Afro-Look Statement, Accessoire - und Kündigungsgrund

"Sag nein zum Afro-Look": Diese Style-Empfehlung hat eine Redakteurin des US-Magazins "Glamour" den Job gekostet. Denn die wild gekrausten Locken sind nach wie vor Ausdruck afro-amerikanischen Selbstbewusstseins - allerdings auch modisches Accessoire der Stars.


Hamburg - In den USA erlebt der Afro-Look derzeit eine Renaissance: US-Sängerin Beyoncé Knowles trägt ihn zu besonderen Anlässen, für viele Celebrities ist er ein schmuckes Accessoire. Für die breite afro-amerikanischen Öffentlichkeit ist er jedoch mehr: politisches Statement und eine Form der Emanzipation vom weißen Schönheitsideal - ähnlich wie in den sechziger Jahren.

Schauspieler und Sänger Joseph Foreman mit Afro-Frisur: Politisches Statement - und mitunter Kündigungsgrund
AP

Schauspieler und Sänger Joseph Foreman mit Afro-Frisur: Politisches Statement - und mitunter Kündigungsgrund

Damals trug die Freiheitskämpferin, Journalistin und Schriftstellerin Angela Davis ihren markanten Kopfschmuck voller Stolz, machte ihn zum Sinnbild der "Black-Power"-Bewegung. Das Musical "Hair", Jimi Hendrix und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung machten den Afro weit über die Grenzen der USA hinaus bekannt. Der "weiße Look" war out.

Diesem nachgeeifert hatten in den Jahrzehnten zuvor noch Jazzsängerin Billie Holiday oder Ella Fitzgerald. Sie bändigten ihre Haarpracht im Zopf und rückten den Locken mit der Brennschere zu Leibe. Auch Dorothy Dandrige, als erste dunkelhäutige Schauspielerin in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für den Oscar nominiert, zwang ihr Haar in weiche Wellen.

"Frauen, die sich dafür entscheiden, ihr Haar natürlich zu tragen, wurden in der Vergangenheit häufig stigmatisiert", sagt Venus Opal Reese von der Universität Texas, die eine Studie zu dem Thema verfasst hat. Selbst heute seien die Locken ab und an noch Kündigungsgrund - letztlich auch für "Glamour"-Redakteurin Ashley Baker, allerdings in einem anderen Zusammenhang.

Vor den Anwälten einer New Yorker Kanzlei hatte die Journalistin dringend davon abgeraten, im Afro-Look bei der Arbeit zu erscheinen. Das Magazin distanzierte sich umgehend von Baker, die sich nun einen neuen Job suchen muss. "Wir glauben an die Schönheit aller Frauen", ließ "Glamour" auf seiner Homepage verlauten.

sil



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