Afghanistan Bundesregierung will Hunderte weitere Ortskräfte evakuieren

Beim Abzug musste die Bundeswehr viele Helfer zurücklassen. Nach SPIEGEL-Informationen will Deutschland nun weitere 200 Menschen pro Woche über Pakistan aus dem Land holen.
Bilder aus dem August: Afghaninnen und Afghanen in einem Airbus der Bundeswehr

Bilder aus dem August: Afghaninnen und Afghanen in einem Airbus der Bundeswehr

Foto: Marc Tessensohn / dpa

Die Bundesregierung will in den nächsten Wochen Hunderte weitere Ortskräfte und Schutzbedürftige sowie deren Kernfamilien nach Deutschland holen. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einer internen Ankündigung des Bundesinnenministeriums (BMI) hervor. Es werde dem Auswärtigen Amt (AA) voraussichtlich möglich sein, in den kommenden zwei Monaten wöchentlich rund 200 Menschen über Pakistan zu evakuieren, so das BMI in einem Schreiben an beteiligte Behörden.

Aufenthaltstitel für Helfer

Alle betreffenden Personen stünden entweder auf einer Liste für Ortskräfte oder auf der sogenannten Menschenrechtsliste – eine vom AA geführte Aufstellung von insgesamt Tausenden besonders Schutzbedürftigen, die einen Bezug nach Deutschland haben. Dazu gehören etwa Afghaninnen und Afghanen, die sich besonders für die Demokratie vor Ort – zum Beispiel im Bereich der Wissenschafts- oder Kunstfreiheit – eingesetzt haben und mit einer deutschen Organisation verbunden sind. Ebenso zählen afghanische Helfer von deutschen Presse- und Medienorganisationen zu dieser Kategorie.

Personen, die es auf eine der beiden Listen der Bundesregierung geschafft haben, bekommen in Deutschland zunächst eine bis zu drei Jahre gültige Aufenthaltserlaubnis. Vor der Einreise erfolge inzwischen eine Sicherheitsüberprüfung, so Regierungskreise. Aufgrund der unübersichtlichen Lage bei der Machtübernahme der Taliban im August unterblieb eine Sicherheitsüberprüfung während der Luftbrücke über den Kabuler Flughafen. Unter die bislang rund 5000 nach Deutschland eingeflogenen Afghanen schafften es nicht nur Ortskräfte oder andere Schutzbedürftige mit Deutschland-Bezug, sondern besonders viele junge, alleinstehende Männer, darunter sogar abgeschobene Straftäter .

Chaotische Evakuierungen

Wie chaotisch die erste Evakuierungsphase ablief, offenbaren auch vertrauliche Unterlagen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die der SPIEGEL einsehen konnte. In einer aktuellen Auflistung der Behörde sind 2804 Personen erfasst, die über die Luftbrücke nach Deutschland ausgeflogen wurden und zurzeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Bundesländer registriert sind. Rund die Hälfte dieser Menschen stand weder auf der Ortskräfte- noch auf der Menschenrechtsliste und hatte also auch keine Aufnahmezusage. Wie die Personen es trotzdem so zahlreich in die Flugzeuge schafften, ist unklar. Sie durchlaufen nun in Deutschland ein Asylverfahren.

Die neue Rettungsmission über Pakistan ist offenbar ein erster größerer Schritt bei der Evakuierung Tausender Menschen, die Deutschland nach dem überhasteten Abzug aus dem von den radikalislamistischen Taliban eroberten Afghanistan zurücklassen musste. Man sei in intensiven Gesprächen mit Nachbarstaaten des Landes, Grenzübertritte von Personen, die auf den deutschen Listen stehen, zu ermöglichen, teilte das AA bereits vor zwei Wochen mit . Auch versuche man alles, um Schutzbedürftige über den Kabuler Flughafen etwa via Katar evakuieren zu lassen.

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