Urteil in Großbritannien Ärzte dürfen lebenserhaltende Maßnahmen für zwölfjährigen Archie einstellen

Seine Mutter fand ihn bewusstlos – nun kämpft sie darum, das Leben ihres Sohnes zu erhalten. Doch das wird immer schwieriger: Nun hat auch der britische High Court entschieden, dass die Ärzte Archie sterben lassen dürfen.
Archies Mutter, Hollie Dance, kämpft darum, ihren Sohn am Leben zu halten

Archies Mutter, Hollie Dance, kämpft darum, ihren Sohn am Leben zu halten

Foto: Yui Mok / dpa

Ärzte in Großbritannien dürfen die lebenserhaltenden Maßnahmen für den unheilbar kranken Zwölfjährigen Archie Battersbee einstellen. Richter Anthony Hayden vom Londoner Gerichtshof High Court entschied, dass eine fortgesetzte Behandlung nicht im besten Interesse des Jungen sei und beendet werden sollte.

Battersbee hatte sich bei einem häuslichen Unfall im April schwere Hirnverletzungen zugezogen – womöglich beim Durchführen einer Mutprobe aus dem Internet. Seitdem liegt der Zwölfjährige im Koma. Seine Eltern hatten dem Vorhaben der Ärzte, die Behandlung einzustellen, widersprochen und wollen die Gerichtsentscheidung anfechten. Sie machen geltend, dass Archies Herz noch schlage.

Richter sieht »düstere« Aussichten für Archie

Der Richter sagte, die medizinischen Beweise seien »überzeugend und einhellig« und zeichneten ein »düsteres Bild«. »Archies Mutter hat ihn als Kämpfer beschrieben, und ich bezweifle nicht, dass er einer war«, sagte Hayden. »Aber der Kampf (...) steht nicht mehr unter Archies Kontrolle. Der Schaden an seinem Gehirn hat ihm jede körperliche Autonomie genommen.«

Der Fall erinnert an ähnliche Auseinandersetzungen um unheilbar kranke Kinder in Großbritannien. Der finanziell stark unter Druck stehende britische Gesundheitsdienst NHS neigt dazu, lebenserhaltende Maßnahmen sehr viel früher zu entziehen, als das in Deutschland der Fall wäre.

Zudem werden die Wünsche von Eltern und Angehörigen dabei nicht im selben Maße berücksichtigt. Was im besten Sinne des Patienten ist, entscheiden oft Richter auf Empfehlung von Medizinern.

lmd/dpa
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