forderte eine Diskussion über das Ende der Enthaltsamkeit für Priester. Diesen Vorschlag bezeichnete der Mainzer Bischof und frühere Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, als bedenkenswert. Allerdings sei dies der falsche Zeitpunkt für eine derartige Debatte.

"Weg der inneren Heilung und des Neuanfangs"

Mixa bleibt formell geweihter Bischof auf Lebenszeit, hat aber keine Diözese mehr und ist auch nicht länger Militärbischof der Bundeswehr. Weihbischof Josef Grünwald wird das Augsburger Bistum vorläufig leiten. Erfahrungsgemäß dauert es rund zwölf Monate bis zur Ernennung eines neuen Bischofs. Der 73-Jährige will einen "Weg der inneren Heilung und des Neuanfangs" beginnen. Die Ereignisse um den zurückgetretenen Bischof hätten die Diözese zutiefst belastet und gespalten, schrieb Grünwald in einem offenen Brief an die Mitarbeiter der Diözese Augsburg.

Benedikt XVI. verwies bei der Annahme des Rücktrittsgesuchs auf einen Paragrafen des kanonischen Rechts, der den Ruhestand eines Geistlichen wegen Krankheit oder "anderer schwerwiegender Gründe" vorsieht. Ein Bischof kann seinen Rücktritt nur anbieten, der Papst muss dem Schritt zustimmen. Das Kirchenoberhaupt hatte am 29. April mit DBK-Chef Zollitsch im Vatikan über den Fall Mixa beraten. Dann handelte Benedikt XVI. vergleichsweise rasch - in der Vertuschungsaffäre des irischen Missbrauchsskandals dauerte es teilweise Monate, bis der Papst Rücktrittsgesuche annahm.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) warnt angesichts der Missbrauchsvorwürfe gegen Mixa vor "Generalverdächtigungen". Bei dem Fall handele es sich zwar um eine "sehr bittere Sache", sagte der CSU-Vorsitzende am Sonntag im Bayerischen Fernsehen. Man dürfe nun aber nicht den "ganzen Glauben" und die christliche Ausrichtung Deutschlands in Frage stellen.

kgp/dpa/ddp/AFP



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