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31. Dezember 2014, 14:21 Uhr

Air-Asia-Absturz

Opfer soll Schwimmweste getragen haben

Wie verlief der Absturz des Air-Asia-Jets? Noch wurde kein Flugschreiber geborgen - doch Leichenfunde lassen erste Rückschlüsse zu: Mindestens ein Opfer soll mit Schwimmweste geborgen worden sein.

Jakarta - Schwere See verhindert weiter eine konzentrierte Bergungsaktion nach dem Absturz des Air-Asia-Flugs QZ8501. Das Wrack des Jets scheint zwar per Sonar lokalisiert - doch bei Sturm und meterhohen Wellen können die Taucher nicht ins Wasser. Deshalb dürfte es wohl auch noch etwas dauern, bis der Flugschreiber des Airbus A320 geborgen werden kann.

Vorerst deuten also nur Indizien an, was in den letzten Minuten des Flugs vom indonesischen Surabaya nach Singapur passiert sein könnte. Hinweise gibt vor allem der Auffindezustand der Opfer. Bisher sind erst sieben Leichen aus der Javasee geborgen worden.

"Eines der Opfer trug eine Schwimmweste", erklärte Tatang Zaenudin von den Rettungsbehörden. Entsprechend müsste diese Person Zeit gehabt haben, die Weste anzulegen. Entweder vor oder nach dem Aufprall auf das Wasser. Dies deckt sich mit den ersten Einschätzungen von Experten, die wegen des Zustands der ersten entdeckten Trümmerteile nicht von einer Explosion des Flugzeugs in der Luft ausgehen.

Allerdings setzte der Pilot des Flugzeugs vor dem Aufprall kein Notsignal ab. In seinem letzten Funkspruch hatte der Pilot gesagt, er wolle einem Sturm ausweichen. Seine Bitte um eine höhere Flugroute lehnte die Flugkontrolle ab, weil dort bereits andere Maschinen unterwegs waren. "Zwei bis drei Minuten später, als der Fluglotse die Genehmigung zum Aufsteigen auf 34.000 Fuß erteilen wollte, antworte das Flugzeug nicht mehr", sagte Winsu Darjono von der indonesischen Flugkontrolle.

In der Region herrscht derzeit Monsunsaison, die Maschine durchflog zum Zeitpunkt des Unglücks ein Gebiet mit mehreren starken Gewitterzellen.

Flog der Jet zu langsam?

Eine weitere Theorie, basierend vor allem auf Radardaten aus Malaysia, besagt, dass der Airbus zu langsam aufgestiegen sein könnte. In einem solchen Fall kann es zu einem Strömungsabriss kommen. Dabei verliert ein Flugzeug schlagartig an Auftrieb. Reagiert der Pilot nicht rasch und korrekt, folgt der Absturz.

Ermittler prüfen nun, ob das Ersuchen oder die Erlaubnis für einen Wechsel auf eine größere Flughöhe möglicherweise zu spät kam. Allerdings spricht die lange Erfahrung des Piloten (6100 Flugstunden) tendenziell eher gegen einen Fehler der Crew. Auch die Maschine war erst im November gründlich gewartet worden und in gutem Zustand, so die Airline.

Für die vielen Hinterbliebenen bleibt bei allen Spekulationen über die finalen Minuten des Fluges wohl nur eines: Warten auf die Ergebnisse des Flugschreibers.

jok/Reuters

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