Äußerungen zu Kindesmissbrauch Bischof Mixa weist Kritik zurück

Keine Gnade: Walter Mixa rechtfertigt seine umstrittenen Äußerungen, die sexuelle Revolution der 68er sei mit Schuld am Kindesmissbrauch an katholischen Einrichtungen. Während es von vielen Seiten Kritik hagelt, nimmt Bayerns Justizministerin Merk (CSU) den Bischof in Schutz.
Mixa: "Phänomen des Kindesmissbrauchs in einen größeren Zusammenhang gestellt"

Mixa: "Phänomen des Kindesmissbrauchs in einen größeren Zusammenhang gestellt"

Foto: ddp

Walter Mixa

Augsburg - Der Augsburger Bischof hat Kritik an seinen Äußerungen zurückgewiesen, die sexuelle Revolution vergangener Jahrzehnte sei mit Schuld am sexuellen Kindesmissbrauch an katholischen Einrichtungen.

Mixa erklärte am Donnerstag nach Angaben des Augsburger Ordinariats, er habe "das entsetzliche Phänomen des Kindesmissbrauchs" in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt, "ohne auch nur im geringsten zu behaupten, dass darin die alleinige und vorrangige Ursache für solche Verbrechen zu suchen sei".

Mixa hatte in einem Interview erklärt: "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig."

Am Donnerstag rechtfertigte sich Mixa, nahm seine Äußerungen jedoch nicht zurück: "Ich habe mit großer Deutlichkeit und zeitnah nach dem Bekanntwerden der aktuellen Missbrauchsfälle an den Jesuitenschulen den Missbrauch von Kindern durch Priester als besonders abscheuliches Verbrechen verurteilt. Zugleich habe ich auch klar gesagt, dass es in der Vergangenheit schwerwiegende Versäumnisse und Fehler in der Beurteilung und Behandlung solcher Taten durch kirchliche Verantwortliche gegeben hat."

Beate Merk

Bayerns Justizministerin nahm den Bischof unterdessen in Schutz. "Selbstverständlich hat die Freizügigkeit dazu beigetragen, die Hemmschwelle zu senken", sagte die CSU-Politikerin der "Süddeutschen Zeitung". Sie sehe in Mixas Worten "keine unglückliche Formulierung, sondern den Versuch einer Erklärung". Mixa habe "zuallererst sexuellen Missbrauch von Kindern klar und unmissverständlich als abscheuliches Verbrechen bezeichnet", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" Merk in ihrer Freitagsausgabe. "Ich bin dem Bischof sehr dankbar für diese klare Stellungnahme, weil es nach wie vor Tabu ist, über sexuellen Missbrauch zu sprechen und weil uns jede öffentliche Diskussion weiterbringt und den Opfern hilft", so Merk weiter.

"Der Papst weint Krokodilstränen"

Claudia Roth

Grünen-Chefin hatte dem Bischof dagegen eine Verhöhnung der Opfer vorgeworfen. Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, hatte Mixas Äußerungen "hanebüchen" genannt und erklärt, ihm fehle offenbar der Realitätssinn.

Die katholische Theologin Uta Ranke-Heinemann sagte in einem Interview, Mixa reagiere mit der Haltung: "Hauptsache, jemand anders ist verantwortlich." Ranke-Heinemann hat das Verhalten der Kirche in den gegenwärtigen Missbrauchsskandalen scharf kritisiert. Die Kirchenoberen spielten dem Volk eine Komödie vor, sagte sie "Focus online". Als Beispiel führte sie das jüngste Treffen des Papstes mit den irischen Bischöfen an.

Dass der Papst sexuellen Missbrauch als abscheuliches Verbrechen und eine Sünde gegen Gott bezeichnet, stufte Ranke-Heinemann angesichts der kirchlichen Praxis als unglaubwürdig ein: "Der Papst weint hier Krokodilstränen statt den Betroffenen zu helfen", sagte sie. In Wirklichkeit fördere der Vatikan die Vertuschung.

Nach Mixas Angaben wird sich die Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in der kommenden Woche mit allen Aspekten dieses Themas beschäftigen.

lgr/dpa
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