Ägypten Ein Akt der Solidarität

Sie musste Tausende zum Teil hetzerische Kommentare und Drohungen in ihrem Blog erdulden - nun bekommt die Ägypterin Alia Magda al-Mahdi Unterstützung für ihren umstrittenen Akt-Protest. Dutzende Israelinnen ließen solidarisch die Hüllen fallen.


Hamburg - Ein paar Dutzend Frauen, spärlich bis gar nicht bekleidet, posieren in Solidarität mit Alia Magda al-Mahdi: Der Fall der 20-jährigen Ägypterin, die das Land mit gebloggten Aktfotos in Aufruhr versetzte, hat in Israel am Wochenende eine fast ebenso leicht bekleidete Protestaktion inspiriert.

"Liebe ohne Grenzen", steht auf dem Transparent, das die nackten Körper der Teilnehmerinnen zum Teil verdeckt. Unter diesem Motto hatte die Israelin Or Tepler via Facebook zu dem Fotoshooting aufgerufen, nachdem sie die Reaktionen auf Mahdis Blogpost verfolgt hatte. Es sei ihr auf die Nerven gegangen, dass Mahdi so viele missbräuchliche Kommentare und Todesdrohungen bekommen habe, erzählte die 28-jährige Tepler dem israelischen Nachrichtenportal "Ynet".

Deshalb habe sie gemeinsam mit anderen Solidarität für Mahdi demonstrieren und der Ägypterin zeigen wollen, dass sie neben all den negativen Reaktionen auch viele Unterstützer hat, über Landesgrenzen hinweg. 100 Frauen hatten sich "Ynet" zufolge bei der Facebook-Veranstaltung angemeldet, am Ende ließen rund 40 am Wochenende als Hommage an Alia Magda al-Mahdi die Hüllen fallen.

Die Kunst- und Medienwissenschaftsstudentin der American University in Kairo hatte Ende Oktober in ihrem Blog "Tagebuch einer Rebellin" ein für ägyptische Verhältnisse pikantes Porträt veröffentlicht. Mit dem provokativen Schwarzweißakt trat sie für freie Kunst und Ausdrucksfreiheit ein und sorgte so für einen Eklat in dem islamisch geprägten Land, wo nackte Haut verpönt ist und sich Paare nicht in der Öffentlichkeit küssen dürfen. Dass Mahdi und ihr Freund, der Blogger Karim Amer, nicht verheiratet sind, sich aber trotzdem öffentlich als Paar zeigen, empfinden Kritiker als besonderen Affront gegen die gesellschaftlichen Werte Ägyptens.

Nun drohen Mahdi deswegen und wegen des Akt-Bloggens möglicherweise auch rechtliche Konsequenzen: Mehrere Anwälte bezichtigen das Paar, Unmoral zu verbreiten und die Religion zu missachten. Ob die Staatsanwaltschaft sich mit den Vorwürfen beschäftigen wird, ist noch unklar.

can



insgesamt 35 Beiträge
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cashcow 21.11.2011
1. Schlimmer geht immer
Zitat von sysopSie musste Tausende zum Teil hetzerische Kommentare und Drohungen in ihrem Blog erdulden - nun bekommt die ägyptische Bloggerin Alia Magda al-Mahdi Unterstützung für ihren umstrittenen Akt-Protest. Dutzende Israelinnen ließen solidarisch die Hüllen fallen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,798906,00.html
Das dürfte sich für Alia Magda al-Mahdi als Bärendienst erweisen: Nackt und mit Zuspruch aus Israel...
spon-1277755831106 21.11.2011
2. !
einfach nur klasse!
Georgius 21.11.2011
3. Solidaritaet
Ein sehr guter Akt der Solidaritaet ueber Grenzen hinweg. ! Ob das jetzt den Ultra-Orthodoxen in Israel selbst gefaellt? Warten wir es ab.
guyyafleur 21.11.2011
4. Au weia
Zitat von sysopSie musste Tausende zum Teil hetzerische Kommentare und Drohungen in ihrem Blog erdulden - nun bekommt die ägyptische Bloggerin Alia Magda al-Mahdi Unterstützung für ihren umstrittenen Akt-Protest. Dutzende Israelinnen ließen solidarisch die Hüllen fallen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,798906,00.html
In der deutschen Sparache existiert das Wort "Israelinnen" nicht. Richtig heißt es Israelis: http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/332368/publicationFile/158533/Staatennamen.pdf
SNA 21.11.2011
5. Töricht
Zitat von sysopSie musste Tausende zum Teil hetzerische Kommentare und Drohungen in ihrem Blog erdulden - nun bekommt die ägyptische Bloggerin Alia Magda al-Mahdi Unterstützung für ihren umstrittenen Akt-Protest. Dutzende Israelinnen ließen solidarisch die Hüllen fallen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,798906,00.html
Bei der derzeitigen politischen Situation ist das, was die mutige Ägypterin am wenigsten gebrauchen kann, die Unterstützung israelischer Studentinnen. Die Solidaritätsbekundung ist nur auf den ersten Blick hilfreich, auf den zweiten Blick wird sie den innerägyptischen Konflikt nur befeuern. Dummheit oder kalkuliert?
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