Japan Kaiser Akihito ist zurückgetreten

Ende einer Ära: Der japanische Kaiser Akihito hat die Abdankung vom Thron vollzogen. Es ist der erste Vorgang dieser Art seit etwa 200 Jahren.

Reuters

Akihito, der 125. Kaiser Japans, hat sein Amt nach gut 30 Jahren aufgegeben. Während einer kurzen Zeremonie in seinem Palast in Tokio erklärt der 85-Jährige seinen Thronverzicht. Formal übernimmt Akihitos Sohn Naruhito den Thron am Mittwoch.

In einer kurzen Ansprache sagte Akihito, er habe seine 30-jährige Amtszeit mit "tiefem Respekt und mit Liebe für das Volk" ausgeübt. "Das war ein großer Segen." Er danke dem japanischen Volk "von Herzen", dass es ihn als "Symbol des Staates akzeptiert und unterstützt" habe.

Die Abdankung fand im Matsu-no-Ma statt, einer 370 Quadratmeter großen Halle im Kaiserpalast. An der Zeremonie nahmen mehr als 300 Menschen teil, darunter neben Mitgliedern der Kaiserfamilie auch Regierungsmitglieder, Parlamentarier und hochrangige Richter. Die Öffentlichkeit blieb ausgeschlossen.

Video: Der Tenno dankt ab

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Üblicherweise bleibt der Tenno, so wird der Kaiser in Japan genannt, bis zu seinem Tod im Amt. Akihito bat jedoch bereits 2016 aus gesundheitlichen Gründen darum, zurücktreten zu dürfen. Das Parlament erlaubte ihm das per Sondergesetz. Der letzte Monarch, der abdankte, war Kaiser Kokaku 1817. Akihito ist damit der erste japanische Kaiser seit gut 200 Jahren, der den Thron freiwillig für seinen Nachfolger freimacht.

Vor seiner letzten Amtshandlung als Tenno hatte Akihito am Vormittag (Ortszeit) den Göttern des asiatischen Inselreiches seine Abdankung angekündigt. Zu den tief religiösen Riten in den drei Schreinen seines Palastes erschien der Monarch in der modernen Version einer jahrhundertealten höfischen Tracht aus goldbrauner Robe und hoch aufragender schwarzer Kopfbedeckung.

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Kaiser Akihito dankt ab: Ein Leben für den Frieden

In den Heiligtümern der japanischen Urreligion Shinto wird unter anderem die Sonnengöttin Amaterasu Omikami verehrt. Den Mythen nach sind die japanischen Kaiser ihre Nachfahren.

An der kurzen und einfachen Zeremonie zur Inthronisierung seines Sohnes Naruhito am Mittwoch wird Akihito nicht mehr teilnehmen. Laut der japanischen Nachkriegsverfassung hat der Kaiser keinerlei politische Macht, sondern ist ein Symbol der Einheit der Nation.

Akihito war der erste Repräsentant eines moderneren Hofes (lesen Sie hier eine Analyse des langjährigen SPIEGEL-Korrespondenten Wieland Wagner). Als Kronprinz hatte er 1959 mit der fast 2000 Jahre alten Hoftradition gebrochen und mit der Unternehmertochter Michiko Shoda eine Bürgerliche geheiratet.

Videoanalyse: Sayonara Tenno

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Akihito ist mit seiner zurückhaltenden Art und seiner liberalen Einstellung bei den Japanern beliebt. Das Kaiserpaar gilt als bürgernah. 1991 erregte Akihito Aufsehen, als er nach einem Vulkanausbruch erstmals auf dem Holzfußboden einer Notunterkunft niederkniete. Nach der Katastrophe von Fukushima sprach er den Japanern per Videobotschaft Mut zu.

jpz/AFP/dpa



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f_bauer 30.04.2019
1. "Nach der Katastrophe von Fukushima"
Immer noch wird in Deutschland von der "Katastrophe von Fukushima" gesprochen, was bei Japanern immer nur Verwunderung hervorruft. Die Japaner sprechen vom "Touhoku-chihou Taiheiyou Oki Jishin" - dem Erdbeben in der Tohoku-Region des Pazifiks. Und es war diese Katastrophe nach welcher der Tenno den Japanern Mut zusprach. Fukushima hat im japanischen Bewusstsein eine weitaus niedrigere Priorität - wohl weil durch Erdbeben und Tsunami fast 16000 Menschen starben, während es bisher nur einen bestätigten Tod durch die Atomkatastrophe gibt. Man kann davon halten, was man will (das ist eine ganz andere Diskussion), aber Fukushima in diesem Zusammenhang zu erwähnen - insbesondere ohne Nennung des Erdbebens und des Tsunamis - ist schlichtweg falsch. Das müssen deutsche Journalisten irgendwann mal in ihren Kopf kriegen.
Freifrau von Hase 30.04.2019
2.
Dieser Text ist aber nicht für japanische Leser geschrieben worden sondern für deutsche Leser. Und für uns Deutsche ist und bleibt Fukushima eben eine "Katastrophe" mit weitreichenden Folgen - sie läutete das Ende der Atomenergie in unserem Land ein. Ohne Fukushima hätte es weder einen Grünen Mininisterpräsidenten in Baden-Württemberg geben noch eine bei Mehrheit bei Wählern und Politikern für den Atomausstieg. Das sollte mal in Ihren Kopf rein.....
f_bauer 30.04.2019
3. Nicht für Japaner, aber über Japaner
Der Text ist nicht für Japaner geschrieben, aber über Japaner. Da steht: "Nach der Katastrophe von Fukushima sprach er den Japanern per Videobotschaft Mut zu." Und das ist eben komplett falsch, weil er den Japanern nach der Katastrophe des Tohoku Erdbebens Mut zusprach. In seiner Rede damals sprach er die Atomkatastrophe mit genau einem Satz an. Im Rest seiner Rede sprach er den Betroffenen des Erdbebens und des Tsunamis sowie dem japanischen Volk im allgemeinen im klaren Bezug auf Erdbeben und Tsunami Mut zu. Und das ist es, woran Japaner sich erinnern. Da muss man sich schon echt bewusst dumm stellen, um den typisch deutschen deutsch-zentrischen Tunnelblick zu rechtfertigen. Ob Sie es glauben oder nicht - der Tenno hat damals nicht über Deutschland gesprochen und auch nicht über den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Und in dem Artikel geht es auch weder um Deutschland, noch um Baden-Württemberg, noch um die Grünen sondern um den japanischen Kaiser und sein Verhältnis zu den Bürgern Japans. Wenn es die Atomkatastrophe von Fukushima nicht gegeben hätte, wäre es für Sie wohl auch ok, wenn da stünde: "In der Vorosterzeit 2011 sprach der Tenno den Japanern Mut zu." Der Artikel ist ja für Deutsche geschrieben, nicht für Japaner - da ist es doch irrelevant, worüber der Tenno sprach. Hauptsache, es ist aus deutscher Sicht geschrieben.
jschm 30.04.2019
4. tschuldigung Spon aber
ein Kaiser oder König tritt nicht zurück, sondern dankt ab. Ein bisschen besseres Deutsch bekäme euch gut.
Klarstellung 30.04.2019
5.
Zitat von f_bauerDer Text ist nicht für Japaner geschrieben, aber über Japaner. Da steht: "Nach der Katastrophe von Fukushima sprach er den Japanern per Videobotschaft Mut zu." Und das ist eben komplett falsch, weil er den Japanern nach der Katastrophe des Tohoku Erdbebens Mut zusprach. In seiner Rede damals sprach er die Atomkatastrophe mit genau einem Satz an. Im Rest seiner Rede sprach er den Betroffenen des Erdbebens und des Tsunamis sowie dem japanischen Volk im allgemeinen im klaren Bezug auf Erdbeben und Tsunami Mut zu. Und das ist es, woran Japaner sich erinnern. Da muss man sich schon echt bewusst dumm stellen, um den typisch deutschen deutsch-zentrischen Tunnelblick zu rechtfertigen. Ob Sie es glauben oder nicht - der Tenno hat damals nicht über Deutschland gesprochen und auch nicht über den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Und in dem Artikel geht es auch weder um Deutschland, noch um Baden-Württemberg, noch um die Grünen sondern um den japanischen Kaiser und sein Verhältnis zu den Bürgern Japans. Wenn es die Atomkatastrophe von Fukushima nicht gegeben hätte, wäre es für Sie wohl auch ok, wenn da stünde: "In der Vorosterzeit 2011 sprach der Tenno den Japanern Mut zu." Der Artikel ist ja für Deutsche geschrieben, nicht für Japaner - da ist es doch irrelevant, worüber der Tenno sprach. Hauptsache, es ist aus deutscher Sicht geschrieben.
Das ist so relevant als wenn in China ein Sack Reis umfällt. Ich finde es ohnehin komplett anachronistisch, das es noch so einen "Gottkaiser" gibt, in einem aufgeklärten Land. Aber wenn er schon mal da ist, kann er in seinem für Aussenstehenden, höfischen Wisper Japanisch auch gleich bei Erdbeben und Atomkatastrophen den Betroffenen Mut zu sprechen. Das geht ja auch einfacher, als einer massiv alternden und schrumpfenden Bevölkerung, energetische Alternativen aufzuzeigen. Nicht Deutschland schafft sich ab, aber Japan, bis 2050 wir Japan "nur" noch ca. 100 Millionen Einwohner haben, mit massivsten Auswirkungen auf die Industrie. Ich selber konnte schon in Japan bei verschiedenen Großkonzernen Gabelstaplerfahrer jenseits der 70 in Augenschein nehmen. In Tokio siehst Du fast keine Kinder mehr und die Anwohner von Kindergärten ärgern sich über die paar laut spielenden Kinder. Aber ich vergaß, auch hier wird sicherlich Trost gespendet, schade das Japan diesen Weg nehmen wird, es ist ist nicht eine großartige Kulturnation mit überragendem Wissen und Tradition und exzellenten Unternehmen, es ist auch ein schönes, bergiges zum Teil wildes Land. Bald mit viel mehr Platz.
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